Ein Jahr zuvor waren noch rund 974.000 syrische Staatsbürger im Ausländerzentralregister gespeichert.
Rückgang syrischer Staatsbürger in Deutschland durch Einbürgerung

Die Anzahl der in Deutschland lebenden Personen mit syrischer Staatsbürgerschaft geht zurück, jedoch hauptsächlich durch Einbürgerung anstatt durch Ausreise. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion befanden sich Ende November 940.401 Syrerinnen und Syrer in Deutschland. Über die Hälfte von ihnen – 512.348 syrische Staatsbürger – hatten einen Schutzstatus.
Vor einem Jahr waren im Ausländerzentralregister (AZR) noch etwa 974.000 syrische Staatsbürger verzeichnet. Syrien war in den letzten drei Jahren eines der Hauptursprungsländer von Personen, die in Deutschland eingebürgert wurden. Wenn jemand die deutsche Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung erhält, wird sein Name nicht mehr im AZR geführt, auch wenn er seine ursprüngliche Staatsangehörigkeit behält oder sein Herkunftsland ihn weiterhin als Staatsbürger ansieht.
Schwierige Lage in Syrien
Der Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte im Oktober intern heftige Kritik auf sich gezogen, als er bei einem Besuch in Syrien Zweifel an einer freiwilligen Rückkehr in großer Zahl geäußert hatte. Später bekräftigte der Minister, dass die Rückkehr an zerstörte Orte wie Damaskus kurzfristig nur sehr eingeschränkt möglich sei. Bis Ende November 2025 reisten mit finanzieller Unterstützung staatlicher Stellen insgesamt 3.707 Menschen freiwillig aus Syrien aus.
Die CSU im Bundestag hat in einem Beschlusspapier für eine Klausur im oberbayerischen Kloster Seeon erklärt, dass für die meisten Syrer mit vorübergehendem Bleiberecht nach dem Ende des Bürgerkriegs in dem Land der Schutzgrund entfällt. Im Jahr 2026 soll es eine Abschiebeoffensive geben – auch nach Syrien. Seit Dezember wurden drei Straftäter von der Bundespolizei begleitet per Linienflug nach Syrien abgeschoben. Bei einem für Dienstag geplanten Gespräch zwischen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und dem syrischen Außenminister Asaad al-Schaibani dürfte es auch um Abschiebungen gehen.
Schlechte humanitäre Lage
In der Antwort der Bundesregierung an die Linksfraktion, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es zur aktuellen Lage in Syrien: «Die neue Regierung steht weiter vor der Aufgabe, das Land zu einen und Sicherheit und Schutz für alle Einwohnerinnen und Einwohner Syriens zu gewährleisten.» Die humanitäre Situation sei weiterhin schlecht. Fast 70 Prozent der Bevölkerung sei auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Lage in Syrien sei «immer noch volatil». Das gelte für alle Syrerinnen und Syrer, nicht nur für Angehörige bestimmter Minderheiten.
Laut Bundesregierung lebten Ende November 10.253 syrische Staatsangehörige in Deutschland, die ausreisepflichtig sind. Von ihnen besaßen jedoch nur 884 keine Duldung. Eine Duldung wird erteilt, wenn die Abschiebung eines ausreisepflichtigen Ausländers vorübergehend ausgesetzt ist. Dies kann aus verschiedenen Gründen geschehen, wie der Vermeidung von Familientrennung, rechtlichen oder praktischen Hindernissen – beispielsweise fehlende Reisepapiere oder Krankheit des Betroffenen – oder wenn jemand eine Ausbildung begonnen hat.
Weniger Asylanträge von Menschen aus Syrien
Obwohl immer noch Syrer Schutz in Deutschland suchen, ist ihre Anzahl seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad durch die Islamistenmiliz HTS im Dezember 2024 deutlich gesunken.
Im Jahr zuvor haben 23.256 Personen aus Syrien erstmals in Deutschland einen Asylantrag gestellt, nachdem im Jahr 2024 76.765 Asylanträge von Syrerinnen und Syrern eingereicht wurden.
Ahmed al-Scharaa, der Anführer der HTS, lenkt nun als Übergangspräsident die Geschicke Syriens und strebt nach einer Annäherung an den Westen.
Einige der 1,22 Millionen Menschen mit syrischen Wurzeln begrüßen seinen geplanten Besuch in Berlin, wo er am Dienstag Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und weitere Regierungsvertreter treffen soll. Doch andere äußern Kritik, darunter Kurden sowie die Vertreterinnen und Vertreter der Jesiden.
Die Grünen-Bundestagsfraktion setzt sich für ein Bleiberecht für Jesiden aus dem Irak ein. Die Linksfraktion will ebenfalls eine solche Regelung, allerdings auch für Angehörige der Religionsgemeinschaft, die aus Syrien stammen. «Es ist verantwortungslos und empörend, Überlebende des Genozids in solche Verhältnisse abzuschieben», sagt die fluchtpolitische Sprecherin der Fraktion, Clara Bünger.
Kurden und Jesiden sehen Besuch kritisch
Al-Scharaas Einreise werfe «grundlegende Fragen nach der Kohärenz staatlichen Handelns sowie nach der Wahrung der Interessen von Opfergemeinschaften auf, die in Deutschland Schutz gefunden haben», heißt es vom Kongress der Eziden in Diaspora.
Laut Bundesregierung sind seit 2014 fast 100.000 Angehörige der Religionsgruppe der Jesiden aus dem Irak und fast 15.000 Jesidinnen und Jesiden aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Vor drei Jahren hatte der Bundestag die Verbrechen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an den Jesiden als Völkermord anerkannt.
In letzter Zeit sind Tausende von Menschen aus dem östlichen Umland der syrischen Millionenstadt Aleppo geflohen. Der Grund dafür sind Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der vorwiegend kurdisch geprägten Miliz SDF (Syrian Democratic Forces).








