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Tausende fordern vor Europawahl Klima- und Demokratieschutz

Es geht ums Klima, um Demokratie und die Europawahl. Die Klimabewegung Fridays for Future hat deutschlandweit zum Protest aufgerufen. In manchen Städten kamen jedoch weniger Teilnehmer als erwartet.

«Eure Wahl = Meine Zukunft»: Demonstrierende auf dem Königsplatz in München.
Foto: Sven Hoppe/dpa

Tausende Menschen in Deutschland sind dem Aufruf von Fridays for Future gefolgt und haben für Klimaschutz und Demokratie demonstriert.

Die Organisation teilte mit, dass man mit den Protesten vor der Europawahl die Bedeutung der EU in der Bewältigung der Klimakrise und die bevorstehende Europawahl ins Bewusstsein rücken wolle. Größere Demonstrationen fanden unter anderem in Berlin, München und Hamburg statt. Insgesamt waren in rund 100 Städten Proteste angekündigt worden.

Neubauer: EU-Klimapolitik muss konsequenter werden

In Deutschland findet die Europawahl am 9. Juni statt. Erstmals können in der Bundesrepublik alle Menschen ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben. «Um eine Chance zu haben, die rasenden Klimakatastrophen einzuholen, muss die EU-Klimapolitik noch konsequenter werden», sagte die Klimaaktivistin Luisa Neubauer der Deutschen Presse-Agentur. «Das geht nur mit einer starken Demokratie, gesellschaftlichem Frieden und Zusammenhalt. All das will der rechte Rand vernichten.»

Fridays for Future fordert, dass die EU bis 2035 aus Kohle, Öl und Gas aussteigt und die Investitionen in erneuerbare Energien und klimaneutrale Industrien verdoppelt.

Weniger Teilnehmer in Hamburg als erwartet

Bei der Demonstration in Berlin haben nach Angaben der Polizei mehr als 5000 Teilnehmer teilgenommen. Die Veranstalter nannten die Zahl von 13.000. Die Kundgebung begann mittags vor dem Brandenburger Tor.

In Hamburg kamen bei teils strömendem Regen der Polizei zufolge mehr als 1000 Menschen zusammen. Das waren deutlich weniger als zunächst erwartet – ursprünglich waren die Veranstalter von rund 15 000 Teilnehmenden ausgegangen. «Die Leute, die da sind, sind auf jeden Fall sehr committed», sagte eine Sprecherin von Fridays for Future in Hamburg.

Sängerin Lina sagt Auftritt ab

Die Sängerin Lina sollte eigentlich bei der Klimademo auftreten, aber die 26-Jährige hat kurzfristig abgesagt. Der Grund dafür war, dass sie nicht einverstanden ist, wie die Klimabewegung mit Antisemitismus umgeht.

Nach ihrer Meinung distanziert sich Fridays For Future Hamburg nicht ausreichend von Antisemitismus und tut nicht genug dagegen, dass antisemitische Inhalte regelmäßig und in großem Umfang auf ihren Demonstrationen gezeigt werden. Früher war Lina Larissa Strahl als Bibi Blocksberg im Kino zu sehen, zuletzt tanzte sie in der RTL-Show «Let’s Dance» mit.

Weitere Demos unter anderem in München und Kiel

Die Polizei gab an, dass etwa 2000 Menschen an dem Klimaprotest in München teilgenommen haben. Dies ist eine deutlich geringere Zahl als die von den Veranstaltern zuvor angemeldeten 8000 Menschen.

Bereits am Donnerstag begann ein Klimacamp am Münchner Königsplatz mit Zelten rund um die Glyptothek. Bis Sonntag erwartet das KVR dort täglich zwischen 250 und 300 Personen, die sich zum Austausch, zur Information und zum friedlichen Protest versammeln möchten. Aufgrund des Wetters haben die Organisatoren die Zelte zusätzlich gesichert und Paletten auf dem Boden ausgelegt, um den Schlamm zu vermeiden.

Bei den Klimaprotesten in Kiel beteiligten sich mehrere Hundert Menschen. Laut Polizei waren etwa 800 Teilnehmer anwesend. Ursprünglich wurden rund 1000 erwartet.

Lang stärkt Demonstranten den Rücken

«Es ist ermutigend zu sehen, dass heute tausende Menschen in ganz Deutschland für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen», sagte die Grünen-Chefin Ricarda Lang der Deutschen Presse-Agentur. Der Klimastreik sei aktueller denn je. Eine Woche vor der Europawahl sei klar, dass der 9. Juni wegweisend für die europäische Klimapolitik sein werde. «Teile der Union wollen den Klimaschutz gezielt rückabwickeln und stellen sich damit bewusst gegen den Kurs ihrer eigenen Spitzenkandidatin. Der Zickzack-Kurs der Union beim Green Deal ist eine Gefahr für das Klima, für den Wirtschaftsstandort Deutschland und den Wohlstand in ganz Europa.»

dpa