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Tod von Raisi: Trauer und Ermittlungen im Iran

Zwei Tage nach dem tödlichen Hubschrauberabsturz sind im Iran Trauerfeierlichkeiten angesetzt. Spekuliert wird unterdessen nicht nur über die Absturzursache, sondern auch über die Zukunft des Landes.

Nach dem Tod Raisis ist das Land gespalten: Während einige Iraner trauern, reagieren andere in den sozialen Medien mit Schadenfreude.
Foto: Mukhtar Khan/AP

Nach dem Tod von Präsident Ebrahim Raisi und Außenminister Hussein Amirabdollahian sind Trauerfeierlichkeiten im Iran geplant. Zunächst soll es am Morgen eine Zeremonie in der Provinzhauptstadt Tabris im Nordwesten des Landes geben. Anschließend ist laut iranischen Medien eine Feierlichkeit in der Pilgerstadt Ghom geplant. Das genaue Datum für die Beerdigung der beiden Staatsmänner ist noch nicht bekannt. Ajatollah Ali Chamenei, der Religionsführer des Irans, hat eine fünftägige Staatstrauer angeordnet.

Raisi und Amirabdollahian starben am Sonntag bei einem Hubschrauberabsturz. Es gibt bisher keine gesicherten Informationen zur Absturzursache, bei dem auch alle sieben anderen Insassen des Helikopters ums Leben kamen. General Mohammed Bagheri, der Armeechef des Landes, hat eine gründliche Untersuchung angeordnet und laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Isna ein technisch hochversiertes Team im Verteidigungsministerium zusammengestellt.

Seit dem Absturz wird im Iran darüber spekuliert, ob schlechtes Wetter, ein technischer Defekt oder sogar ein Sabotageakt des Erzfeindes Israel für den Vorfall verantwortlich gewesen sein könnte. Zum fraglichen Zeitpunkt herrschte dichter Nebel, der Präsidenten-Helikopter vom Typ Bell 212 war über 40 Jahre alt. Zwei weitere Hubschrauber der iranischen Delegation, die sich auf dem Rückweg von einem Termin in Aserbaidschan befand, erreichten sicher ihr Ziel.

Die Luftwaffe des Iran wird als stark veraltet angesehen, und aufgrund der strengen internationalen Sanktionen kommt die Modernisierung nur langsam voran. Neues Equipment und Ersatzteile sind schwer zu beschaffen. Viele der Flugzeuge und Helikopter stammen noch aus der Zeit vor der islamischen Revolution von 1979, als das Land enge Beziehungen zu den USA unterhielt.

Bericht: Neuwahlen könnten bereits am 28. Juni stattfinden

Die Amtsgeschäfte im Iran wurden in der Zwischenzeit von Raisis erstem Vize Mohammed Mochber übernommen. Neuwahlen könnten möglicherweise bereits am 28. Juni stattfinden, wie Isna unter Berufung auf einen Sprecher der Wahlbehörde berichtete. Dies würde bedeuten, dass ab dem 28. Mai eine Registrierung der Kandidaten möglich wäre. Der Termin ist jedoch bisher nicht offiziell bestätigt.

Im Iran ist anders als in vielen Ländern der Präsident nicht das Staatsoberhaupt, sondern lediglich der Regierungschef. Die eigentliche Autorität liegt beim Religionsführer, der in allen wichtigen Angelegenheiten das letzte Wort hat. Seit 1989 ist dies Ajatollah Ali Chamenei.

Die Verbündeten Teherans – unter ihnen Russland und China – kondolierten nach dem Tod der Politiker, aus westlichen Ländern kamen eher verhaltene Reaktionen. Die US-Regierung bekundete zwar ihr Beileid, begleitete dies aber mit einem Hinweis auf die Menschenrechtslage im Iran. «Während der Iran einen neuen Präsidenten wählt, bekräftigen wir unsere Unterstützung für das iranische Volk und seinen Kampf für Menschenrechte und Grundfreiheiten», teilte US-Außenminister Antony Blinken in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, sagte, Raisi sei verantwortlich für grausame Menschenrechtsverletzungen in seinem Land gewesen, ebenso wie für die Unterstützung von Terrornetzwerken in der gesamten Region. «Keine Frage – das war ein Mann, der eine Menge Blut an seinen Händen hatte.» Die US-Regierung bedauert jedoch generell den Verlust von Menschenleben und hat daher offiziell ihr Beileid ausgesprochen. Dies sei übliche Praxis. Von der Bundesregierung gab es zunächst keine Reaktion.

Schadenfreude über Tod des Präsidenten

Raisi wurde 1960 in Maschhad geboren und war über drei Jahrzehnte in der zentralen Justizbehörde des Landes tätig. 2019 wurde er zum Justizchef ernannt. In seiner früheren Funktion als Staatsanwalt soll er 1988 für zahlreiche Verhaftungen und Hinrichtungen politischer Dissidenten verantwortlich gewesen sein, weshalb ihn seine Gegner «Schlächter von Teheran» nannten. 

Experten hatten Raisi zwischenzeitlich auch als potenziellen Nachfolger für den nunmehr 85 Jahre alten Religionsführer Chamenei betrachtet. Obwohl sich vor allem die Kritik der jungen Generation mittlerweile zunehmend gegen das gesamte System der Islamischen Republik richtet, war Raisi als Repräsentant der Regierung im Inland besonders unter Druck.

Unter ihm wurde schließlich auch der umstrittene Kurs bei der Verfolgung des Kopftuchzwangs vorangetrieben, der Teile der Bevölkerung noch mehr gegen den staatlichen Machtapparat aufbrachte. In sozialen Medien reagierten zahlreiche Iranerinnen und Iraner mit Schadenfreude auf die Nachricht vom Tod des Präsidenten.

dpa