Israel weist Vorwürfe zurück, wonach zwei Panzergranaten ein Flüchtlingslager im Gazastreifen getroffen haben sollen. Unterdessen greift die Huthi-Miliz erneut ein Containerschiff an. Der Überblick.
Tote in UN-Einrichtung im Gazastreifen

Obwohl die Verhandlungen über eine mögliche Waffenruhe im Gazastreifen nur schleppend vorankommen, werden aufgrund der fortlaufenden Kämpfe immer mehr Menschen getötet. Laut den Vereinten Nationen kamen bei einem Brand in einer Einrichtung des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA neun Menschen ums Leben.
Laut Thomas White, dem Gaza-Direktor des Hilfswerks, wurde das Trainingszentrum in der Stadt Chan Junis im Gazastreifen von zwei Panzergeschossen getroffen. Diese Information teilte er auf der Plattform X (vormals Twitter) mit. Es gab etwa 800 Vertriebene, die in dieser Einrichtung Schutz suchten. Neben den Todesopfern gab es auch 75 Verletzte. White erklärte, dass nun Gebäude in Flammen stehen.
Die US-Regierung äußerte sich in einer Mitteilung «sehr besorgt» über den Beschuss. «Wir kennen zwar noch nicht alle Einzelheiten des Geschehens und werden weiterhin nach weiteren Informationen über die heutigen Vorfälle suchen, aber der Verlust jedes unschuldigen Lebens ist eine Tragödie», sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Adrienne Watson.
White gab keine Informationen darüber, wer seiner Meinung nach für den Angriff auf die Einrichtung verantwortlich war. Augenzeugen berichteten der dpa, dass der Brand durch israelische Bombardierungen verursacht wurde. Auf Anfrage erklärte die israelische Armee, dass sie derzeit ausschließt, dass der Vorfall auf einen israelischen Luft- oder Artillerieangriff zurückzuführen ist. Eine Untersuchung ist im Gange. Die Armee prüft auch, ob es sich um einen Beschuss der Hamas handeln könnte.
Verhandlungen: Weiterhin Kluft zwischen Israel und Hamas
Mehrere Medien berichteten zuletzt über Hoffnungen auf einen weiteren Deal zur Freilassung von Geiseln im Gegenzug für palästinensische Häftlinge und eine längere Feuerpause. Ein israelischer Repräsentant sagte laut der Nachrichtenseite «ynet» jedoch, die Kluft zwischen den Verhandlungspositionen Israels und der islamistischen Hamas sei noch sehr groß. «Man darf niemandem Illusionen machen, es wird noch sehr lange dauern», sagte er. Die Hamas habe ein Angebot Israels für einen neuen Geiseldeal abgelehnt, berichtete der israelische Sender Kan.
Während einer Waffenruhe Ende November von einer Woche befreite die Hamas 105 Geiseln. Im Gegenzug entließ Israel 240 palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen.
Israelische Frauen fordern Freilassung der Geiseln
Tausende Frauen forderten bei Demonstrationen in Israel eine rasche Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln. Die Veranstalterinnen hatten einen landesweiten «Tag des Zorns» ausgerufen. Die Demonstrantinnen blockierten in Tel Aviv, Haifa, Jerusalem und anderen Städten Straßen und Kreuzungen. «Genug mit dem Blutvergießen, wir wollen einen Deal auf dem Tisch», stand auf einem Schild der Demonstrantinnen.
Huthi-Miliz greift erneut Containerschiff an
Gemäß dem US-Militär hat die jemenitische Huthi-Miliz erneut ein Containerschiff im Nahen Osten angegriffen. Das zuständige Regionalkommando des US-Militärs teilte mit, dass die Miliz drei Raketen auf einen unter US-Flagge fahrenden Frachter abgefeuert habe, während dieser den Golf von Aden durchquerte. Die Raketen stammten aus Gebieten im Jemen, die von den Huthis kontrolliert werden. Eine der Raketen stürzte ins Meer, während die anderen beiden von einem Zerstörer der US-Marine abgeschossen wurden. Es wurden keine Verletzten oder Schäden an dem Schiff gemeldet.
Seit dem Beginn des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der Hamas haben die jemenitischen Huthi aus Solidarität mit der Hamas immer wieder Frachtschiffe im Roten Meer angegriffen, die angeblich Verbindungen zu Israel haben. Als Reaktion darauf haben die USA und Großbritannien mit Unterstützung ihrer Verbündeten Militärschläge gegen die vom Iran unterstützte Miliz im Jemen durchgeführt.
Huthi fordern Briten und US-Amerikaner zur Ausreise auf
Die Huthi forderten britische und US-amerikanische Mitarbeiter der Vereinten Nationen und anderer Hilfsorganisationen zur Ausreise aus von ihnen kontrollierten Gebieten im Jemen auf. Aus Kreisen der proiranischen Miliz erfuhr die dpa, dass die Aufforderung als Reaktion auf die wiederholten Angriffe der USA, Großbritanniens und weiterer Verbündeter auf Huthi-Ziele im Land erfolgt sei. Die Betroffenen sollten die von den Huthi kontrollierte Hauptstadt Sanaa innerhalb eines Monats verlassen. «Die Briten und die Amerikaner werden sicher abreisen», hieß es. Staatsangehörige, deren Länder nicht an den Angriffen beteiligt seien, dürften im Land bleiben.
UN-Gericht: Entscheidung über Waffenstillstand am Freitag
Am Freitag wird der Internationale Gerichtshof seine Entscheidung über den Eilantrag Südafrikas verkünden, im Gaza-Krieg einen sofortigen Waffenstillstand anzuordnen. Das höchste Gericht der Vereinten Nationen in Den Haag hat den Termin nun bekanntgegeben. Vor zwei Wochen hat Südafrika eine Klage wegen Völkermords gegen Israel eingereicht und in dem Eilverfahren als vorläufige Maßnahme einen sofortigen Rechtsschutz für die Palästinenser gefordert.
Das Gericht hat noch keine Entscheidung in Bezug auf den Völkermord-Vorwurf getroffen, sondern zunächst nur über den Eilantrag bezüglich eines Endes der militärischen Handlungen. Israel hat den Vorwurf Südafrikas, systematisch völkermörderische Handlungen gegen die Palästinenser begangen zu haben, entschieden abgelehnt. Das Verfahren bezüglich des Hauptvorwurfs könnte Jahre dauern. Obwohl eine Entscheidung des Gerichts bindend ist, haben die UN-Richter selbst keine Mittel, um diese durchzusetzen. Ein negativer Beschluss könnte Israel schaden und den internationalen Druck auf die Regierung des Landes weiter erhöhen.
Was heute wichtig wird
Die Verhandlungen für eine neue Waffenruhe scheinen im Gange zu sein. Das israelische Militär führt derzeit eine mehrtägige Operation gegen die Hamas im Westen von Chan Junis durch. In der größten Stadt im Süden des Gazastreifens gab es zuletzt besonders intensive Kämpfe. Derzeit flüchten Tausende Palästinenser aus der umkämpften Stadt.








