Die Bundeswehr zählt erstmals seit Jahren wieder merklich mehr Soldaten. Bis zum Ziel von 260.000 Männern und Frauen in der stehenden Truppe ist allerdings noch ein Kraftakt.
Pistorius: «Aktive Truppe so groß wie seit 12 Jahren nicht»

Die Bundeswehr ist erstmals seit Jahren deutlich gewachsen und hat nun 184.200 Männer und Frauen in der aktiven Truppe. «Wir haben das beste Einstellungsergebnis seit Aussetzung der Wehrpflicht. Außerdem ist die aktive Truppe so groß wie seit 12 Jahren nicht mehr», sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) der Deutschen Presse-Agentur weiter. Die Zahl bedeutet einen Anstieg um rund 3.000 Soldatinnen und Soldaten zum Stichtag 31. Dezember 2025.
Die Anzahl der freiwilligen Wehrdienstleistenden stieg laut dem Verteidigungsministerium im letzten Jahr auf 12.200 – nach 10.300 Männern und Frauen im Jahr 2024. Dies entspricht einem Anstieg von mehr als 18 Prozent. Das selbstgesteckte Ziel waren jedoch 15.000 freiwillige Wehrdienstleistende. In diesem Jahr soll die Zahl auf 20.000 junge Männer und Frauen steigen.
Pistorius bezeichnete die wachsenden Personalzahlen als Zeichen für das große Vertrauen in die Bundeswehr. «Die Bereitschaft der jungen Menschen, sich für die äußere Sicherheit Deutschlands einzusetzen, steigt. Das stimmt mich optimistisch, dass sich auch in 2026 viele motivierte und engagierte Männer und Frauen für die Bundeswehr entscheiden werden – ob zivil oder militärisch, ob im neuen Wehrdienst oder länger dienend», sagte der Minister.
Ziel: 260.000 Soldaten binnen 10 Jahren in der aktiven Truppe
Trotz umfangreicher Werbekampagnen hatte die Truppe in den vergangenen Jahren mit sinkenden oder stagnierenden Personalzahlen zu kämpfen. Im Jahr 2024 war die Zahl der Soldaten trotz mehr Einstellungen erneut leicht auf rund 181.150 Soldatinnen und Soldaten in der aktiven Truppe gesunken.
Um die neuen Nato-Ziele zu erreichen, muss die Bundeswehr jedoch deutlich wachsen. Bis Mitte der 30er Jahre soll die aktive Truppe auf 260.000 Männer und Frauen erhöht werden. Darüber hinaus sollen 200.000 Soldaten in der Reserve stehen. Diese Reserve soll hauptsächlich aus den Personen gebildet werden, die den neuen Wehrdienst ableisten, für den seit Jahresbeginn die gesetzlichen Grundlagen geschaffen wurden.
Das Verteidigungsministerium betont die Dringlichkeit. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums erklärte, dass aufgrund der sicherheitspolitischen Lage, der aktuellen Nato-Verteidigungspläne und den resultierenden Aufgaben ein erheblicher Bedarf an Personal, Material und Infrastruktur bestehe. Deutschland könne nur dann seinen wesentlichen Beitrag zur Abschreckung und Verteidigung leisten, wenn dies gelinge.
Mehr Einstellungen, aber eine weiterhin hohe Abbruchquote
Im letzten Jahr hat die Bundeswehr mehr als 25.000 Soldaten eingestellt. Das Verteidigungsministerium bezeichnet dies als ein Plus von 23 Prozent und das beste Einstellungsergebnis als Freiwilligenarmee seit Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011.
Die Abbruchquote liegt weiter bei knapp 25 Prozent. «Hier werden wir weiterhin große Anstrengungen darauf richten, die einmal gewonnenen Soldatinnen und Soldaten von einem Verbleib in der Bundeswehr zu überzeugen», erklärte die Sprecherin.
Maßnahmen dazu seien ein «transparenteres Erwartungsmanagement» bereits vor Dienstantritt, der Ausbau an heimatnahen Angeboten, attraktive Infrastruktur und sinnstiftende Ausbildung. Zudem sollen Unzufriedenen alternative Dienstoptionen aufgezeigt werden.
Bundeswehr bietet Weiterverpflichtungen an
Auch wurden verstärkte Bemühungen unternommen, Soldaten dazu zu bewegen, über ihre bisherige Dienstzeit hinaus weiterhin in der Armee zu dienen. Das erklärte Ziel ist es, hochqualifizierte militärische Fachkräfte in den Streitkräften zu halten. Etwa 8.500 Soldatinnen und Soldaten wurden überzeugt, ihren Dienst in der Bundeswehr zu verlängern. Dies bedeutet eine Steigerung um sechs Prozent im Vergleich zum Jahr 2024.
Dennoch: Die Anzahl der Soldaten auf Zeit (SaZ) – die sich für einen festgelegten Zeitraum verpflichten und keine Berufssoldaten sind – ist im letzten Jahr erneut auf nun 112.600 gesunken. Jahresberichte der Wehrbeauftragten wiesen in den vergangenen Jahren auf die Gefahr einer Überalterung der Streitkräfte hin, wenn zu stark auf eine Verlängerung bestehender Dienstverhältnisse gesetzt wird.








