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Trump pocht auf Einhaltung der Gaza-Waffenruhe

Erneut gibt es in Gaza blutige Zwischenfälle. Der US-Präsident warnt die Hamas – gibt ihr aber eine Chance, die Waffenruhe-Vereinbarung einzuhalten. Derweil wird eine weitere Geisel-Leiche übergeben.

Die USA drängen Israel und die Hamas zur Einhaltung der Waffenruhe im Gazastreifen.
Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

Nachdem es im Gazastreifen zu wiederholten tödlichen Zwischenfällen gekommen war, setzen sich die USA verstärkt für die Aufrechterhaltung des fragilen Waffenstillstands zwischen Israel und der islamistischen Hamas ein. Die beiden US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner sprachen nach ihrer Ankunft in Israel laut örtlichen Medienberichten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu darauf an, nichts zu unternehmen, was die Waffenruhe gefährden könnte.

Auch US-Vizepräsident JD Vance befindet sich auf dem Weg zum Verbündeten, um die weitere Umsetzung des Abkommens mit der Hamas voranzutreiben. Kurz vor seiner Abreise hatte US-Präsident Donald Trump erneut eine Warnung an die Hamas gerichtet: Man habe eine Vereinbarung mit der palästinensischen Terrororganisation, dass sie sich «anständig benimmt», sagte Trump – sollte sie das nicht tun, werde man sie «auslöschen». Das wisse die Hamas.

Hamas übergibt weitere Geisel-Leiche

Die Terrorgruppe übergab inzwischen die Leiche einer weiteren Geisel an Israel. Netanjahus Büro bestätigte nach der Identifizierung in der Nacht, dass es sich um die Leiche des Israelis Tal Haimi handelt. Der damals 41-Jährige verteidigte nach Informationen des israelischen Militärs einen Kibbuz während des Terrorüberfalls der Hamas und anderer islamistischer Extremisten auf Israel am 7. Oktober 2023 und wurde dabei getötet. Seine Leiche wurde anschließend in den angrenzenden Gazastreifen gebracht.

Gemäß Berichten der Medien hinterließ Haimi seine Ehefrau und vier Kinder. Das jüngste Kind wurde sieben Monate nach seiner Ermordung geboren.

Die Terroristen hatten am 7. Oktober etwa 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 nach Gaza verschleppt. Das beispiellose Massaker war der Auslöser des Gaza-Krieges.

Noch 15 tote Geiseln in Gaza 

Gemäß der Waffenruhe-Vereinbarung müssen insgesamt 28 Leichen von der Hamas übergeben werden. Bei 15 von ihnen warten die Angehörigen noch auf die Überstellung der sterblichen Überreste. Die Hamas erklärt, dass es für sie schwierig sei, die Leichen zu finden, da sie unter den Trümmern bombardierter Gebäude und Tunnel im Gazastreifen verschüttet seien.

Am vergangenen Montag hatten die Islamisten bereits die letzten 20 lebenden Geiseln freigelassen. Die erste Phase der Waffenruhe, die von Trump eingeleitet wurde, sieht die Freilassung und Übergabe aller lebenden und toten Geiseln an Israel vor.

Trump ließ am Montag wissen, dass er der palästinensischen Terrororganisation weiterhin eine Chance gebe, die Waffenruhe einzuhalten. Er äußerte sich überzeugt, dass ein tödlicher Angriff auf israelische Soldaten am Sonntag nicht von der Führung der Hamas genehmigt worden sei. «Ich glaube nicht, dass es die Führung war», sagte Trump. Vielmehr habe es eine Rebellion in den Reihen der Hamas gegeben. Viele Menschen seien getötet worden.

Erneute Zwischenfälle in Gaza

Gemäß der israelischen Armee wurden am Sonntag im Süden Gazas eigene Truppen in einem von der israelischen Armee kontrollierten Gebiet angegriffen. Zwei Soldaten wurden getötet. Israels Luftwaffe führte daraufhin die schwersten Angriffe seit Beginn der Waffenruhe am 10. Oktober durch. Nach Angaben von Krankenhäusern im Gazastreifen wurden dabei 44 Palästinenser getötet. Der militärische Flügel der Hamas lehnte jede Verantwortung für die Angriffe auf israelische Soldaten ab.

Israel und die Hamas haben nach der vorübergehenden Eskalation Erklärungen abgegeben, dass sie sich zur Waffenruhe verpflichten. Trotzdem kam es am Montag erneut zu Zwischenfällen. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete unter Berufung auf eine Klinik zwei Tote durch israelischen Beschuss im Osten der Stadt Gaza.

Israels Militär teilte mit, dass dort in zwei Fällen palästinensische «Terroristen» die «gelbe Linie», hinter die sich die Armee als Teil der vereinbarten Waffenruhe zurückgezogen hat, überschritten hätten. Da die beiden Männer eine Bedrohung für die Soldaten dargestellt hätten, sei auf sie gefeuert worden. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Bericht: USA richten Koordinationszentrum ein

Am selben Tag befanden sich Informationen des «Wall Street Journal» zufolge etwa 200 US-Soldaten in Israel, um ein Koordinationszentrum aus Zivilisten und Militärvertretern einzurichten. Dieses solle die Einhaltung der Waffenruhe verfolgen und sich mit humanitärer Hilfe sowie logistischer Unterstützung für den Gazastreifen befassen, hieß es unter Berufung auf einen Beamten des Pentagons. In den kommenden Tagen und Wochen würden internationale Partner erwartet, die bei der Koordination helfen sollen, berichtete die Zeitung.

Israel lässt inzwischen wieder humanitäre Güter in den abgeriegelten Gazastreifen hinein. Am Sonntag hatte es noch geheißen, die Hilfslieferungen seien wegen «eklatanter Verletzung» der Waffenruhe-Vereinbarungen durch die Hamas gestoppt worden.

Nach Beginn der Waffenruhe wurden die Hilfslieferungen ausgeweitet, mit dem Ziel von 600 Lkw-Ladungen pro Tag. Die israelische Behörde Cogat hat auf Anfrage zunächst nicht bekannt gegeben, wie viele Transporter derzeit tatsächlich in das Gebiet fahren.

dpa