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Trump pocht auf Grönland: Wer die Arktis bisher schützt

Das Gerangel um Grönland hat sich zu einer schweren Belastungsprobe für die transatlantischen Beziehungen entwickelt. Militärisch steht David gegen Goliath. Funktioniert die Zusammenarbeit noch?

Die Königlich Dänische Marine patrouilliert in der Nähe von Nuuk. (Archivbild)
Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

«Hoher Norden, niedrige Spannungen» – das war das erklärte Ziel der Nato, bevor Donald Trump aggressiv Grönland für die USA beanspruchte. Seit zwei Jahrzehnten warne die Nato Dänemark vor der «russischen Bedrohung», behauptete der US-Präsident jüngst. «Leider war Dänemark bisher nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen.» Stimmt das? Wer ist für die Sicherheit Grönlands tatsächlich zuständig? Und welche Rolle spielen die USA und Deutschland dabei? 

Wer ist für den militärischen Schutz der Arktisinsel zuständig?

Dänemark ist wie die USA eines der Gründungsmitglieder der Nato. Seit der Gründung im Jahr 1949 ist auch die Arktisinsel Grönland Teil des Nato-Gebiets. Der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa (Saceur), immer ein US-General, ist militärisch verantwortlich. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckt sich vom Mittelmeer bis zum Nordpol.

Außerdem haben die USA und Dänemark im Jahr 1951 ein Verteidigungsabkommen für Grönland abgeschlossen («concerning the defence of Greenland»). Im Jahr 2004 erhielt die halbautonome Regierung Grönlands ein Mitspracherecht. Das Abkommen ermöglichte es den USA, Militärbasen auf der Arktisinsel zu errichten und – de facto – die Verteidigung als Nato-Aufgabe zu übernehmen.

Im letzten Jahr wurde bekannt gegeben, dass die Verantwortung für die NATO-Verteidigungsplanung für Dänemark, Schweden und Finnland vom operativen Hauptquartier in Brunssum, Niederlande, auf das in Norfolk, USA, übertragen wird. Dies geschieht als Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage, obwohl es keine Anzeichen dafür gibt, dass Russland oder China die Arktisinsel übernehmen wollen.

Wie viele Soldaten haben die USA auf Grönland?

Im Kalten Krieg hatten die USA viel mehr Militär als jetzt auf Grönland. Kanzler Friedrich Merz (CDU) nannte am Montag eine Zahl von einst über 30.000 Soldaten. «Es sind zurzeit unter 200. Also offensichtlich ist die Bedrohungsanalyse auch der Vereinigten Staaten selbst nicht so dramatisch, wie sie im Augenblick vorgetragen wird. Was nicht heißt, dass sie nicht wieder größer werden könnte», sagte der Kanzler.

Die US-Soldaten sind hauptsächlich in der Pituffik Space Base, früher Luftwaffenbasis Thule, stationiert. Diese Basis ist entscheidend für die Raketenabwehr und Radarüberwachung. Laut dem US-Militär ermöglicht Pituffiks Lage am „Kopf der Welt“ strategische Weltraumüberlegenheit. Es handelt sich um die nördlichste US-Militäreinrichtung, die neun Monate im Jahr von Eis umgeben ist, aber über eine ganzjährig offene Landebahn verfügt.

Wozu diente die Erkundung der Bundeswehr?

Auch wenn die gemeinsame Entsendung von Soldaten als politisches Signal interpretiert wird, dient sie formell der Vorbereitung einer militärischen Übung. Die Soldaten der Bundeswehr haben die Bedingungen dafür überprüft. Genannt werden Hafenanlagen, logistische Möglichkeiten, die Treibstoffversorgung und praktische Fragen wie die Enteisung von Luftfahrzeugen.

Oft geht es um Standorte. Einer davon könnte der Zivilflughafen Kangerlussuaq sein, der früher ein US-Militärstandort war und gut 300 Kilometer von der Hauptstadt Nuuk entfernt am Ende eines mehr als 150 Kilometer langen Fjords liegt. Das Verteidigungsministerium nannte als mögliche deutsche Beiträge Aufklärungsflüge mit neuen Maschinen vom Typ P-8 Poseidon, aber auch die Entsendung von Gebirgsjägern, Fregatten oder Kampfflugzeugen.

Was hat die Bundeswehr bisher gemacht?

Im vergangenen Jahr war der Einsatzgruppenversorger «Berlin» als erstes Schiff der Deutschen Marine in Nuuk auf Grönland eingelaufen. Zudem hat Deutschland die militärische Zusammenarbeit mit Island, Kanada und Großbritannien verstärkt. Die Bundeswehr beteiligte sich mehrfach an Übungen. 

Aktuell gehe es darum, im Nordatlantik die Seegebiete zwischen Grönland, Island und Großbritannien besser abzusichern, ein Lagebild zu haben «und bei Bedarf im Grunde auch Möglichkeiten und Mittel vor Ort hat», sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin.

Das GIUK Gap, begrenzt durch Grönland, Island und Großbritannien, ist eine Meerenge im Nordatlantik, die für die Nato, Russland und China strategisch wichtig ist. Ebenso von Bedeutung ist das Bear Gap, ein strategisch wichtiger Wasserweg zwischen Nordkap, Bäreninsel und Spitzbergen.

Was haben die Dänen nun vor?

Falls die USA tatsächlich Grönland gewaltsam erobern wollen, hätten die Dänen und Grönländer keine Chance. Deshalb setzen beide Länder weiterhin auf Diplomatie, aber auch auf klare Abgrenzung.

Die Dänen wollen mit einer erhöhten Militärpräsenz auf der Arktisinsel ein Signal setzen. Am Montagabend landete erneut ein Flugzeug mit dänischen Soldaten auf dem Flughafen der grönländischen Hauptstadt Nuuk. Sie sollen kritische Infrastruktur bewachen und unter den extremen Bedingungen der Arktis trainieren. Dänemark setzt zudem stark auf die Unterstützung der EU- und Nato-Partner, um die USA von ihrem Vorhaben abzubringen.

Was erhoffen sich die Dänen von den Bündnispartnern?

Als kleines Land sind die Dänen auf ihre Alliierten angewiesen und tun alles dafür, die europäischen Nato-Partner in dem Konflikt auf ihrer Seite zu haben. In einer gemeinsamen Erklärung haben Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Finnland, Norwegen, die Niederlande und Dänemark erst vor wenigen Tagen erneut ihre volle Solidarität mit Grönland und dem dänischen Königreich bekundet.

Dänemark möchte gleichzeitig mit Unterstützung der Nato-Alliierten demonstrieren, wie es möglich ist, Grönland und die Arktis effektiver zu schützen. Kürzlich hat Dänemark die Nato um eine ständige Präsenz auf Grönland gebeten. Als Vorbild dafür könnte die verstärkte Nato-Präsenz in der Ostsee und im Baltikum dienen, wie Regierungschefin Mette Frederiksen sagte.

Im Laufe des Jahres wollen die Dänen immer wieder mit internationalen Trupps in Schnee und Eis trainieren – etwa in der Siedlung Kangerlussuaq. «Die Fahrwasser hier sind voller Eis. Es ist gefährlich, Schiff zu fahren», sagt Søren Andersen, Chef des Arktischen Kommandos. «In Kangerlussuaq kann es an einem ganz normalen Wintertag bis zu minus 40 Grad kalt sein.» Unter solchen Bedingungen hätten viele Einheiten der Streitkräfte noch nie trainiert, sagt er. Deshalb sei es nötig, dass sie vor Ort seien. Das Arktische Kommando ist eine Einheit der dänischen Streitkräfte in Nuuk.

dpa