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Trump sichert sich Zugriff auf Venezuelas Öl-Milliarden

Der US-Präsident greift direkt auf Venezuelas Ölindustrie zu. Für das südamerikanische Land geht es um viel Geld. Die neue Führung in Caracas will sich aber nicht als von den USA kontrolliert sehen.

Trump kündigt Ölkauf an.
Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Nur einige Tage nach dem US-Militäreinsatz in Caracas greift Präsident Donald Trump direkt in die Ölindustrie Venezuelas ein und übernimmt die Kontrolle über Einnahmen aus dem Verkauf des Rohstoffs. Das südamerikanische Land wird zwischen 30 und 50 Millionen Barrel (je 159 Liter) an sanktioniertem Öl an die USA liefern, verkündete der Republikaner auf der Plattform Truth Social. Die Einnahmen aus dem Ölverkauf werde er persönlich kontrollieren, fügte Trump hinzu.

Der Zeitraum, in dem die von Trump genannte Menge Rohöl aus Venezuela zur Verfügung gestellt werden soll, war zunächst unklar. Es handelt sich dabei ungefähr um die gesamte Produktion der venezolanischen Ölindustrie von ein bis zwei Monaten. Das Ölgeschäft ist die wichtigste Einnahme- und Devisenquelle für die Regierung Venezuelas. Die neue Führung in Caracas hat sich noch nicht direkt zu Trumps Ankündigung geäußert.

Öl soll zum Marktpreis verkauft werden

Das Öl werde mit Schiffen direkt in US-Häfen gebracht, schrieb Trump. Energieminister Chris Wright sei angewiesen, diesen Plan «sofort» umzusetzen. «Dieses Öl wird zu seinem Marktpreis verkauft, und das Geld wird von mir als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kontrolliert, um sicherzustellen, dass es zum Wohl des venezolanischen Volkes und der Vereinigten Staaten verwendet wird», schrieb Trump weiter. 

Rohölmengen werden in Barrel gemessen, also Fässern. Ein Barrel umfasst rund 159 Liter. Legt man für das Öl aktuelle Preise und das Beispiel der US-Ölsorte WTI mit Lieferung im Februar zugrunde, mit einem Preis von 58,65 Dollar (Stand Dienstnachmittag Ortszeit) pro Barrel, dann würden die Erlöse hochgerechnet bei bis zu 2,9 Milliarden Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) liegen. Der tatsächliche Preis für das venezolanische Öl könnte auch unter dem Weltmarktpreis liegen.

Trumps Kritiker: Bei Angriff ging es ihm immer nur ums Öl

Das Fehlen dieser Einnahmen wäre für Venezuela äußerst schmerzhaft. Für die USA wären die erwarteten Einnahmen eine vergleichsweise geringe Summe. Auch die Menge an Öl hat für die USA nur eine begrenzte Bedeutung: Das Land produziert laut Regierungsangaben fast 14 Millionen Barrel pro Tag.

Nach dem Plan von Republikaner Trump sollen US-Unternehmen nun stark investieren und die angeschlagene Ölindustrie in Venezuela wieder aufbauen. Viele Demokraten kritisieren den Präsidenten dafür, dass Venezuela nur wegen seiner Ölreserven angegriffen wurde. Die Verhaftung von Präsident Nicolás Maduro wegen angeblicher Drogendelikte sei lediglich ein Vorwand gewesen.

Venezuela verfügt über gut 300 Milliarden Barrel Öl

Das südamerikanische Land hat schätzungsweise 303 Milliarden Barrel, die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich hauptsächlich um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann. An der US-Golfküste sind mehrere Raffinerien auf solches Rohöl spezialisiert.

Trotz der großen Reserven ist die Ölproduktion in Venezuela derzeit mit etwa einer Million Barrel pro Tag relativ gering. Vor 20 Jahren wurden noch fast drei Millionen Barrel Öl pro Tag gefördert. China war zuletzt der größte Abnehmer von venezolanischem Erdöl.

Die Ursachen für den Produktionsrückgang sind Sanktionen, Missmanagement bei PDVSA und Korruption. Trotz US-Sanktionen fördert Chevron seit diesem Jahr mit einer Sondergenehmigung wieder in Venezuela.

Experten schätzen, dass Investitionen in Höhe von bis zu 100 Milliarden US-Dollar erforderlich wären, um die venezolanische Ölindustrie zu modernisieren und die Produktion zu steigern.

Trump stellt Subventionen in Aussicht

Trump hat auch erwähnt, dass mögliche Subventionen für Ölkonzerne in Betracht gezogen werden, um den Wiederaufbau der Energieinfrastruktur Venezuelas zu unterstützen. In einem Interview mit dem US-Sender NBC News am Montag sagte er, dass dieses Vorhaben in weniger als 18 Monaten abgeschlossen werden könnte. Experten sind jedoch der Meinung, dass ein solcher Zeitplan viel zu optimistisch ist.

Venezuela: Kein fremder Akteur regiert uns

Die geschäftsführende Präsidentin Venezuelas, Delcy Rodríguez, wies unterdessen den Anspruch der US-Regierung zurück, die Geschicke des südamerikanischen Landes zu führen. «Die Regierung Venezuelas regiert unser Land. Niemand sonst», sagte sie. «Es gibt keinen externen Akteur, der Venezuela regiert.» Wie sich ihre behauptete Unabhängigkeit mit Trumps Ansage zur Abgabe des Rohöls vertragen würde, blieb zunächst unklar.

Nach dem Angriff am Wochenende erklärte Trump, dass die USA vorübergehend Venezuela führen würden. Sein Außenminister Marco Rubio betonte, dass die USA zukünftige Entwicklungen in Venezuela bestimmen wollen. Allerdings relativisierte er Trumps Aussage und äußerte den Wunsch, politische Veränderungen in dem Land durch eine bereits bestehende Ölblockade herbeizuführen.

US-Ölkonzerne wurden einst in Venezuela enteignet

Trump hatte nach dem Angriff des US-Militärs auf Venezuela und der Gefangennahme von Staatschef Maduro am Wochenende bereits gesagt, dass US-Unternehmen die Ölindustrie wiederaufbauen würden. Mehrere Raffinerien an der amerikanischen Golfküste wiederum sind auf schweres Erdöl spezialisiert. Zuletzt spielte dort aufgrund der Sanktionen gegen Venezuela vor allem das ähnlich beschaffene Erdöl aus Kanada eine große Rolle.

Vor einiger Zeit hatten die USA bereits zwei Öltanker vor der Küste Venezuelas beschlagnahmt. Trump beschuldigte Venezuela, den USA Öl, Land und andere Vermögenswerte gestohlen zu haben, und forderte deren Rückgabe. In den frühen 2000er Jahren hatte Venezuela Ölfelder verstaatlicht, was ausländische und US-Firmen betraf. Daraus entstand ein Streit über Entschädigungen.

dpa