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TV-Mann, Milliardär, Radikale: So soll Trumps Team aussehen

Bei der Wahl der Kandidaten für gewichtige Posten spielten für den neuen US-Präsidenten Trump Fernsehtauglichkeit, stramme Gefolgschaft und Geld eine Rolle. Wer hat in Washington bald das Sagen?

Pete Hegseth soll Verteidigungsminister werden. (Archivbild)
Foto: Alex Brandon/AP/dpa

Donald Trump hat bereits festgelegt, welche Personen er als US-Präsident in einflussreichen Positionen an seiner Seite haben möchte. Viele von ihnen, wie beispielsweise Minister, müssen noch die Bestätigung des Senats erhalten. Zuvor wird ein geschäftsführendes Kabinett eingesetzt. Bei seinen bevorzugten Kandidaten scheint Loyalität die entscheidende Qualifikation zu sein, aber auch die Fernsehtauglichkeit. Ein Überblick.

Ein TV-Moderator als Verteidigungsminister

Fox-News-Moderator Pete Hegseth hat bis auf eine erfolglose Bewerbung für einen Sitz im US-Senat keine politische Erfahrung, dürfte aber mit dem Pentagon eines der wichtigsten Ministerien leiten. Ein unkonventioneller Kandidat sei Hegseth, sagte ein hochrangiger Republikaner, ganz wie sein zukünftiger Chef also. «Alle sind einfach schockiert», zitierte der Sender CNN einen Ministeriumsvertreter. Trump lobte die militärische Erfahrung des Ex-Soldaten, unter anderem im Irak und Afghanistan. Der 44-Jährige präsentiert sich als Erneuerer: Es sei Zeit für jemanden mit «Staub auf seinen Stiefeln», der das «Kämpfer-Ethos» zurück ins Pentagon bringe. Er werde eine «America First»-Politik verfolgen und Frieden durch Stärke erreichen. Für Irritationen hatten Hegseths Äußerungen gesorgt, dass Frauen nicht in Kampfeinsätzen zu gebrauchen seien. Berichte unter anderem über Alkoholmissbrauch und mutmaßliche sexuelle Übergriffe hatten ihn in Bedrängnis gebracht.

Plan B für das Justizministerium

Die ehemalige Generalstaatsanwältin von Florida, Pam Bondi, ist als Justizministerin vorgesehen. Trump wollte ursprünglich den umstrittenen Kongressabgeordneten Matt Gaetz für den Posten, der jedoch letztlich auf das Amt verzichtete, nachdem es Zweifel an seiner juristischen Expertise gegeben hatte. Seine Nominierung wurde hauptsächlich durch Vorwürfe torpediert, er habe Sex mit einer Minderjährigen gehabt und Drogen konsumiert. Bondi ist eine erfahrene Staatsanwältin. Die 59-Jährige ist schon lange als Trumps Unterstützerin aktiv und stand dem damaligen Präsidenten etwa im ersten Amtsenthebungsverfahren 2019 zur Seite. Trumps Rhetorik hat sie sich zu eigen gemacht: Sie werde Amerika wieder sicher machen und das Justizministerium nicht länger als Waffe instrumentalisieren.

Ein Hedgefonds-Manager als Finanzminister

Der 62-jährige Investor Scott Bessent ist Gründer des Hedgefonds Key Square Group. Zuvor war er Chief Investment Officer von George Soros‘ Soros Fund Management und wird als Experte für globale Makroinvestitionen angesehen. In seiner neuen Rolle wird er Wege finden müssen, um Trumps Wahlkampfversprechen wie Steuersenkungen und neue Importzölle umzusetzen. Einige Wirtschaftsexperten hatten Bedenken geäußert, dass die Pläne zu höheren Preisen für US-Verbraucher führen und den Staatshaushalt belasten könnten. Bessent hatte die Vorschläge in den vergangenen Monaten verteidigt.

Ein Impfgegner als Gesundheitsminister 

Als Gesundheitsminister will Trump den früheren parteilosen Präsidentschaftsbewerber und erklärten Impfgegner Robert F. Kennedy Jr. Er werde «die Epidemie chronischer Krankheiten» beenden und Amerika wieder gesund machen, teilte Trump mit. Kennedy war bei der Präsidentschaftswahl als unabhängiger Bewerber angetreten, zog seine aussichtslose Kandidatur dann aber zurück und wechselte ins Trump-Lager. Der 71-Jährige stammt aus der prominenten Kennedy-Familie. Er war jahrzehntelang Demokrat, entfernte sich aber zunehmend von der Partei. Kritisiert wird er wegen der Verbreitung von Verschwörungstheorien und Kontakten zu rechtsextremen Politikern.

Ein Karrierist als Außenminister 

Trump lobt den republikanischen Senator Marco Rubio aus Florida als einen «starken Fürsprecher» für die USA, einen «wahren Freund der Verbündeten» und «einen furchtlosen Krieger, der vor Gegnern niemals zurückschrecken wird». Der 53-Jährige ist seit 2011 im US-Senat und hat schon in jungen Jahren Karriere in der Politik gemacht. 2016 versuchte der ehrgeizige Jurist erfolglos, Präsidentschaftskandidat zu werden. Der Republikaner scheiterte im Vorwahlkampf gegen Trump, der ihn damals mit Schmähungen bedachte. In den vergangenen Jahren tat sich der Sohn kubanischer Einwanderer als Trump-Getreuer hervor. Ein Ende des Ukraine-Krieges sollte seiner Ansicht nach offizielle US-Politik sein. Dafür müssten sowohl Russland als auch das angegriffene Land Zugeständnisse machen. Als Außenminister bekam er die Unterstützung aller Senatoren. 

Eine umstrittene Gouverneurin als Heimatschutzministerin

Die Gouverneurin von South Dakota, Kristi Noem, ist eine überzeugte Unterstützerin Trumps. Im Heimatschutzministerium hätte die 53-Jährige eine maßgebliche Rolle bei dem von Trump geplanten «größten Abschiebeprogramm in der amerikanischen Geschichte». Das Ressort ist für die Einwanderungs- und Grenzschutzbehörden zuständig – und Trump hat Massenabschiebungen als eine Priorität seiner Amtszeit ausgerufen. Noem bezeichnete die Situation an der Südgrenze zu Mexiko zuletzt als «Kriegsgebiet». Die Republikanerin war zeitweise als seine Vizekandidatin im Gespräch, doch ihre Memoiren handelten ihr negative Schlagzeilen ein: Darin beschrieb sie, wie sie ihre junge Hündin Cricket erschoss, weil diese sich nicht zum Jagdhund eignete. Später erklärte sie, dies zeige ihre Bereitschaft zu harten Entscheidungen.

Eine Wrestling-Unternehmerin als Bildungsministerin

Linda McMahon ist Mitgründerin des Medien-Imperiums World Wrestling Entertainment (WWE). Während Trumps erster Amtszeit leitete sie die US-Bundesbehörde zur Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen; zuvor war sie erfolglos im Rennen um einen Sitz im US-Senat. Die 76-Jährige war Teil des Teams, das Trumps Amtsübernahme vorbereitete. Sie pflegt eine langjährige persönliche Beziehung zum Präsidenten, der als großer Fan von Wrestling und Kampfsport bekannt ist. Allerdings fehlen ihr die erforderlichen Qualifikationen für das Ressort, das Trump ihr übertragen möchte. Im Wahlkampf hatte der Republikaner zeitweise erwähnt, dass er das Bildungsministerium abschaffen wolle.

Ein Wall-Street-Manager als Handelsminister

Howard Lutnick ist der CEO der New Yorker Finanzfirma Cantor Fitzgerald und war auch Teil des Teams für die Amtsübernahme. Als Handelsminister wäre er verantwortlich für die Umsetzung der Zollpläne neben dem Finanzminister, mit denen Trump Unternehmen dazu bringen will, in den USA zu produzieren. Der 63-jährige Lutnick ist seit den 80er Jahren bei Cantor Fitzgerald tätig. Bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 kamen über zwei Drittel der New Yorker Mitarbeiter der Finanzfirma ums Leben, darunter auch Lutnicks Bruder.

Ein Verfechter einer harten China-Politik als Sicherheitsberater

Der Abgeordnete Mike Waltz soll Trumps Nationaler Sicherheitsberater werden. Der 50-Jährige aus Florida bezeichnete China wenige Tage vor der Wahl in einem Meinungsbeitrag im Magazin «Economist» als «größten Rivalen» der USA. Er sprach sich für eine rasche Beendigung der Kriege in der Ukraine und in Nahost aus, um sich auf China zu fokussieren. Zugleich schrieb Waltz im vergangenen Jahr mit Blick auf die republikanische Mehrheit im Abgeordnetenhaus: «Die Ära der Blankoschecks für die Ukraine vom Kongress ist vorbei.» Die europäischen Länder müssten mehr tun. 

Eine Vertraute als Agrarministerin

Die 52-jährige Juristin Brooke Rollins hatte bereits während Trumps erster Amtszeit verschiedene Positionen im Weißen Haus inne und leitet das America First Policy Institute, einen einflussreichen konservativen Thinktank. Das Landwirtschaftsministerium zählt zu den größten Bundesbehörden. In das Ressort fällt nicht nur klassische Agrarpolitik. Auch Programme zur Entwicklung ländlicher Räume sowie das wichtige Ernährungsprogramm SNAP, das einkommensschwachen Haushalten Unterstützung bietet, gehören dazu.

Eine aufstrebende Unterstützerin als UN-Botschafterin 

Die republikanische Abgeordnete Elise Stefanik (40) war in den letzten Jahren regelmäßig als treue Verbündete Trumps bekannt und unterstützte auch seine falschen Behauptungen über angeblichen Betrug bei der Präsidentschaftswahl 2020. Die Abgeordnete aus dem Bundesstaat New York ist Teil der Führung ihrer Fraktion. Im Jahr 2014 wurde sie im Alter von 30 Jahren als jüngste Frau ins Repräsentantenhaus gewählt. Früher galt Stefanik als eine der gemäßigteren Mitglieder der Partei. Davon kann jetzt jedoch keine Rede mehr sein.

Eine Geheimwaffe als Stabschefin im Weißen Haus

Mit Susie Wiles hat sich Trump eine enge Vertraute für die einflussreiche Rolle ausgesucht. Die 67-Jährige war Trumps Wahlkampfmanagerin, trat bislang in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung, gilt aber als mächtige Strippenzieherin. «Politico» schrieb im Frühjahr ein Porträt über die Mutter und Großmutter mit dem Titel: «Die am meisten gefürchtete und am wenigsten bekannte politische Akteurin in Amerika». Darin hieß es, Wiles sei die «wichtigste» Beraterin Trumps. Die politische Strategin gilt als extrem loyal und diskret. Wiles ist die erste Frau auf dem Posten und wird den Regierungsalltag des Präsidenten organisieren.

Ein alter Vertrauter als CIA-Chef

Den Auslandsgeheimdienst will Trump seinem langjährigen Weggefährten John Ratcliffe anvertrauen. Der ehemalige Kongressabgeordnete aus Texas war bereits in Trumps erster Amtszeit als Geheimdienstkoordinator tätig – dabei konzentrierte er sich besonders auf China und Iran. Die Demokraten warfen dem 59-Jährigen damals unter anderem vor, seine Position für politische Zwecke zu missbrauchen. Es gab auch Zweifel an seiner fachlichen Qualifikation. Trump lobte Ratcliffe nun als «Kämpfer für die Wahrheit». 

Ein Tech-Milliardär als Berater für Ausgaben-Kürzungen

Unternehmer Elon Musk soll Trump bei der Kürzung der Regierungsausgaben helfen. Er soll die Führung eines speziell dafür geschaffenen Beratungsgremiums übernehmen. Dieses «Department of Government Efficiency» soll nicht Teil der Regierung sein, aber mit dem Weißen Haus zusammenarbeiten, «um großangelegte Strukturreformen voranzutreiben». Die Arbeit soll demnach bis Juli 2026 abgeschlossen sein.

Ein Migrations-Hardliner als Strippenzieher im Hintergrund 

Einer der Architekten von Trumps restriktiver Einwanderungspolitik während seiner ersten Amtszeit, Stephen Miller, wird eine wichtige Position im Weißen Haus einnehmen. Trotz seiner Kontroversen wird der 39-Jährige stellvertretender Stabschef und Heimatschutz-Berater. Miller war während Trumps erster Amtszeit Berater im Weißen Haus und beeinflusste im Hintergrund dessen harte Haltung gegenüber Migranten. Ihm werden auch ausgearbeitete Pläne für die angekündigten Massenabschiebungen in der neuen Amtszeit zugeschrieben.

Eine Seitenwechslerin als US-Geheimdienstkoordinatorin

Die ehemalige Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard soll Geheimdienstkoordinatorin werden. Die 43-Jährige war von 2013 bis 2021 demokratische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus, hat aber die Seiten gewechselt und steht eisern hinter Trump. Zu ihrer Zeit bei den Demokraten standen ihre Positionen oft im Widerspruch mit denen ihrer Partei. So reiste Gabbard 2017 nach Syrien, um Machthaber Baschar al-Assad zu treffen – und wurde für die Reise stark kritisiert. 2020 wollte sie Präsidentschaftskandidatin der Demokraten werden, schied aber chancenlos aus dem Rennen aus. Trump lobte ihren «furchtlosen Geist und ihre glanzvolle Karriere». 

Ein treuer Gouverneur als Innenminister

Doug Burgum, der wohlhabende Gouverneur des Bundesstaates North Dakota, wird den Vorsitz eines neu geschaffenen Nationalen Energierats übernehmen, der alle Aspekte der Energieproduktion und -nutzung in den USA koordinieren soll. Der Innenminister ist in den USA nicht für innere Sicherheit zuständig, sondern hauptsächlich für die Verwaltung von Naturschutzgebieten und öffentlichen Ländereien. Burgum hatte kurzzeitig versucht, Kandidat der Republikaner im Rennen ums Weiße Haus zu werden – jedoch gab er frühzeitig auf und unterstützte Trump. Im Wahlkampf wurde er als potenzieller Vizepräsident gehandelt. Der 68-Jährige wurde durch eine Softwarefirma wohlhabend. 2016 wurde Burgum zum Gouverneur gewählt. Er setzt sich für eine verstärkte Öl- und Gasförderung in den USA ein.

dpa