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Über 50 Tote: Ukraine trauert nach russischem Raketenangriff

Nach dem folgenschweren russischen Raketenangriff mit vielen Opfern herrscht Entsetzen in der Ukraine. Präsident Selenskyj nimmt den Westen in die Pflicht und kündigt eine Regierungsumbildung an.

Russland hat für den Angriff auf Poltawa mutmaßlich Raketen vom Typ Iskander genutzt. (Archivbild)
Foto: Sergei Ilnitsky/epa/dpa

Nach der verheerenden Raketenattacke auf die Großstadt Poltawa in der Ukraine herrscht Trauer. Präsident Wolodymyr Selenskyj gab bekannt, dass die Opferzahl bis in die Abendstunden auf 51 Tote und 271 Verletzte gestiegen sei. Rettungskräfte arbeiten unter Hochdruck, um weitere Menschen unter den Trümmern zu bergen. Besonders betroffen ist ein Gebäude des Militärinstituts für Telekommunikation und Informatisierung in Poltawa, in dem viele Soldaten ums Leben gekommen sind.

„Beim Angriff auf die Stadt, die 280 Kilometer östlich von Kiew liegt, soll das russische Militär Iskander-Raketen eingesetzt haben. Auch wenn dieser Angriff besonders verheerende Folgen hatte: Der Beschuss von Städten und zivilen Objekten ist für die Menschen in der Ukraine bitterer Alltag – so wurde in der Nacht die Universität in der nordöstlichen Gebietshauptstadt Sumy durch einen weiteren Luftangriff zerstört.“

Selenskyj wiederholte angesichts der Tragödie in Poltawa seine Forderung an den Westen, schnellstmöglich die Erlaubnis zum Einsatz weitreichender Waffen gegen militärische Ziele auf russischem Gebiet zu geben. «Die russischen Schläge werden unmöglich, wenn es uns möglich wird, die Abschussrampen der Okkupanten dort zu vernichten, wo sie sind, und die russischen Militärflugplätze und die Logistik dazu», sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache.

Der Präsident der Ukraine bedankte sich bei Rumänien für die Ankündigung, eine Batterie des Flugabwehrsystems Patriot zu liefern. Er habe auch mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau gesprochen und mit ihm über die Notwendigkeit zusätzlicher Flugabwehrsysteme und weitreichender Waffen diskutiert, sagte Selenskyj.

Regierungsumbildung in Kiew

Des Weiteren hat Selenskyj angekündigt, die Regierung umzustrukturieren, um die außen- und innenpolitischen Herausforderungen des bevorstehenden Herbstes zu bewältigen. Eines der größten Probleme ist die Energieversorgung der Bevölkerung in der kalten Jahreszeit – aufgrund der ständigen russischen Angriffe sind das Strom- und das Wärmenetz des Landes stark beschädigt. Die Ukrainer müssen bereits jetzt mit regelmäßigen Stromausfällen leben.

Mehrere Minister haben schon ihren Rücktritt eingereicht. Laut Medienberichten steht auch Außenminister Dmytro Kuleba vor der Entlassung. Denys Schmyhal soll jedoch weiterhin als Regierungschef im Amt bleiben.

Die ersten drei Rücktritte, die bekannt wurden, betreffen den Rücktritt des Ministers für die Rüstungsindustrie sowie der Ressortleiter für Justiz und Umwelt. Auch der Chef des Fonds für Staatseigentum, zuständig für Privatisierungen, möchte zurücktreten. Später wurden auch die Rücktrittsgesuche der Vizeregierungschefinnen Olha Stefanischyna und Iryna Wereschtschuk bekannt. Wereschtschuk ist für Flüchtlingsfragen zuständig, während Stefanischyna für die europäische Integration der Ukraine verantwortlich ist. Es wird jedoch berichtet, dass sie einen anderen Posten in der Regierung erhalten soll.

Lage an der Front bleibt schwierig

Währenddessen sind die ukrainischen Streitkräfte an der Front weiterhin unter Druck. Gemäß dem abendlichen Lagebericht des ukrainischen Generalstabs gab es erneut fast 200 Gefechte. Das Hauptziel der russischen Angriffsbemühungen bleibt die Kleinstadt Pokrowsk im Gebiet Donezk, wo allein rund 60 Zusammenstöße gemeldet werden. In diesem Bereich haben die russischen Truppen aufgrund ihrer personellen und materiellen Überlegenheit sowie der Lufthoheit in den vergangenen Wochen kontinuierlich Geländegewinne erzielt.

Ukraine wirft Russland Erschießung Kriegsgefangener vor

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft beschuldigt russische Soldaten, weitere Kriegsgefangene getötet zu haben. Es seien Ermittlungen wegen der Erschießung dreier Ukrainer im Raum Torezk im ostukrainischen Gebiet Donezk aufgenommen worden, teilte die Behörde auf ihrem Telegram-Kanal mit. Den vorliegenden Informationen nach seien die Ukrainer mit erhobenen Händen aus einem Bunker gekommen. «Die Besatzer haben sie mit dem Gesicht nach unten auf die Erde gelegt und ihnen unmittelbar danach in den Rücken geschossen», schrieb die Behörde unter Berufung auf im Internet kursierende Videos.

Das wird am Mittwoch wichtig

Neben dem anstehenden Regierungsumbau wird in Kiew auch ein Besuch des irischen Regierungschefs Simon Harris erwartet. „Er werde sich heute mit Präsident Selenskyj in Kiew treffen“, teilte die Regierung in Dublin mit. Irland plant, rund 36 Millionen Euro für humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau der Ukraine bereitzustellen.

dpa