Wegen der russischen Luftangriffe gehen in der Ukraine viele Lichter aus. Die neuen Kampfjets F-16 bewähren sich im Kampf gegen russische Raketen, doch eine Maschine erleidet gleich einen Unfall.
Ukraine bittet in USA um Schießerlaubnis gegen Russland

Die Ukraine bittet ihren wichtigsten Verbündeten um Erlaubnis, weitreichende Waffen gegen Militärziele im russischen Hinterland einzusetzen. Laut Pentagon empfängt der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin heute seinen ukrainischen Amtskollegen Rustem Umjerow in Washington. Bei dem Treffen wird Austin Informationen über die aktuelle Kampfsituation erhalten, darunter auch über die Lage im russischen Gebiet Kursk, sagte die stellvertretende Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh.
Einem CNN-Bericht zufolge will die ukrainische Seite der US-Regierung auch eine Liste von potenziellen Zielen in Russland vorlegen. Es gehe darum, «das Weiße Haus konkret davon zu überzeugen, die Beschränkungen für Angriffe mit weitreichenden Waffen auf russisches Territorium aufzuheben», zitierte CNN einen ukrainischen Beamten.
Auch Andrij Jermak, der Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj, soll an Treffen in Washington teilnehmen. Die Ukraine könnte viele Angriffe bereits im Keim ersticken, indem sie russische Kommandostellen, Flugplätze, Munitionslager und Kasernen angreift. Bisher beschränken die USA den Einsatz ihrer Waffen gegen Russland auf die Verteidigung gegen die russische Offensive gegen die ostukrainische Stadt Charkiw.
Inzwischen kämpft die Ukraine weiterhin mit den Folgen der jüngsten russischen Luftangriffe. Aufgrund von Schäden am Energiesystem wurden in vielen Teilen des Landes Stromausfälle ausgeweitet. Kiew meldete auch, dass aufgrund von Schwankungen in der Spannung im Netz vorübergehend vier Reaktorblöcke abgeschaltet werden mussten. Ein neuer ukrainischer F-16 Kampfjet stürzte laut Militärberichten bei der Abwehr des bisher größten russischen Luftangriffs am Montag ab, wobei der in den USA ausgebildete ukrainische Pilot ums Leben kam. In der Nacht zum Freitag griffen erneut russische Kampfdrohnen die Ukraine an. Gleichzeitig sollen russische Luftabwehrsysteme über russischem Gebiet mehrere ukrainische Drohnen abgeschossen haben. Details zu möglichen Schäden oder Verletzten wurden zunächst nicht bekannt gegeben.
Ukraine muss vier Reaktoren abschalten
Als Folge des schweren russischen Luftangriffs am Montagmorgen seien im Atomkraftwerk Riwne die Reaktoren 1, 3 und 4 vom Netz genommen werden, schrieb die ukrainische Regierung an die Internationale Atomenergie-Behörde IAEA in Wien. Die Leistung im AKW Südukraine sei dafür erhöht worden. Wegen der Spannungsschwankungen im Netz sei nachmittags dann der dritte Reaktorblock dieser Anlage abgeschaltet worden. «Die Russische Föderation zielt weiter absichtlich auf die Energieinfrastruktur der Ukraine», hieß es in dem Brief. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi bestätigte die Angaben und zeigte sich besorgt über die zunehmende Verletzlichkeit des ukrainischen Energienetzes. Er kündigte für kommende Woche eine weitere Reise in das russisch besetzte AKW Saporischschja an.
Strom für Ukrainer wird noch häufiger abgeklemmt
Als Konsequenz der russischen Angriffe wurden in der Ukraine die Stromsperren erneut erheblich ausgedehnt. Ukrenergo (ukrainisch Ukrenerho) gab in einer Erklärung bekannt, dass die Hauptstadt Kiew und elf weitere Regionen im Osten und Zentrum des Landes betroffen sind, wo Verbrauchern für längere Zeit der Strom abgeschaltet wird. Die bisherigen Pläne für gestaffelte Abschaltungen sind vorübergehend ausgesetzt.
Laut Berichten bedeutet dies für viele Stadtteile in Kiew, dass der Strom nur etwa 12 Stunden am Tag verfügbar ist. Häufig kommt es auch zu Wasserausfällen. Viele Geschäfte, Restaurants und Banken betreiben Notstromaggregate mit Diesel. Schon im Frühjahr hatte Russland viele ukrainische Kraftwerke stark beschädigt. Daher wächst in der Ukraine die Angst vor einem extrem schwierigen dritten Kriegswinter.
Kiew verliert einen neuen Kampfjet F-16
Ein neuer Kampfjet F-16 der Ukraine ist nach Militärangaben bei der Abwehr eines schweren russischen Luftangriffs abgestürzt. Die erst vor kurzem gelieferten Flugzeuge aus US-Produktion hätten sich bei dem Einsatz als sehr wertvoll erwiesen und vier russische Lenkraketen abgeschossen, teilte der Generalstab in Kiew mit. Beim Weiterflug zum nächsten Ziel sei der Kontakt zu einer Maschine abgerissen. «Sie verunglückte, der Pilot kam ums Leben.» Nach monatelangem Warten der Ukraine hatte Selenskyj Anfang August die ersten Maschinen vorgestellt. Nach US-Angaben, zitiert im «Wall Street Journal», handelte es sich um sechs früher niederländische Kampfflugzeuge.
Selenskyj erinnerte in seiner abendlichen Videoansprache vom Donnerstag an die vielen getöteten ukrainischen Soldaten. 2022 habe Russland den Versuch unternommen, mit einer großangelegten Invasion die Ukrainer zu vernichten, sagte er. Moskau sei aber auf den großen Verteidigungswillen der Ukrainer gestoßen. «Der Mut unseres Volkes. Die Stärke des ukrainischen Charakters. Und die Dankbarkeit unseres ganzen Volkes, unseres ganzen Staates gegenüber jedem einzelnen Soldaten», sagte er. Wie viele Soldaten die Ukraine seit Februar 2022 verloren hat, wird in Kiew nicht mitgeteilt. Selenskyj sprach in diesem Februar von 31.000 toten Soldaten; Experten gehen von einer höheren Zahl aus.
[USA und Ukraine beraten über Einsatz weitreichender Waffen gegen Russland],Die Ukraine bittet um Erlaubnis zum Angriff auf russische Ziele. US-Verteidigungsminister empfängt ukrainischen Kollegen in Washington.








