Der Handschlag zwischen sowjetischen und amerikanischen Soldaten 1945 in Torgau ist in die Geschichte eingegangen. Das Gedenken daran gestaltet sich schwierig – wegen eines Gastes.
Ukraine-Botschafter fordert «Teilnahmeverbot» für Russland

Kurz vor dem Gedenken an den Weltkrieg in Torgau forderte der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev, die angekündigte Teilnahme Russlands noch zu verhindern. Er wies darauf hin, dass in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mindestens zwölf Menschen bei einem russischen Großangriff mit Raketen und Drohnen in Kiew getötet wurden.
«Offiziellen Vertretern des dafür verantwortlichen verbrecherischen Regimes kann an der Elbe nur auf eine Weise begegnet werden – mit Ausladung und Teilnahmeverbot», sagte Makeiev der Deutschen Presse-Agentur. «Sonst belohnt man Angriffskriege und verspottet den Friedensschwur als Farce.»
Der russische Botschafter Sergej Netschajew wird am Freitag in Torgau an den Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Treffens von US-amerikanischen und sowjetischen Soldaten auf der zerstörten Elbebrücke am 25. April 1945 teilnehmen. Die Stadt Torgau hat als Veranstalter signalisiert, dass sie den Botschafter nicht daran hindern wird.
Kretschmer nimmt Teilnahme Netschajews «zur Kenntnis»
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der bei der Gedenkfeier sprechen wird, nahm die Teilnahme des Botschafters lediglich «zur Kenntnis» und verwies darauf, dass es sich um eine Veranstaltung der Stadt Torgau handele. Die USA verzichteten auf eine Teilnahme.
Jedes Jahr am 25. April gedenkt Torgau dem sogenannten Elbe Day, an dem amerikanische und sowjetische Soldaten auf der zerstörten Elbe-Brücke zusammenkamen. Das Foto des Handschlags in Torgau wurde zum Symbol für das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft weltweit bekannt.
Makeiev: Handschellen statt Handschlag für Russland
Makeiev sagte, Russland habe nun «den Friedensschwur mit einem völkermörderischen Angriffskrieg» brutal gebrochen. «Die Friedenstaube ist von einem russischen Marschflugkörper getötet worden. Dafür verdient Russland keinen Handschlag, sondern Handschellen.»
Netschajew weist Propaganda-Vorwurf zurück
Bereits am Donnerstagabend hatte der russische Botschafter Netschajew den Vorwurf einer «propagandistischen Instrumentalisierung» der Gedenkveranstaltungen durch Russland zurückgewiesen. Man habe immer deutlich gemacht, «dass die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, den entscheidenden Anteil der Roten Armee an der Zerschlagung des Nazismus und die kolossalen Opfer des Sowjetvolkes nicht von der jeweils aktuellen politischen Agenda abhängen, verdreht oder verschwiegen werden darf», hieß es in einer auf der Internetseite der Botschaft veröffentlichten Erklärung.
Netschajew nannte den «Ausschluss russischer und belarussischer Vertreter vom gemeinsamen Erinnern» eine Instrumentalisierung. «Den Ideengebern für derlei Maßnahmen gereicht das nicht zur Ehre.»
Auswärtiges Amt hat Ausschluss empfohlen
Den Ausschluss hatte das Auswärtige Amt Kommunen, Ländern und Gedenkstätten des Bundes empfohlen. Begründet wurde das mit der Befürchtung, dass Russland diese Veranstaltungen «instrumentalisieren und mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine missbräuchlich in Verbindung bringen» könnte.
Dennoch hat Netschajew bereits letzte Woche an einer Gedenkveranstaltung auf den Seelower Höhen östlich von Berlin teilgenommen. Vor 80 Jahren fand dort die größte Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden statt, bei der 35.000 sowjetische, 16.000 deutsche und 2.000 polnische Soldaten getötet wurden.
Der Bundestag hat jedoch die Empfehlung des Auswärtigen Amtes befolgt und die Botschafter von Russland und Belarus von der zentralen Gedenkfeier am 8. Mai im Parlament ausgeschlossen.
Linken-Politiker gegen Teilnahme Russlands
Auch der Linken-Politiker Wulf Gallert sprach sich gegen die Teilnahme von Vertretern des russischen Staats am deutschen Gedenken zum Kriegsende aus. «Wer heute einen Angriffskrieg führt und diesen ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung, sollte im Namen dieses Staats nicht an Gedenkfeiern für den Frieden teilnehmen», sagte er der dpa.
Gleichwohl sollten nicht alle russischen Staatsbürger pauschal ausgeladen werden, fügte Gallert hinzu. «Gerade russischen Veteranen und Opfern des faschistischen Angriffskrieges muss es möglich sein, an den Gedenkfeiern teilzunehmen. Wir dürfen nicht jene ausschließen, die einst gegen Hitler kämpften oder zu Opfern seines Krieges wurden.»