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Ukraine schießt systematisch russische Raffinerien in Brand

Russlands Wirtschaft und damit auch Russlands Kriegsmaschinerie hängt an Einnahmen aus Öl und Gas. Deshalb versucht die angegriffene Ukraine, die Moskauer Energiebranche auszuschalten.

Feuer in Öllagern im russischen Klintsy im Januar diesen Jahres.
Foto: Uncredited/Governor of Bryansk Region Alexander Bogomaz telegram channel AV BogomaZ/AP/dpa

Die von Moskau angegriffene Ukraine hat bei systematischen Drohnenangriffen auf russische Ölanlagen weitere Treffer erzielt. In der Nacht auf Mittwoch lösten Drohnen einen Brand in der Raffinerie von Rjasan südöstlich von Moskau aus. Das teilte der Gouverneur der Region, Pawel Malkow, auf Telegram mit.

Den Berichten zufolge sind drei Drohnen in die Fabrik eingedrungen, die zum größten russischen Ölkonzern Rosneft gehört. Auch die Ölraffinerie von Nowoschachtinsk im Gebiet Rostow am Don wurde getroffen. Gouverneur Wassili Golubjew teilte mit, dass die technischen Anlagen dort abgeschaltet wurden. Laut Unternehmensangaben ist die Anlage in Nowoschachtinsk der größte Hersteller von Ölprodukten in Südrussland.

Serie setzt sich fort

In der Nacht zuvor hatten ukrainische Fluggeräte bereits einen Brand in der Raffinerie von Kstowo bei Nischni Nowgorod an der Wolga verursacht. Diese gehört zum Konzern Lukoil. Auch im südwestrussischen Gebiet Orjol löste eine Drohne ein Feuer in einem Tanklager aus, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete. In beiden Nächten wurde außerdem die Raffinerie von Kirischi in der Nähe von St. Petersburg angegriffen. Dort wurden die Drohnen nach regionalen Behördenangaben abgefangen. Informationen über Schäden gab es nicht.

Ukraine: Setzen gut kalkulierte Strategie um

«Wir setzen systematisch eine gut kalkulierte Strategie um, um das wirtschaftliche Potenzial der Russischen Föderation zu reduzieren», sagte eine Quelle im ukrainischen Geheimdienst SBU am Mittwoch dem Nachrichtenportal Ukrajinska Prawda. «Unsere Aufgabe ist es, dem Feind die Ressourcen zu entziehen.» Die Treibstoffversorgung des Militärs solle getroffen werden und auch der Zufluss von Öleinnahmen, die Russland in den Krieg und die Tötung ukrainischer Bürger lenke. 

Die Ukraine hofft, dass die Angriffe die Treibstoffproduktion in Russland spürbar schädigen. «Die Aussaat in Russland wird sehr schwierig, was bedeutet, dass die Lebensmittelpreise ab Mitte des Sommers drastisch steigen», schrieb der frühere Vizeinnenminister Anton Heraschtschenko im Netzwerk X (früher Twitter). Engpässe bei Treibstoff könnten auch die Preise für andere Güter nach oben treiben. Am Beispiel der Raffinerie von Kstowo rechnete Heraschtschenko vor, dass bei einem Stillstand bis zu zehn Prozent der russischen Benzinproduktion ausfallen könnten.

Russland meldet Abschuss von ukrainischen Drohnen

Laut dem russischen Verteidigungsministerium in Moskau wurden in der Nacht zum Mittwoch und in den Morgenstunden 58 ukrainische Drohnen von der Flugabwehr abgefangen. 29 Drohnen wurden allein über dem Gebiet Woronesch abgeschossen, weitere 11 über dem Gebiet Belgorod. Diese Informationen waren nicht unabhängig überprüfbar. Tagsüber verzeichnete die russische Armee weitere ukrainische Drohnenangriffe.

Ein wirkliches Mittel gegen die weiterentwickelten Drohnen aus der Ukraine scheint das Moskauer Militär bislang aber nicht gefunden zu haben. «Unsere Soldaten tun alles Notwendige», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag laut Tass. Das System der Flugabwehr funktioniere. Ob industrielle Ziele besser geschützt werden müssten, sei eine Frage an das Verteidigungsministerium. Kremlchef Wladimir Putin sagte in einem TV-Interview, die Angriffe sollten die für Sonntag angesetzte Präsidentenwahl stören. 

Russland begann vor mehr als zwei Jahren seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das russische Militär beschießt regelmäßig zivile Ziele im Hinterland. Gleichzeitig beklagen auch russische Regionen zunehmend Beschuss durch den ukrainischen Gegner. Die Opferzahl und die Höhe der Schäden sind jedoch im Vergleich zu den von Russland verursachten Zerstörungen unvergleichbar.

dpa