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Ukrainer und Russen setzen Gespräche in Abu Dhabi fort

Die Kriegsparteien wollen heute weiter über ein mögliches Ende des fast vier Jahre währenden Konflikts verhandeln. Wird Russland danach seine Angriffe auf ukrainische Energieanlagen wieder aufnehmen?

In Abu Dhabi sollen am Sonntag die Gespräche fortgesetzt werden. (Archivbild)
Foto: Sina Schuldt/dpa

Ukrainer und Russen planen heute in den Vereinigten Arabischen Emiraten ihre direkten Verhandlungen zur Beendigung des Krieges fortzusetzen, die vor einer Woche begonnen haben. Der Kreml in Moskau und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj haben den Termin in der Hauptstadt Abu Dhabi bestätigt, jedoch weder einen genauen Ort noch einen Zeitpunkt genannt, wie in der vergangenen Woche. Letzte Woche fanden die Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter Vermittlung der USA mit ihrem Chefunterhändler Steve Witkoff statt. Diesmal verhandeln die Kriegsparteien ohne US-Vertreter.

Witkoff traf sich am Samstag in Miami mit Kreml-Unterhändler Kirill Dmitrijew. Dmitrijew teilte mit, dass es ein konstruktives Treffen mit der US-Delegation gegeben habe. Außerdem habe er produktive Gespräche mit einer Arbeitsgruppe zu den amerikanisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen geführt.

Vor Verhandlungen in Abu Dhabi auch Gespräche in Miami

Witkoff berichtete, dass es im Rahmen des Vermittlungsversuchs der USA zur Lösung des Ukraine-Kriegs produktive und konstruktive Gespräche mit Dmitrijew gegeben habe. Das Treffen habe die Überzeugung gestärkt, dass Russland bestrebt sei, Frieden in der Ukraine zu gewährleisten. Laut Witkoff nahmen auch Finanzminister Scott Bessent, der Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und Regierungsberater Josh Gruenbaum von US-Seite an dem Treffen teil.

Trotz der immer wieder als «konstruktiv» und «produktiv» beschriebenen zahlreichen Zusammenkünfte ist eine Einigung auf ein Friedensabkommen aber bisher nicht in Sicht. Zentral für Moskau sind Forderungen nach Gebietsabtretungen. Russland verlangt, dass sich die Ukraine auch aus jenen Teilen des Donbass – dieser umfasst die Gebiete Luhansk und Donezk – zurückzieht, die weiterhin von Kiew kontrolliert werden. Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte solche Gebietsabtretungen wiederholt abgelehnt.

Selenskyj verlangt von US-Seite Klarheit über neue Treffen

Nach dem Treffen des Russen Dmitrijew mit der US-Delegation teilte Selenskyj mit, dass Kiew nun konkrete Angaben zu weiteren Zusammenkünften in der nächsten Woche erwarte. «Die Ukraine ist bereit, in allen Arbeitsformaten mitzuarbeiten. Wichtig ist, dass es Ergebnisse gibt», sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Die für heute geplanten Verhandlungen in Abu Dhabi erwähnte er nicht.

An der Spitze der ukrainischen Delegation steht der Verhandlungsführer Rustem Umjerow. Das russische Verhandlungsteam wird vom Chef des Militärgeheimdienstes, Igor Kostjukow, geleitet.

Russland hat sich auf Bitte von US-Präsident Donald Trump bereit erklärt, vor dem Hintergrund der Verhandlungen vorübergehend auf neue Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Kiew und anderen Städten zu verzichten, aufgrund der extremen Kälte und der bereits großen Schäden. Die Angriffe auf andere Ziele werden jedoch fortgesetzt. Dmitri Peskow, Sprecher des Kreml, betonte, dass die Feuerpause nur bis zum kommenden Sonntag gilt, um eine solide Grundlage für die Verhandlungen zu schaffen.

Seit fast vier Jahren verteidigt sich die Ukraine mit Unterstützung des Westens gegen den russischen Angriffskrieg.

Weiter Probleme bei Energieversorgung in der Ukraine

Nach einem großen Stromausfall sind in Kiew weiterhin etwa 2.600 Häuser ohne Heizung, wie Bürgermeister Vitali Klitschko am Samstagabend auf Telegram mitteilte. Selenskyj hatte zuvor in seiner Videobotschaft mehr Tempo bei der Wiederherstellung der Versorgung gefordert.

Grund für die massiven Probleme in vielen Teilen des Landes war ein Ausfall von zwei Leitungen zwischen Rumänien und Moldau und auf dem Gebiet der Ukraine, wie Selenskyj darlegte. Es sei ein Tag im Ausnahmezustand für die Regierung, das Energieministerium, die Energieunternehmen sowie regionale und lokale Behörden gewesen. «Die Ursachen werden derzeit untersucht», sagte Selenskyj. 

Womöglich sei Vereisung der Leitungen der Grund für den Kollaps gewesen. «Derzeit gibt es keine Hinweise auf eine externe Einmischung oder einen Cyberangriff», sagte Selenskyj. Das Land habe auch seine Stromimporte erhöht. Das Energiesystem der Ukraine ist vor allem nach den vielen russischen Angriffen schwer beschädigt.

Ukrenergo, der staatliche Versorger, hat mitgeteilt, dass sich die Situation im ukrainischen Energiesystem allmählich stabilisiert. Trotzdem wird heute erneut in allen Regionen der Ukraine stundenweise der Strom abgeschaltet, um den Verbrauch zu begrenzen.

dpa