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Umfrage: Bürger bevorzugen spezialisierte Kliniken für komplizierte Behandlungen, auch wenn sie weiter entfernt sind

Eine neue Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland lieber komplexe medizinische Behandlungen in spezialisierten Kliniken durchführen lassen würde, selbst wenn diese weiter entfernt sind. Dies deutet auf Unterstützung für die geplante Krankenhaus-Reform hin.

Das Ringen zwischen Bund und Ländern um die Klinikreform geht weiter. Heute will sich Gesundheitsminister Karl Lauterbach zu nächsten Schritten äußern.
Foto: Marijan Murat/dpa

Laut einer neuen Umfrage zum Thema Krankenhäuser bevorzugen die meisten Bürgerinnen und Bürger komplizierte Behandlungen lieber in spezialisierten Kliniken durchführen zu lassen, selbst wenn diese weiter entfernt sind. Dieses Ergebnis signalisiert teilweise Unterstützung für die geplante Krankenhaus-Reform von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Das Ringen zwischen dem Bund und den Ländern um die Reform setzt sich fort, wie eine Videoschalte der Gesundheitsminister von Bund und Ländern deutlich zeigte. Heute wird Lauterbach sich zu den nächsten Schritten der geplanten Klinikreform äußern.

Wie die Länder nach der Gesundheitsministerkonferenz unter Vorsitz Schleswig-Holsteins mitteilten, baten sie Lauterbach, den versprochenen überarbeiteten Gesetzentwurf zur Reform vorzulegen. Auf Druck der Länder hatte Lauterbach Änderungen am Entwurf vornehmen wollen. Der geänderte Entwurf sei bis Anfang Dezember zugesagt gewesen, monierten die Länder. Die Länder seien sich einig, «dass die Kliniken in Deutschland rasch Klarheit brauchen, auf welche Planungen sie sich einstellen müssen».

Verzeichnis für Klinik-Vergleich soll kommen

Die Klinikreform soll eine neue Bezahlmethode einführen, so dass Krankenhäuser nicht mehr aus Umsatzgründen möglichst viele Behandlungen durchführen. Zur größeren Spezialisierung eines Teils der Häuser soll eine einheitliche Einteilung in drei Stufen führen: Wohnortnahe Kliniken zur Grund- und Notfallversorgung, Häuser mit «Regel- und Schwerpunktversorgung» und «Maximalversorger» wie Unikliniken.

Vorher muss ein Transparenzgesetz verabschiedet werden. Es wurde zunächst von den Ländern abgelehnt und wird nun am 21. Februar im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat diskutiert werden. Dadurch sollen Patientinnen und Patienten in der Lage sein, die Leistungen und Behandlungsqualität der Krankenhäuser bald miteinander zu vergleichen. Es ist geplant, einen staatlichen Online-Atlas zu erstellen, der Informationen über beispielsweise die Erfahrung einer Klinik oder den Personalschlüssel enthält. Mit dem Gesetz sind auch Milliardenhilfen für die Kliniken verbunden.

Zwei Drittel für Spezialisierung

Gemäß der neuen Umfrage zum Thema Kliniken, die der dpa in Berlin vorliegt, würden 94 Prozent der Deutschen für eine geplante Operation in eine spezialisierte Klinik fahren, selbst wenn sie weiter entfernt liegt. Forsa hat im Auftrag der Techniker Krankenkasse 1405 Erwachsene befragt. Fünf Prozent würden sich für eine gut erreichbare Klinik entscheiden, auch wenn sie nicht spezialisiert ist.

Auch wurde nach einer Bewertung des Reformziels gefragt, welches vorsieht, dass komplizierte Behandlungen in spezialisierten Kliniken durchgeführt werden sollen. 66 Prozent der Befragten bewerteten das Vorhaben als eher oder sehr gut, auch wenn dadurch für manche Patientinnen und Patienten weitere Wege anfallen. Ein Drittel der Befragten bewertete das Vorhaben als schlecht oder sehr schlecht.

Klinikessen und Besuchszeiten nicht so wichtig

Für 97 Prozent der Menschen ist die Wahl einer Klinik wichtig oder sehr wichtig, während für 96 Prozent die Verfügbarkeit und Qualität des Personals zählen. Eine große Mehrheit legt auch Wert auf eine gute Erreichbarkeit mit Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln (79 Prozent) sowie die Nähe zum Wohnort (69 Prozent). Komfortfaktoren wie die Qualität des Essens (54 Prozent), die Ausstattung der Zimmer (53 Prozent) und großzügige Besuchszeiten (45 Prozent) werden seltener genannt.

dpa