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Umfrage: Mehrheit sieht Rente in Deutschland langfristig unsicher

83 Prozent fordern Einbeziehung aller Berufsgruppen, 75 Prozent finden Renten zu niedrig. Arbeitgeberpräsident kritisiert Rentenpaket der Bundesregierung.

Einer Umfrage zufolg hält eine klare Mehrheit die deutsche Rente langfristig nicht für sicher.
Foto: Marijan Murat/dpa

Eine klare Mehrheit hält die Rente in Deutschland einer Umfrage zufolge langfristig nicht für sicher. Nach der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa für die «Bild am Sonntag» sind 72 Prozent der Auffassung, dass die Rente auf lange Sicht eher unsicher ist. 21 Prozent halten die Rente eher für sicher, sieben Prozent äußerten sich nicht.

In der Umfrage sprachen sich 83 Prozent dafür aus, dass auch Beamte, Freiberufler und Politiker in die allgemeine Rentenversicherung einzahlen. Nur acht Prozent möchten das Rentenalter über die bisher beschlossene Anhebung auf 67 Jahre hinaus erhöhen – 53 Prozent befürworten eine Absenkung. 75 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Renten in Deutschland zu niedrig sind. Insa befragte insgesamt 1045 Personen am 4. und 5. April für die Erhebung.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger bekräftigte seine Kritik am jüngsten Rentenpaket der Bundesregierung. Er sei «fassungslos, dass der Bundesarbeitsminister jetzt noch einmal massiv die Rentenausgaben erhöhen will, obwohl wir vor dem größten Alterungsschub stehen, den es jemals in Deutschland gegeben hat», sagte Dulger der «Bild am Sonntag». «Das Rentenpaket II sollte umgehend gestoppt werden. Es ist unfair und ungerecht, in den nächsten 20 Jahren 500 Milliarden Euro mehr für die Rente auszugeben.»

Reformpaket umstritten

Die Bundesregierung plant, das Rentenniveau zu stabilisieren und den erwarteten Anstieg der Rentenbeiträge zu verlangsamen. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) haben ein Reformpaket vorgestellt, das sicherstellen soll, dass das Rentenniveau von 48 Prozent auch zukünftig erhalten bleibt. Das Rentenniveau gibt an, wie viel Prozent des aktuellen Durchschnittslohns eine Person als Rente erhält, die genau 45 Jahre lang immer zum Durchschnittslohn gearbeitet hat.

Gemäß dem Gesetzentwurf würden die Rentenausgaben bis 2045 ohne Reform von derzeit 372 Milliarden Euro im Jahr auf 755 Milliarden steigen – durch die geplante Festschreibung des Rentenniveaus auf 48 Prozent dürften sie sogar auf rund 800 Milliarden steigen. Um den erwarteten Anstieg der Beitragssätze etwas abzudämpfen, soll die Finanzierung auf ein zusätzliches Standbein gestellt werden. Mit der Gründung eines milliardenschweren Kapitalstocks auf dem Aktienmarkt will die Ampel-Regierung der Rentenversicherung eine neue Finanzierungsquelle erschließen.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, hält die Finanzierung eines Rentenniveaus von 53 Prozent für möglich, wie sie der «Bild am Sonntag» sagte. Sie fordert unter anderem eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze und die Einbeziehung von Beamten, Selbstständigen und Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung.

dpa