Angesichts vieler Krisen und Konflikte auf der Welt ist der Bedarf an humanitärer Hilfe groß – die UN warnen deshalb Geberländer, daran zu sparen.
UN-Flüchtlingshilfswerk zählt auf Deutschland

Der Bedarf an humanitärer Hilfe wächst aufgrund zahlreicher Krisen und Konflikte weltweit, jedoch ist der Beitrag der Geberländer bei den UN 2023 gesunken – das bereitet den Vereinten Nationen Sorge.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zählt auf Deutschland, wie der Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, der Deutschen Presse-Agentur in Genf sagte. «Die Welt braucht humanitäre Organisationen mehr denn je, betrachtet man die ganzen ungelösten Krisen», sagte Grandi.
«Ich weiß, dass es in Deutschland im Moment eine komplexe Diskussion über den Haushalt gibt», sagte er. «Ich gehe davon aus, dass Deutschland nicht die Absicht hat, die Mittel für humanitäre Hilfe zu kürzen.» Über den diese Woche bereinigten Haushaltsentwurf 2024 sollen Bundestag und Bundesrat Anfang Februar endgültig abstimmen. «Ich hoffe, dass die Diskussion positiv für die humanitäre Hilfe ausgehen wird», sagte Grandi. Die USA sind mit Abstand größter Geber des UNHCR, gefolgt von der EU-Kommission und Deutschland.
Spardruck bei Regierungen
Im letzten Jahr wurden bei den humanitären Krisenbudgets, die vom UN-Nothilfebüro OCHA koordiniert wurden, nur knapp 40 Prozent der benötigten Mittel aufgebracht. Dies ist das schlechteste Ergebnis seit mindestens 2016. Der Grund dafür ist hauptsächlich der rapide Anstieg des Bedarfs: Im Jahr 2023 beläuft sich der Bedarf auf fast 57 Milliarden Dollar (rund 52 Mrd Euro), fast dreimal so viel wie 2016. Für die OCHA-Krisenbudgets wurden im Jahr 2023 nur 22,3 Milliarden Dollar aufgebracht, nach 30,3 Milliarden Dollar im Vorjahr. Laut Grandi fehlten dem UNHCR allein im letzten Jahr eine Milliarde Dollar.
Spardruck bei Regierungen könnte nach hinten losgehen, meint Grandi. «Wenn humanitäre Hilfe gestrichen wird, verursacht das noch mehr Migration, vor allem Richtung der reichen Länder.» Populisten, die zum Beispiel gegen Flüchtlinge wettern, werde der Wind nicht durch das Zusammenstreichen humanitärer Hilfe aus den Segeln genommen.
Appell von Grandi
Einige politische Gruppierungen nutzten die Ankunft vieler Flüchtlinge dazu, die heimische Bevölkerung zu manipulieren, etwa, in dem sie ihnen Angst vor den Menschen machten, sagte Grandi. «Die Antwort (auf Populisten) ist, ein effizientes System zu haben, das Flüchtlinge aufnimmt, ihr Gesuch prüft und die, die keine Flüchtlinge sind, zurückschickt.»
Es werde in den Herkunftsländern zu wenig getan, um Fluchtursachen zu bekämpfen und Konflikte zu beenden. Grund sei unter anderem die Uneinigkeit im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen. Der Rat könnte militärischen Operationen beschließen, ist aber seit Jahren im geopolitischen Tauziehen zwischen den Vetomächten USA, Russland und China gelähmt. «In der Zwischenzeit müssen Regierungen die Verantwortung übernehmen und mehr Geld für humanitäre Hilfe bereitstellen», sagte Grandi.








