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UN-Generalsekretär: Wer könnte Guterres nachfolgen?

Die Amtszeit von UN-Generalsekretär Guterres endet bald, und vier Kandidaten kämpfen um seine Nachfolge. Angesichts wachsender globaler Konflikte und einer schwindenden Bedeutung der UN stehen sie vor enormen Herausforderungen.

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Nachfolge von UN-Generalsekretär: Wer folgt auf Guterres?
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Mit dem bevorstehenden Ende der Amtszeit von UN-Generalsekretär António Guterres am Jahresende stehen die Nachfolger vor enormen Herausforderungen. Gestern endete die Frist für die Nominierung von Kandidaten, und es sind bislang vier Personen im Rennen.

Die nächste Person, die das Amt des UN-Generalsekretärs übernimmt, wird sich mit bedeutenden Reformen auseinandersetzen müssen, die als Reaktion auf die Finanzkrise der Vereinten Nationen erforderlich sind. Während das Budget der Organisation schrumpft, nehmen die Konflikte und Kriege weltweit zu.

Die Relevanz der UN wird zunehmend in Frage gestellt, wie Maya Ungar von der unabhängigen Denkfabrik Crisis Group erklärt:

„Man braucht einen Generalsekretär, der in der Lage ist, mit Präsident Trump, Putin oder Xi zu verhandeln. Im Moment wird der UN-Generalsekretär nicht einmal zu Gesprächen eingeladen – ihm wird nicht einmal mehr Gehör geschenkt.“

Vier Kandidaten im Rennen

Die amtierende Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, äußerte den Wunsch, dass endlich eine Frau in das Amt gewählt wird.

„Wie kann es sein, dass es in 80 Jahren noch nie eine Frau als Generalsekretärin gab, obwohl die Hälfte der Weltbevölkerung, der wir dienen sollen, Frauen und Mädchen sind?“

Diese Frage stellte Baerbock im Februar vor dem Menschenrechtsrat in Genf.

Bis zum 1. April hatten die UN-Mitgliedsstaaten die Möglichkeit, ihre Wunschkandidaten zu nominieren. Aktuell sind vier Personen offiziell im Rennen: zwei Frauen und zwei Männer.

Kandidatin 1: Michelle Bachelet aus Chile

Michelle Bachelet war die erste weibliche Präsidentin Chiles und hatte zuvor das Amt der Gesundheits- und Verteidigungsministerin inne. Die 74-Jährige bringt umfangreiche Erfahrung bei den Vereinten Nationen mit, da sie bereits UN-Hochkommissarin für Menschenrechte war und die Frauenrechtsorganisation „UN Women“ leitete. Ihre Nominierung erfolgte durch Brasilien und Mexiko, während Chile, ihr Heimatland, ihre Bewerbung nicht mehr unterstützt, seit der neue rechtspopulistische Präsident José Antonio Kast im Amt ist.

Ungar äußert sich zu Bachelets Chancen:

„Sie wird es schwer haben, insbesondere die Trump-Regierung, die sich stark gegen die aus ihrer Sicht ‚woke‘-Agenda der UN sperrt, zu überzeugen, dass sie auch ihre Verbündete sein kann.“

Die USA, als Veto-Macht im UN-Sicherheitsrat, könnten ihre Wahl leicht blockieren.

Kandidat 2: Rafael Grossi aus Argentinien

Rafael Grossi ist der Leiter der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA). In dieser Funktion überwacht der 65-Jährige weltweit Atomprogramme und ist für nukleare Sicherheit verantwortlich. Grossi ist häufig in diplomatische Angelegenheiten involviert, unter anderem bei den Verhandlungen über ein neues Atomabkommen mit dem Iran und in Bezug auf die Sicherheit des AKW in Saporischschja während des Ukraine-Kriegs. Er wurde von Argentinien nominiert.

Ungar beschreibt Grossi als Favoriten:

„In seiner Rolle musste er mit vielen großen Playern wie USA, China und Russland sprechen, vermitteln und medial präsent sein.“

Kandidatin 3: Rebeca Grynspan aus Costa Rica

Rebeca Grynspan ist Wirtschaftswissenschaftlerin und war Vizepräsidentin von Costa Rica. Die 70-Jährige ist derzeit Generalsekretärin der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung und beschäftigt sich mit globalen Wirtschaftsfragen, insbesondere nachhaltiger Entwicklung und dem Abbau von Ungleichheiten zwischen den Ländern. Sie wurde von Costa Rica nominiert.

Ungar hebt Grynspans Erfolge hervor:

„Einer der wenigen entscheidenden Erfolge von noch Generalsekretär António Guterres war das Getreideabkommen zu Beginn des Ukraine-Kriegs, wofür Grynspan viel Anerkennung erhielt.“

Kandidat 4: Macky Sall aus Senegal

Macky Sall war lange Zeit Präsident Senegals und hat während seiner Amtszeit den Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben sowie für politische Stabilität gesorgt. Der 64-Jährige war auch Vorsitzender der Afrikanischen Union und setzte sich auf internationaler Ebene für die Interessen Afrikas ein. Allerdings wurde Sall häufig für autoritäre Tendenzen kritisiert. Er wurde von Burundi nominiert und ist der einzige nicht-lateinamerikanische Kandidat.

Ungar sieht dies als möglichen Nachteil:

„Traditionell rotiert das Amt des Generalsekretärs zwischen den Weltregionen, und diesmal wäre Lateinamerika an der Reihe. Er müsste sich wirklich eine breite Unterstützung der afrikanischen Länder sichern, um ernsthafte Chancen zu haben.“

Die Afrikanische Union unterstützt seine Kandidatur jedoch nicht, was seine Chancen weiter schmälern könnte.

Weitere Bewerbungen sind möglich

Ab Mitte April beginnen interaktive Online-Dialoge, in denen die Kandidaten ihr Programm vorstellen und Fragen der UN-Mitgliedsstaaten beantworten. Ab Juli wird der Sicherheitsrat in mehreren Runden abstimmen, bis ein Kandidat eine Mehrheit ohne Vetostimmen erhält. Bis zu den Abstimmungen können Mitgliedsstaaten weiterhin Last-Minute-Kandidaten vorschlagen. Im letzten Schritt muss die neue Personalie von der Generalversammlung genehmigt werden. Ein Ergebnis wird voraussichtlich gegen Herbst feststehen.

Bildquelle: depositphotos

TS