Im Gazastreifen harren immer noch mehr als 130 Geiseln in der Gewalt der Hamas aus. Ein Bericht aus den USA macht jedoch Hoffnung für sie. Der Überblick.
UN-Palästinenserhilfswerk massiv unter Druck

Da das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA wegen der angeblichen Beteiligung einiger ihrer Mitarbeiter am Massaker der Hamas in Israel zunehmend unter Druck gerät, könnte ein Geisel-Deal zwischen den Konfliktparteien näher rücken.
Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf US-Regierungskreise, dass US-Unterhändler einen Entwurf erstellt haben, der auf Vorschlägen Israels und der islamistischen Terrororganisation Hamas basiert und der an diesem Sonntag in Paris diskutiert werden soll. Der Deal sieht vor, dass die Hamas mehr als 100 Geiseln freilässt und Israel sein militärisches Vorgehen im Gazastreifen für ungefähr zwei Monate einstellt.
Unterdessen haben Deutschland und acht weitere Länder angekündigt, vorübergehend ihre Zahlungen an die Hilfsorganisation der Vereinten Nationen im Gazastreifen einzustellen. Der Grund dafür ist, dass zwölf der vielen tausend UNRWA-Mitarbeiter im Gazastreifen verdächtigt werden, in den brutalen Angriff der Hamas am 7. Oktober letzten Jahres verwickelt gewesen zu sein. Die Organisation hat die verdächtigten Mitarbeiter sofort entlassen. Etwa 1200 Menschen wurden bei dem Massaker getötet und die Terroristen haben ungefähr 240 Menschen in den Gazastreifen entführt.
Bereits während einer siebentägigen Feuerpause im November wurden israelische Kinder und Frauen, die gefangen gehalten wurden, gegen inhaftierte Palästinenser in Israel ausgetauscht. Allerdings sollen noch etwas mehr als 130 Personen in der Gewalt der Terroristen sein – hauptsächlich Männer und Soldaten. Nun könnten durch die Gespräche in Paris weitere Verhandlungen in Bewegung geraten.
Geisel-Deal: Rückt eine Vereinbarung näher?
Die «New York Times» berichtete, CIA-Geheimdienstchef William Burns solle heute mit Vertretern Israels, Ägyptens und Katars in Paris sprechen. Dem Entwurf zufolge sollen in einer ersten Phase die Kämpfe für 30 Tage pausieren. In dieser Zeit solle die Hamas weibliche, ältere und verletzte Geiseln freilassen.
Parallel dazu sollten beide Seiten über eine zweite Phase verhandeln, in der als Geiseln genommene israelische Männer und Soldaten für weitere 30 Tage Feuerpause freigelassen würden. Die Verhandler seien «vorsichtig optimistisch». Unklar ist aber noch, wie viele inhaftierte Palästinenser Israel freilassen muss. Die Hoffnung sei, dass Israel die Kämpfe nach einer zweimonatigen Feuerpause nicht in der Art wie jetzt wieder aufnehmen werde.
UNRWA verliert wichtige Geldgeber
Nach der Ankündigung mehrerer Länder, Zahlungen zu stoppen, warnte das Hilfswerk UNRWA vor dem Ende der Hilfe im Gazastreifen. «Unser humanitärer Einsatz, von dem zwei Millionen Menschen als Rettungsanker in Gaza abhängen, kollabiert», schrieb UNRWA-Chef Philippe Lazzarini auf der Online-Plattform X (vormals Twitter).
Er sei schockiert, dass solche Entscheidungen auf der Grundlage von mutmaßlichem Verhalten einiger weniger Leute getroffen hätten. «Die Palästinenser in Gaza haben keine zusätzliche kollektive Bestrafung gebraucht.»
Laut eigenen Angaben betreibt das Hilfswerk Unterkünfte für über eine Million Menschen und bietet Nahrung und medizinische Grundversorgung an. Es wurde im Jahr 1949 gegründet, um palästinensischen Flüchtlingen zu helfen. Das UNRWA ist in Jordanien, im Libanon und in den Palästinensergebieten aktiv.
Zuvor hatten neun wichtige Geldgeber wie Deutschland, die USA, Großbritannien oder Kanada angekündigt, vorerst keine Zahlungen mehr an die UN-Organisation zu bewilligen. «Bis zum Ende der Aufklärung wird Deutschland in Abstimmung mit anderen Geberländern temporär keine neuen Mittel für UNRWA in Gaza bewilligen», teilten das Auswärtige Amt und das Entwicklungsministerium in Berlin mit. Ohnehin stünden derzeit keine neuen Zusagen an.
Gleichzeitig betonten die Ministerien, dass die humanitäre Hilfe für die Palästinenser fortgesetzt wird. Vor kurzem wurden die Mittel für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und das UN-Kinderhilfswerk Unicef um sieben Millionen Euro erhöht. UNRWA ist von lebenswichtiger Bedeutung für die Grundversorgung der palästinensischen Bevölkerung.
Israel fordert Rücktritt von UNRWA-Chef
Israel hat dem Hilfswerk Informationen über die zwölf verdächtigen Mitarbeiter gegeben. UNRWA-Chef Lazzarini und UN-Generalsekretär António Guterres waren schockiert und warnten die Betroffenen vor strafrechtlichen Konsequenzen. Die Vorwürfe sollen nun von einer unabhängigen Untersuchung geprüft werden.
Israel kritisierte Lazzarini scharf. «Herr Lazzarini, bitte treten sie zurück», schrieb Außenminister Israel Katz auf X. Der israelische Regierungssprecher Eylon Levy warf dem UNRWA zudem vor, eine «Front der Hamas» zu sein. «Es deckt die Hamas buchstäblich», erklärte er auf X. Die Hamas hatte zuvor von einer Hetzkampagne Israels gegen internationale Organisationen, die den Palästinensern helfen, gesprochen. «Das skrupellose Nazigebilde» versuche damit «alle Lebensadern unseres Volkes abzuschneiden».
Dagegen nannte Schottlands Regierungschef Lazzarinis Ankündigung, die Vorwürfe unabhängig untersuchen lassen zu wollen, «wichtig». «Die Menschen in Gaza sterben mitten in einer humanitären Katastrophe, sie dürfen nicht kollektiv bestraft werden», schrieb Humza Yousaf auf X. Der Leiter des UN-Nothilfebüros, Martin Griffiths, schrieb auf X: «Jetzt ist nicht die Zeit, die Menschen in Gaza im Stich zu lassen.»
Appelle und Proteste zum Holocaust-Gedenken
Unterdessen schwor Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seine Landsleute erneut auf einen Sieg über die Hamas ein. «Wenn wir die Hamas-Terroristen, diese neuen Nazis, nicht eliminieren, ist das nächste Massaker nur eine Frage der Zeit», sagte er in Tel Aviv. Die Hauptlehre aus dem Holocaust sei, dass «es nur wir sind, die da sind, um uns zu verteidigen».
In Tel Aviv protestierten gleichzeitig Tausende von Menschen und forderten den Rücktritt von Netanjahu. Sie beschuldigten ihn, seine Mitverantwortung für die Umstände, die zum Massaker der Hamas geführt haben, zu leugnen.
Am Samstag wurde international der Holocaust-Gedenktag begangen. Bei der Gedenkfeier zum 79. Jahrestag der Befreiung des früheren deutschen Konzentrationslagers Auschwitz äußerte eine Überlebende ihr Entsetzen über die Massaker der Hamas. «Es fallen die Söhne und Töchter der wenigen geretteten Holocaust-Überlebenden, nachdem sie ein neues Leben begonnen, eine neue Heimat in Israel gefunden haben», sagte die 94-jährige Halina Birenbaum.
Was heute wichtig wird
Laut der «New York Times» treffen sich am Sonntag in Paris Vertreter aus Israel, Ägypten, Katar und den Vereinigten Staaten, um über eine Geiselvereinbarung zu verhandeln.








