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Urlaub, Lacher, Tennisspiel – Politiker-Patzer mit Folgen

Tennis statt Krisenmanagement: Wie viel Freizeit darf sich ein Regierungschef mitten im Stromausfall gönnen? Immer wieder unterliefen Politikern ähnliche Patzer. Es gibt aber auch Gegenbeispiele.

Der Laschet-Moment. Der damalige Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) lachte nach der Ahrtal-Katastrophe bei einem Besuch der Region im Juli 2021, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sich zu dem Unglück äußerte. (Archivbild)
Foto: Marius Becker/dpa

Im Südwesten Berlins fließt mehrere Tage nach dem Brandanschlag wieder Strom. War das Krisenmanagement erfolgreich? Kai Wegner, der Regierende Bürgermeister, wird gefragt, ob er die Ernsthaftigkeit der Situation am ersten Tag des großflächigen Stromausfalls ausreichend wahrgenommen hat. Denn es stellte sich heraus, dass der CDU-Politiker mehrere Stunden nach Beginn des Stromausfalls am Samstagmittag eine Stunde lang auf dem Tennisplatz verbracht hatte. Am Sonntag hatte er bei einer Journalistenfrage zu seinem Tagesablauf am Samstag das Tennisspiel nicht erwähnt. Kritik wird laut – und es werden Erinnerungen an andere Fälle wach, in denen das Verhalten von Politikern in Krisensituationen für Unmut sorgte.

Armin Laschet lacht im Flutgebiet

Der ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) besuchte im Juli 2021 das Hochwassergebiet in Erftstadt. Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor Fernsehkameras den zahlreichen Opfern der verheerenden Katastrophe sein Mitgefühl aussprach, war im Hintergrund zu sehen, wie Laschet im Gespräch mit anderen lachte. Die Szene kostete ihn viele Sympathien. Zwei Monate später verlor die Union die Bundestagswahl.

Anne Spiegel macht bald nach der Flut Urlaub

Im April 2022 trat die Grünen-Politikerin Anne Spiegel im Zusammenhang mit der Ahrtal-Flutkatastrophe als Bundesfamilienministerin zurück. Zuvor war sie als rheinland-pfälzische Landesumweltministerin für den Hochwasserschutz zuständig gewesen und brach zehn Tage nach der Flut zu einem vierwöchigen Familienurlaub nach Frankreich auf. Die Kritik führte schließlich zum Rücktritt von ihrem neuen Amt.

Christine Lambrecht und das Foto ihres Sohnes

Nach langanhaltender Kritik an ihrer Amtsführung gab Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) im Januar 2023 ihren Rücktritt bekannt. Besonders negativ wurde ein Foto aufgefasst, das zeigt, wie ihr Sohn sie im Bundeswehrhubschrauber begleitete. Des Weiteren sorgte sie für Verwirrung mit einer Neujahrsbotschaft auf Instagram, in der sie über den Ukraine-Krieg sprach, während im Hintergrund Silvesterfeuerwerk zu sehen war.

Rudolf Scharping lässt sich im Swimmingpool fotografieren

Ein Vorgänger Lambrechts, Rudolf Scharping (SPD), stolperte über Homestory-Fotos, die ihn mit seiner neuen Lebensgefährtin im Swimmingpool auf Mallorca zeigten. Die «Bunte» veröffentlichte die Bilder zu einer Zeit, in der die Regierung über die Entsendung deutscher Soldaten nach Mazedonien entscheiden musste. Von da an wurde Scharping in der Öffentlichkeit besonders kritisch beäugt. Die Mallorca-Affäre war einer von mehreren Gründen für Scharpings Entlassung im Juli 2002.

Dietmar Woidke überlegt es sich noch mal anders

Am Mittwoch hat der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke nach dem Bruch der Koalition seiner SPD mit dem BSW entschieden, seinen Urlaub abzusagen. Zuvor hatte er trotz der Regierungskrise geplant, in Urlaub zu fahren. Die Grünen kritisierten dies als unpassend und Woidke reagierte darauf, indem er seinen geplanten Urlaub absagte.

Gegenbeispiel Helmut Schmidt: «Herr der Flut»

Der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) rief als Polizeisenator in Hamburg das Militär bei der Sturmflut 1962 in Hamburg zur Hilfe. Er setzte sich damit über das Gesetz hinweg, die Beteiligung der Bundeswehr im Inneren war damals verfassungswidrig. Schmidt wurde als «Herr der Flut» bezeichnet. Mehr als zehn Jahre später wurde er Kanzler. 

Schröders Gummistiefel-Moment 

Kanzler Gerhard Schröder (SPD) profitierte 2002 von der «Jahrhundertflut» an der Elbe wenige Wochen vor der Bundestagswahl. Zunächst lag er zwar in Meinungsumfragen deutlich hinter seinem Kontrahenten Edmund Stoiber (CSU) zurück, präsentierte sich dann aber als «Macher» vor Ort: in dunkelgrüner Regenjacke und Gummistiefeln. Zwei Tage später zog Stoiber nach und zeigte sich in Gummistiefeln und Poloshirt in Sachsen. Genutzt hat es nichts mehr – Schröder gewann die Wahl ganz knapp.

dpa