Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Enthüllungsbuch über Helmut Kohl: Gericht verbietet weitere Passagen

Das Oberlandesgericht Köln hat weitere Passagen in dem Enthüllungsbuch über Helmut Kohl verboten. Diese betreffen nicht nur Zitate des Altkanzlers, sondern auch Schilderungen und Bewertungen des Autors Heribert Schwan.

Der Autor Heribert Schwan hatte auf eigene Faust ein Buch mit nicht autorisierten Zitaten Kohls veröffentlicht.
Foto: Oliver Berg/dpa

Im langwierigen rechtlichen Streit über ein Enthüllungsbuch über den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl hat das Oberlandesgericht Köln weitere Abschnitte untersagt. Diese betreffen nicht nur Zitate von Kohl, sondern auch Beschreibungen und Einschätzungen des Autors Heribert Schwan, der zuvor als Ghostwriter für Kohl gearbeitet hatte.

Obwohl Zeugen wie Walter Kohl in dem vorherigen Gerichtsverfahren bestätigt hatten, dass Kohl keine schriftliche Vertraulichkeitsvereinbarung mit Schwan getroffen hatte, nimmt das Gericht trotzdem an, dass Vertraulichkeit impliziert war, da Schwan für Kohl gearbeitet hat.

Schwan enttäuscht über Entscheidung

Der Journalist und Historiker Schwan arbeitete Anfang der 2000er Jahre als Ghostwriter zusammen mit Kohl an dessen Memoiren. Schwan zeichnete dabei ausführliche Beschreibungen von Kohls politischem Leben auf Kassette auf. Vor der Fertigstellung des letzten Bandes der Erinnerungen, der Kohls Abwahl und die CDU-Spendenaffäre behandeln sollte, kam es jedoch zu einem Streit zwischen den beiden. Daraufhin veröffentlichte Schwan ohne Absprache mit Kohl das Buch „Vermächtnis“.

Nach der Veröffentlichung von „Die Kohl-Protokolle“, in denen er nicht autorisierte Aussagen des Altkanzlers veröffentlichte, insbesondere drastische Werturteile über andere Politiker, wurde Kohl daraufhin von Schwan verklagt. Kohl argumentierte, dass die von Schwan publik gemachten Kommentare niemals für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen seien.

Seit dem Ableben im Jahr 2017 führt seine Ehefrau Maike Kohl-Richter das Verfahren fort. Kohl wird als einer der herausragendsten Kanzler in der Geschichte Deutschlands angesehen, vor allem wegen seines Engagements für die Wiedervereinigung Deutschlands und die Einigung Europas.

Schwan zeigte sich von der Entscheidung enttäuscht. «Wenn man mir eine Verschwiegenheit angetragen hätte, wäre ich weggelaufen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Vom journalistischen Standpunkt aus betrachtet sei es «unfassbar», dass nun sogar Zitate verboten worden seien, die gar keine Aussagen Helmut Kohls beträfen, sondern Bewertungen von ihm, Schwan. Dabei geht es unter anderem um Schilderungen, wie die Gespräche abliefen und warum es aus Schwans Sicht zum Bruch kam. Schwan macht dafür Kohls zweite Ehefrau Maike Kohl-Richter verantwortlich.

dpa