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USA planen vollständigen Abzug ihrer Truppen aus Syrien

Die USA wollen ihre verbliebenen Soldaten aus Syrien abziehen und damit ihre langjährige Militärpräsenz beenden. Rund 1.000 Kräfte sollen das Land in den kommenden Wochen verlassen. Welche Folgen hat der Schritt für die Stabilität in der Region?

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Foto: NF24 / KI

Die USA wollen in den kommenden Wochen sämtliche ihrer noch in Syrien stationierten Soldaten abziehen und damit ihre rund ein Jahrzehnt währende militärische Präsenz im Bürgerkriegsland beenden. Nach zahlreichen Medienberichten sollen die etwa 1.000 verbliebenen US-Soldaten innerhalb der nächsten zwei Monate abgezogen werden, wie mehrere US-Regierungsquellen dem Wall Street Journal und weiteren ausländischen Nachrichtenagenturen bestätigten.

Ende einer langjährigen Mission gegen den IS

Die USA sind seit 2014/2015 in Syrien präsent, zunächst im Zuge der internationalen Anti-IS-Koalition, die die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) militärisch bekämpfte. Nachdem der IS große Teile Syriens und des benachbarten Irak verloren hatte, verblieben US-Truppen vor allem im Nordosten des Landes, um erneutem Erstarken der Extremisten entgegenzuwirken und Partner wie die Syrian Democratic Forces (SDF) zu unterstützen.

Zuletzt hatte die US-Armee bereits den al-Tanf-Stützpunkt im Südosten Syriens geräumt und an syrische Kräfte übergeben – ein strategischer Posten nahe der Grenze zu Jordanien und dem Irak, der über Jahre ein Zentrum der Anti-IS-Operationen war. Auch die Basis in Al-Shaddadi im Nordosten wurde bereits abgegeben.

Gründe für den Abzug und politische Bewertung

Nach Angaben von US-Beamten wird der Rückzug als „bedingungenbasierter Übergang“ bezeichnet – das heißt, die Entscheidung hängt davon ab, wie sich die Sicherheitslage vor Ort entwickelt. Offiziell heißt es, die syrische Regierung, inzwischen unter Interimspräsident Ahmed al-Sharaa, sei in der Lage oder bereit, die Hauptverantwortung für die innere Sicherheit zu übernehmen, während Washington seine Militärpräsenz herunterfahre.

Parallel zu dem angekündigten Abzug betonen US-Vertreter, man bleibe in der Region weiterhin auf potenzielle Bedrohungen durch den IS vorbereitet und könne bei Bedarf schnell reagieren. Kritiker hingegen warnen, ein vollständiger Abzug könne einen Sicherheitsspielraum für Extremisten schaffen und die regionale Stabilität untergraben.

Auswirkungen auf die Sicherheitslage vor Ort

Der geplante Abzug kommt zu einer Zeit, in der die Lage in Syrien weiterhin fragil ist. Zwar hat sich der große territoriale Einfluss des IS stark reduziert, doch die Gruppierung und andere Extremisten bleiben aktiv, insbesondere im Osten des Landes. Gleichzeitig haben syrische Regierungskräfte nach dem Sturz des früheren Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 ihre Kontrolle über weite Bereiche ausgebaut, was die militärische Präsenz ausländischer Truppen überflüssig erscheinen lässt.

Die Übernahme strategischer Stützpunkte, wie zuletzt in al-Tanf, durch die syrische Armee gilt als ein Zeichen für eine gewisse Normalisierung der Machtverhältnisse vor Ort – und gleichzeitig als politisches Signal einer Annäherung zwischen Washington und Damaskus.

Fazit: Strategiewechsel bei US-Truppen

Der vollständige Abzug der US-Streitkräfte aus Syrien wäre ein bedeutender strategischer Schritt, der das Ende einer aktiven Phase der amerikanischen Militärintervention markieren würde. Während Vertreter der USA betonen, dass Sicherheitsinteressen auch ohne große Truppenpräsenz gewahrt werden sollen, sehen Beobachter darin einen Wendepunkt im Umgang mit dem Konflikt und eine Herausforderung für die künftige Stabilität Syriens und der gesamten Region.

bh
Quellen: n-tv.de