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USA reduzieren Flugzeugträger-Präsenz in Nahost-Region

Die USA lassen einen Flottenverband die Heimreise antreten. Die kriegerischen Zustände in Nahost bleiben. In Rafah findet das israelische Militär viele Tunnels, aber keinen, der zum Schmuggel taugt.

Die USA ziehen den Flugzeugträger «USS Theodore Roosevelt» aus dem Roten Meer ab. (Archivbild)
Foto: Seaman Ryan Holloway/U.S. Navy/dpa

Nach einem mehrwöchigen Einsatz als Reaktion auf die Krise im Nahen Osten haben die USA ihren Flugzeugträger «USS Theodore Roosevelt» aus dem Roten Meer abgezogen. Das Schiff und der dazugehörige Verband befänden sich auf dem Weg durch den Indopazifik, teilte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pat Ryder, mit. In Nahost verbleiben noch der Flugzeugträger «USS Abraham Lincoln» und dessen Begleitschiffe, die derzeit im Golf von Oman kreuzen. 

Ryder nannte keine Details zu dem Abzug, sondern sprach im Allgemeinen von «Flottenmanagement». Bei Bedarf seien die USA in der Lage, mit zwei Flugzeugträgern vor Ort zu sein, betonte er. Die «Lincoln» und ihre Begleitschiffe waren als zweiter Flottenverband Anfang August zur «Roosevelt» gestoßen, nachdem sich die Lage in der Region verschärft hatte. 

Der Iran drohte zu der Zeit seinem Erzfeind Israel mit massiver Vergeltung, nachdem der Anführer der mit dem Iran verbündeten palästinensischen radikalislamischen Hamas, Ismail Hanija, in Teheran ermordet worden war. Israel wurde vom Iran für den Anschlag verantwortlich gemacht. Bisher ist es nicht zu dem angekündigten Vergeltungsschlag gekommen.

Die USA sind der wichtigste Verbündete Israels. Sie haben kürzlich zusätzliche Kriegsschiffe, Flugzeuge und auch ein mit Raketen bestücktes Atom-U-Boot in die Region verlegt.

Tote bei israelischen Angriffen im Libanon und in Syrien

Bei einem israelischen Angriff im Libanon wurden laut Behörden mindestens drei Menschen getötet, darunter auch ein Kind, wie das Gesundheitsministerium in Beirut mitteilte. Es gab drei Verletzte bei dem Angriff nahe Nabatieh im Süden des Landes. Es war zunächst unklar, ob Mitglieder der Hisbollah unter den Opfern waren. Das israelische Militär hat sich bisher nicht geäußert.

Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge im Süden Syriens bei Luftangriffen zwei Militante getötet. Einer davon war ein Mitglied der libanesischen Hisbollah, der in Syrien tätig war. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sollen die Angegriffenen als Rekrutierer und Waffentransporteure für die Hisbollah fungiert haben.

Vorher gab es gegenseitigen Beschuss zwischen der proiranischen Hisbollah und dem israelischen Militär. Die Hisbollah beanspruchte mehrere Angriffe auf Ziele im Norden Israels. Laut der libanesischen Nachrichtenagentur NNA griff auch die israelische Armee mehrere Ziele im Südlibanon an.

Seit dem Beginn des Gaza-Krieges vor elf Monaten kommt es fast täglich zu militärischen Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah im Grenzgebiet der beiden Länder. Es gab Tote auf beiden Seiten, hauptsächlich Mitglieder der Hisbollah. Die Hisbollah unterstützt die Hamas aus Solidarität, wie sie selbst angibt.

War Israel mit Bodentruppen auf syrischem Terrain?

Mit einem waghalsigen Luftlandemanöver soll Israel Medienberichten zufolge am vergangenen Wochenende in Syrien eine Fabrik für Präzisionsraketen angegriffen und zerstört haben. Entsprechende Berichte der «New York Times» und des Nachrichtenportals «axios.com» stützen sich auf die Aussagen namentlich nicht genannter Personen, die in die Aktion involviert gewesen sein sollen oder aus erster Hand Kenntnis davon erlangt hätten. Die Waffenfabrik soll vom Iran, Syriens wichtigstem Verbündeten, errichtet worden sein, in erster Linie, um die Hisbollah-Miliz im Libanon mit Raketen zu versorgen. 

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete bereits am Montag, dass bei einem vermutlich von Israel durchgeführten Luftangriff in der Region Masjaf im Westen des Landes 18 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt wurden. Bodentruppen wurden in den damaligen Berichten nicht erwähnt. Israel gibt in der Regel keine Kommentare zu solchen Angriffen ab. Die israelische Armee greift jedoch regelmäßig Stellungen von Milizen in Syrien an, die vom Iran unterstützt werden, sowie auch Waffentransporte, die für die Hisbollah bestimmt sind.

Der Einsatz von Soldaten der Luftwaffen-Eliteeinheit Schaldag auf syrischem Boden wäre – so sich die Berichte bewahrheiten – ein Novum für Israel. Israels Militär habe Bau und Funktion der unterirdischen Waffenschmiede in Masjaf jahrelang beobachtet, hieß es auf «axios.com». Da sich die Anlage unter der Erde befand, hätte sie allein mit Luftangriffen nicht zerstört werden können. In den vergangenen Jahren sei die geplante Mission zweimal abgeblasen worden, weil sie als zu riskant galt, hieß es weiter. 

Es wird berichtet, dass die Schaldag-Soldaten sich von Helikoptern abgeseilt haben, um die Wachsoldaten der Anlage zu töten, Dokumente zu sichern und die Fabrik in die Luft zu sprengen. Die Luftangriffe hatten angeblich den Zweck, das syrische Militär vom Ort des Geschehens fernzuhalten.

Keine aktiven Tunnel unter Gaza-Grenze zu Ägypten

Nach mehrmonatigem Einsatz in der südlichen Gaza-Stadt Rafah hat Israels Militär eigenen Angaben zufolge neun Tunnel gefunden, die unter der Grenze hindurch in Richtung Ägypten führten. Alle waren jedoch bereits zuvor verschlossen worden, entweder vom Nachbarland Ägypten oder von der früher im Gazastreifen herrschenden Hamas, berichtet die «Times of Israel» unter Berufung auf den Kommandeur der für Rafah zuständigen 162. Division, Brigadier Itzik Cohen. 

Soldaten der Division fanden in der Stadt an der Grenze zu Ägypten 203 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 13 Kilometern, die sie weitgehend zerstörten. Neun hätten ins Nachbarland geführt. «Sie sind eingestürzt, unbrauchbar und nicht aktiv», wird Cohen zitiert. 

Die vermeintlichen Schmuggeltunnel, durch die sich die Hamas angeblich über Ägypten mit Waffen und Ausrüstungen versorgt hat, sind ein zentraler Bestandteil der Argumentation des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, der auf einer dauerhaften militärischen Präsenz in Rafah besteht. Diese Forderungen Netanjahus stellen derzeit eines der Hauptprobleme bei den diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die Freilassung der Geiseln in der Gewalt der Hamas dar.

Schmuggel wohl eher über reguläre Grenzübergänge

Laut der Tageszeitung «Haaretz» sind führende israelische Militärs der Meinung, dass die Hamas den Großteil der Waffen im Gazastreifen selbst hergestellt hat. Das benötigte Material wurde vor dem Krieg von den Islamisten über die regulären Grenzübergänge bei Rafah (Ägypten) und Kerem Schalom (Israel) in das abgeriegelte Küstengebiet geschmuggelt.

Der Gaza-Krieg begann durch das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zu Gaza verübten. Dabei wurden auf israelischer Seite mehr als 1.200 Menschen getötet und weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Als Reaktion führte Israel massive Luftangriffe und eine Bodenoffensive durch.

Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Kriegsbeginn mindestens 41.118 Palästinenser im Gazastreifen getötet. Die Angaben unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und Kombattanten und können nicht unabhängig überprüft werden.

[USA zieht Flugzeugträger aus Nahost ab],Flottenmanagement ermöglicht flexible Präsenz. USA behalten zwei Flugzeugträger in der Region.

 

 

 

 

dpa