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USA sehen «erhebliche Spannungen» in Nahost

Israel führt seine Kämpfe im Gazastreifen fort. Die USA fürchten dadurch eine Ausweitung des Konflikts in der gesamten Region und mehr Leid für die Menschen. Die Entwicklungen im Überblick.

Rauch steigt nach einem israelischen Luftangriff über Gebäuden in Chan Junis auf.
Foto: Mohammed Dahman/AP/dpa

Die USA sehen den Nahen Osten in einem «Moment erheblicher Spannungen» und haben Israel gemahnt, mehr für den Schutz von Zivilisten in Gaza zu tun. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schafft es seit fast zwei Wochen nicht, eine geplante Hilfsmission im Norden des Küstenstreifens durchzuführen.

Währenddessen setzt Israel die Angriffe im Gazastreifen fort und befindet sich im Norden an der Grenze zum Libanon in Auseinandersetzungen mit der Hisbollah-Miliz.

Könnte Gaza-Krieg «metastasieren»?

US-Außenminister Antony Blinken warnte in Katar vor einer Eskalation in der gesamten Nahost-Region. «Der Konflikt könnte schnell metastasieren, was noch mehr Leid in der Region verursachen würde», sagte er auf seiner vierten Nahost-Reise bei einem Treffen mit Katars Ministerpräsident und Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani in Doha. Katar habe von Beginn an vor einer wahrscheinlichen und gefährlichen Ausweitung des Konflikts gewarnt, sagte Al Thani. Die Tötung eines Hamas-Anführers in Beirut und eines ranghohen iranischen Generals in Syrien – beide mutmaßlich durch Israel angeordnet – seien zu verurteilen und ein Verstoß gegen die Souveränität dieser Länder.

Blinken forderte, dass Israel die Zivilisten in Gaza bei seinen Angriffen dort besser schützen müsse: «Es ist absolut zwingend, dass Israel mehr zum Schutz von Zivilisten unternimmt». «Es sind schon viel zu viele unschuldige Palästinenser getötet worden», sagte er. Dies werde er auch bei seinem geplanten Besuch in Israel ansprechen.

Hilfslieferungen für Gaza reichen nicht

Auch die Hilfslieferungen für Gaza, wo vor Kriegsbeginn etwa 2,2 Millionen Menschen lebten, sind laut Blinken noch «nicht ausreichend, um den enormen Bedürfnissen gerecht zu werden». Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung seien von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Sie hätten nicht genügend Zugang zu Wasser, Essen, Arzneimitteln und anderen wichtigen Gütern.

In der Nacht zum Montag berichtete die WHO, seit zwölf Tagen nicht mehr in den Norden des Gazastreifens gelangt zu sein. Eine geplante Mission zum Krankenhaus Al-Awda sei zum vierten Mal abgesagt worden, weil die Sicherheit nicht gewährleistet gewesen sei, teilte die UN-Organisation auf der Plattform X (vormals Twitter) mit. Schwere Bombardierungen, nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten und unterbrochene Kommunikation hätten es «nahezu unmöglich» gemacht, medizinische Hilfsgüter in den isolierten Küstenstreifen und vor allem in dessen Norden zu liefern.

https://x.com/WHOoPt/status/1744101166294663637?s=20

Baerbock trifft Amtskollegen in Israel

Während Blinkens Nahost-Reise traf Annalena Baerbock, die deutsche Außenministerin (Grüne), am Sonntag in Jerusalem ihren neuen israelischen Amtskollegen Israel Katz. Katz bedankte sich bei ihr für die deutsche Unterstützung Israels und den Einsatz für die Freilassung von Geiseln im Gazastreifen, hieß es. Der israelische Minister lobte außerdem das in Deutschland ausgesprochene Betätigungsverbot für die islamistische Hamas.

Seit dem 7. Oktober greift Israel den Gazastreifen aus der Luft und vom Boden aus an, als Reaktion auf das Massaker von Hamas-Terroristen und anderer extremistischer Gruppen in Israel. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden bisher mehr als 22.800 Menschen getötet und rund 58.000 verletzt. An der Grenze zum Libanon kommt es auch im Norden Israels immer wieder zu Beschuss zwischen Israels Armee und der Hisbollah. Seitdem wurden von der Schiitenmiliz mehr als 150 Mitglieder getötet, während Israels Armee den Tod von neun Soldaten bestätigte. Auch Zivilisten sind ums Leben gekommen. Diese Eskalation ist die schwerste seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006.

Hackerangriff auf libanesischen Flughafen

Auch am Sonntag beschossen sich das israelische Militär und die Hisbollah. Die Angriffe richteten sich gegen Terroristen und mehrere Ziele der vom Iran unterstützten Miliz, teilte Israels Armee mit. Die Hisbollah erklärte, sie habe israelische Soldaten nahe der Grenze mit Raketen angegriffen. In Libanons Hauptstadt Beirut drangen Hacker derweil in die IT-Systeme des internationalen Flughafens ein, wie der geschäftsführende Tourismusminister Walid Nassar laut Staatsagentur NNA bestätigte. Auf Bildschirmen wurden den Reisenden statt Abflugs- und Ankunftszeiten plötzlich Botschaften gegen die schiitische Hisbollah und deren Chef Hassan Nasrallah angezeigt. «Hassan Nasrallah, du wirst keine Verteidiger mehr haben, wenn der Libanon in den Krieg gezogen wird», war dort zu lesen.

Tragischer Verlust für Al-Dschasira-Korrespondent

Nach dem Verlust seiner Frau, zweier Kinder und eines Enkels musste ein in der arabischen Welt bekannter Korrespondent des Nachrichtensenders Al-Dschasira im Gazastreifen nun auch den Tod seines ältesten Sohnes beklagen. Bereits in der Nacht zum Montag berichtete Wael al-Dahdu wieder live im Fernsehen. Sein 27-jähriger Sohn starb laut dem arabischen Sender bei einem israelischen Luftangriff. Fotos zeigten, wie der Vater weinend von seinem ältesten Sohn Abschied nahm. «Hamza war alles für mich, der älteste Junge, die Seele meiner Seele», sagte er. Auch Hamza al-Dahdu war laut Al-Dschasira Journalist und mit einem Fahrzeug im Westen der Stadt Chan Junis unterwegs gewesen, als eine Rakete einschlug.

Israel greift in Chan Junis weiter an

Unterdessen setzte Israel am Sonntag seine Angriffe im Süden des Gazastreifens fort. Laut eigenen Angaben zerstörte die Armee über 100 Ziele von palästinensischen Terroristen in dem heftig umkämpften Chan Junis. Das Militär teilte mit, dass dabei auch dutzende Terroristen getötet wurden. Soldaten zerstörten Tunnel, Beobachtungsposten und das Hauptquartier der Hamas, das auch für die Planung des Massakers am 7. Oktober genutzt wurde. Extremistische Palästinenser haben am Sonntag erneut Raketen auf Israel abgefeuert. In Grenzorten wurde Raketenalarm ausgelöst.

Was am Montag wichtig wird

Baerbock plant, sich während ihres Besuchs im Westjordanland ein Bild von der Situation der Palästinenser zu machen. Sie plant, ein palästinensisches Dorf zu besuchen und sich mit Außenminister Riad al-Maliki in Ramallah zu treffen. Am Abend möchte sie nach Ägypten weiterreisen. Blinken plant ebenfalls, in den kommenden Tagen die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Israel, das Westjordanland und Ägypten zu besuchen. Es wird erwartet, dass auch die Kämpfe im Gazastreifen weiterhin im Blickpunkt stehen werden.

dpa