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Vatikan-Finanzprozess: Kardinal zu Haftstrafe verurteilt

Mehr als zwei Jahre beschäftigt sich das Vatikan-Gericht mit einem brisanten Fall. Es geht um fragwürdige Millionendeals. Im Zentrum: Ein hochrangiger Kardinal. Dieser wird nun zu einer Haftstrafe verurteilt.

Im Vatikan-Prozess um fragwürdige Millionendeals ist das Urteil verkündet worden.
Foto: Andrew Medichini/AP

Erstmals in der Geschichte der katholischen Kirche wurde im großen Finanzprozess um fragwürdige Millionendeals ein Kardinal vom Vatikan-Gerichtshof zu einer Haftstrafe verurteilt. Der italienische Kardinal Angelo Becciu erhielt aufgrund seiner Verwicklungen in einen verlustreichen Immobilienskandal eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Es ist das erste Mal, dass ein Kurienkardinal vom Vatikan-Gericht zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Beccius Anwälte haben angekündigt, gegen das Urteil Einspruch einzulegen.

Alessandro Diddi, der Vatikan-Strafverfolger, hatte ursprünglich eine Haftstrafe von sieben Jahren und drei Monaten sowie eine hohe Geldstrafe für den 75-jährigen Becciu gefordert. Neben ihm waren neun weitere Personen angeklagt.

Einer der größten Strafprozesse im Vatikan

Der Prozess im Vatikan zählt zu den bisher größten. Zum ersten Mal wurde ein hochrangiger Kardinal als Angeklagter vor Gericht gestellt. Im Kern des seit über zwei Jahren andauernden Prozesses stand der verlustreiche Kauf einer Luxusimmobilie im Londoner Stadtteil Chelsea durch das vatikanische Staatssekretariat, in dem Becciu mehrere Jahre lang eine wichtige Abteilungsleiterposition innehatte. Der Deal ging schief, da der Vatikan mehr Geld investierte als geplant. Am Ende entstand ein Verlust in Höhe von mehreren hundert Millionen.

Die Untersuchungen im Zusammenhang mit dem fragwürdigen Millionendeal in London haben weitere illegale Geschäfte und Machenschaften innerhalb des Vatikans aufgedeckt. Die vatikanische Strafverfolgung beschuldigte den italienischen Kirchenmann und neun weitere Angeklagte unter anderem der Erpressung, Geldwäsche, Betrug, Korruption, Veruntreuung und Amtsmissbrauch.

Massiver Imageschaden

Der Prozess sorgte für einen massiven Imageschaden in dem kleinsten Staat der Erde. In Folge der Vorwürfe verlor der gebürtige Sarde seine Rechte als Kardinal und hätte damit auch bei einer Papstwahl (Konklave) nicht dabei sein dürfen. Allerdings durfte Becciu, der einst selbst als «papàbile», also als möglicher Anwärter auf das Papstamt, galt, sich weiter Kardinal nennen. Papst Franziskus zog ihn damals zudem von der Position des Leiters der Behörde für Heilig- und Seligsprechungsprozesse ab.

Papst Franziskus und die Verwaltung des Vatikans haben als Konsequenz aus dem Immobilienskandal Veränderungen vorgenommen. Der Pontifex hat daraufhin die Zuständigkeiten in der Kurie neu geordnet. Er hat dem mächtigen Staatssekretariat und anderen Behörden des Heiligen Stuhls die Verfügungsgewalt über Vermögenswerte entzogen. Diese liegt nun bei der vatikanischen Güterverwaltung (Apsa) sowie der Vatikanbank IOR.

dpa