Venezuela wird zum wichtigsten Geschäftspartner der USA erklärt, Einnahmen sollen amerikanische Produkte kaufen, Regierung schweigt bisher.
Trump interessiert sich für venezolanisches Öl, USA gewinnen Kontrolle über Verkauf

Den Angriff in Venezuela haben die USA mit dem Kampf gegen Drogen und der Festnahme von Staatschef Nicolás Maduro begründet, inzwischen scheint sich Präsident Donald Trump aber deutlich mehr für Öl zu interessieren. Den zweiten Tag in Folge äußerte sich Trump zu den künftigen Einnahmen aus dem Verkauf von Rohöl des südamerikanischen Landes. «Ich wurde soeben informiert, dass Venezuela mit dem Geld, das sie durch unseren neuen Öl-Deal bekommen, NUR amerikanische Produkte kaufen wird», schrieb er auf Truth Social.
Venezuela verpflichte sich, die USA zu seinem wichtigsten Geschäftspartner zu machen, behauptete Trump. Dies sei eine «sehr gute Sache» für die Menschen in Venezuela und in den Vereinigten Staaten. Mit den Öl-Einnahmen sollen Trump zufolge unter anderem US-Agrarprodukte, Medikamente, medizinische Geräte und Ausrüstung zur Verbesserung des venezolanischen Stromnetzes und der Energieanlagen gekauft werden. Die Regierung in Caracas reagierte zunächst nicht auf Trumps Äußerung.
Venezuela spricht von rund 100 Toten bei US-Angriff
Bei dem US-Angriff am Wochenende wurden nach venezolanischen Angaben rund 100 Menschen getötet. Etwa genau so viele seien bei dem «schrecklichen Angriff» verletzt worden, sagte Innenminister Diosdado Cabello. Die Opferzahl könne noch weiter ansteigen. Unter den Getöteten seien auch Zivilisten.
Die venezolanischen Behörden hatten zuvor von 24 getöteten Soldaten bei dem Einsatz gesprochen. Kuba bestätigte auch den Tod von 32 seiner Sicherheitskräfte, die in Venezuela stationiert waren. Sie waren unter anderem als Leibwächter für die Sicherheit von Maduro verantwortlich. Die US-Regierung hat keine offizielle Opferzahl genannt. US-Medien berichteten unter Berufung auf informierte Beamte von insgesamt geschätzten 75 Toten.
Einige der venezolanischen Soldaten, die getötet wurden, wurden am Mittwoch in Caracas mit militärischen Ehren beerdigt. Bilder zeigten Särge, die mit der venezolanischen Flagge bedeckt waren.
Trump will Einnahmen aus Ölverkäufen persönlich kontrollieren
Die USA hatten zuvor angekündigt, den venezolanischen Öl-Verkauf «auf unbestimmte Zeit» in ihre Hand zu nehmen. Am Dienstag sagte Trump, Venezuela werde zwischen 30 und 50 Millionen Barrel (je 159 Liter) an sanktioniertem Öl an die USA liefern. Er selbst werde die Einnahmen aus dem Verkauf des Öls kontrollieren – «zum Wohl des venezolanischen Volkes und der Vereinigten Staaten».
Am Mittwoch wurde von der US-Regierung angekündigt, dass Sanktionen gegen Venezuela gelockert werden. Das Ziel ist es, den Transport und Verkauf von venezolanischem Öl auf dem Weltmarkt zu ermöglichen. Es wurde jedoch nicht spezifiziert, welche Sanktionen genau gelockert werden sollen und wann dies geschehen wird. Der staatliche Ölkonzern Venezuelas, PDVSA, bestätigte Gespräche mit den USA über den Verkauf von Erdöl.
Das Ölgeschäft ist die wichtigste Einnahme- und Devisenquelle für die Regierung Venezuelas. Die von Trump genannte Menge von 30 bis 50 Millionen Barrel entspräche in etwa der venezolanischen Produktion von ein bis zwei Monaten.
Trump kündigt Treffen mit Kolumbiens Staatschef Petro an
Nach dem Angriff auf Venezuela hatte Trump auch seine Drohungen gegenüber dem Nachbarland Kolumbien und dessen Staatschef Gustavo Petro verschärft – mit dem Vorwurf, die Kokain-Produktion nicht ausreichend zu bekämpfen. Nun sprach Trump direkt mit Petro und kündigte ein Treffen im Weißen Haus an.
Petro habe angerufen, um «die Drogen-Situation und andere Meinungsverschiedenheiten» zu erläutern, schrieb Trump. Es sei ihm eine große Ehre gewesen, mit Petro zu sprechen und er freue sich, ihn in «naher Zukunft» zu treffen. Einen genauen Zeitpunkt dafür nannte er nicht.
Petro erklärte wenig später, er habe rund eine Stunde mit Trump gesprochen. «Ohne Dialog gibt es Krieg», sagte er vor Demonstranten bei einer Kundgebung für die Souveränität seines Landes. Kolumbien könne nun ruhig schlafen. Bei seinem ersten Gespräch mit dem US-Präsidenten seit dessen Amtsantritt sei es um die Themen Venezuela und den Drogenhandel gegangen. Er habe über die Fortschritte seines Landes im Kampf gegen Drogen gesprochen und sich für die eine direkte Kommunikation zwischen Washington und Bogotá eingesetzt.
Trump auf Frage zu Militäreinsatz gegen Kolumbien: «klingt gut»
Trump hatte am Sonntag vor Journalisten gesagt, Kolumbien sei «sehr krank» und werde von einem «kranken Mann» regiert, der es liebe, «Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen». Das werde er «nicht mehr lange machen», sagte Trump – ohne ins Detail zu gehen, was er konkret damit meinte. Auf die Nachfrage einer Journalistin, ob es einen Militäreinsatz gegen Kolumbien geben werde, antwortete Trump so: «Das klingt für mich gut.» Kolumbien ist ein Nachbarstaat von Venezuela in Südamerika und gilt als wichtiger Produktionsstandort für Kokain.
Maduro und seine Frau Cilia Flores wurden nach ihrer Festnahme durch US-Kräfte in Caracas in die USA gebracht, wo ihnen in New York wegen mutmaßlicher Drogendelikte der Prozess gemacht werden soll.








