Aus dem Grenzstreit zwischen Venezuela und Guyana ist erst einmal etwas Hitze gewichen. Beide Seiten einigen sich, im Disput über die ölreiche Region Essequibo friedlich bleiben zu wollen.
Venezuela und Guyana vereinbaren Gewaltverzicht im Grenzstreit

Im Konflikt um die ölreiche Region Essequibo sind sich Venezuela und Guyana einig, dass sie unter keinen Umständen Gewalt anwenden wollen. Dies wurde bei einem Krisentreffen der Präsidenten beider Länder in Kingstown auf der Karibikinsel St. Vincent vereinbart.
Gemäß der gemeinsamen Erklärung solle jegliche Kontroverse bezüglich des von Venezuela beanspruchten Gebiets in Guyana im Einklang mit dem internationalen Recht geklärt werden. Dies beinhaltet auch das Abkommen mit dem Vereinigten Königreich von 1966 über die damalige Kolonie Britisch-Guayana. Die Verpflichtung zu einer guten Nachbarschaft in friedlichem Zusammenleben und zur Einheit von Lateinamerika und der Karibik bleibt bestehen.
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sprach von einem «Treffen mit offenem Gespräch, mit Wahrheiten und Respekt» mit seinem Amtskollegen Irfaan Ali. «Wir haben einen großen historischen Schritt getan, um auf den Weg der Legalität, des Dialogs und des Friedens zurückzukehren. Das ist unser Weg», schrieb er zu dem Gespräch in Kingstown, der Hauptstadt von St. Vincent und den Grenadinen, auf der Plattform X (vormals Twitter).
Andere karibische Länder und Brasilien sowie UN-Beobachter begleiteten das Gespräch. St. Vincent und die Grenadinen ist derzeit der Vorsitzende der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (Celac).
Venezuela hätte die Region gern als eigenen Bundesstaat
Der Konfliktpunkt zwischen den Nachbarn im Norden Südamerikas ist die Region Essequibo, die etwa zwei Drittel von Guyana ausmacht und an den Osten Venezuelas angrenzt. Für eine lange Zeit war es eines der ärmsten Länder des Kontinents.
Die Entdeckung gewaltiger Ölvorkommen 2015 vor der Küste bescherte Guyana Wirtschaftswachstum – mittlerweile ist es weltweit das größte. Anfang Dezember ließ Maduro in Venezuela ein umstrittenes Referendum abhalten, bei dem sich nach offiziellen Angaben 96 Prozent der Teilnehmer für den Anschluss von «Guayana Esequiba» als venezolanischem Bundesstaat aussprachen.
Venezuela, das trotz seines reichen Ölvorkommens wirtschaftlich schwer angeschlagen ist, erhebt seit langem Anspruch auf Essequibo, wie im Abkommen von Genf 1966 festgelegt. In dem Abkommen wurde eine Verhandlungslösung angestrebt. Allerdings wurde Guyana wenige Monate später unabhängig. Die aktuellen Grenzen wurden in einem Schiedsspruch eines Tribunals von 1899 festgelegt, das von den USA und Großbritannien veranlasst wurde.
Der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen befasst sich auf Antrag Guyanas mit dem Grenzstreit. Präsident Ali betonte am Donnerstag erneut, dass der Disput vor den IGH gehöre. «Wir haben sehr deutlich gemacht, dass Guyana nicht der Aggressor ist», sagte er. «Guyana strebt keinen Krieg an.» Venezuela ließ am Donnerstag erneut in der Erklärung festhalten, dass es eine IGH-Zuständigkeit weiter ablehnt.
Die beiden Länder haben beschlossen, eine gemeinsame Kommission ihrer Außenministerien und technischen Berater einzurichten, um die Angelegenheit weiter zu diskutieren. Außerdem wurde vereinbart, dass ein erneutes Treffen innerhalb von drei Monaten in Brasilien stattfinden wird.








