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Verletzte bei neuen Angriffen im russischen Kursk

Der ukrainische Staatschef äußert sich erstmals direkt zur Offensive auf russischem Gebiet bei Kursk. In der Nacht kommt es dort zu neuen Angriffen.

Der ukrainische Präsident ist zufrieden mit der Kursk-Offensive. (Archivbild)
Foto: Susan Walsh/AP/dpa

Bei einem erneuten Angriff auf russischem Staatsgebiet wurde in Kursk ein Wohnhaus beschädigt. Laut offiziellen Angaben wurden mindestens 13 Menschen verletzt, wobei zwei von ihnen in ernstem Zustand sind. Trümmerteile einer abgeschossenen ukrainischen Rakete fielen auf das Gebäude und lösten einen Brand aus, wie die russische Staatsagentur Tass unter Berufung auf den geschäftsführenden Gouverneur der Region, Alexej Smirnow, berichtete. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Die Ukraine verteidigt sich seit rund zweieinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.

Wenige Tage nach Beginn des ukrainischen Vorstoßes auf russisches Territorium bei Kursk bezog Präsident Wolodymyr Selenskyj unterdessen erstmals direkt Stellung darauf. Armeechef Olexander Syrskyj habe ihm über «die Vorverlagerung des Krieges in das Gebiet des Aggressors» berichtet, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. «Ich danke allen Einheiten unserer Streitkräfte, die uns das ermöglicht haben», so der Präsident.

Die Ukraine beweise damit, «dass sie wirklich in der Lage ist, für Gerechtigkeit zu sorgen, und garantiert genau den Druck aufzubauen, der nötig ist – Druck auf den Aggressor». Über den aktuellen Stand des Vorstoßes der ukrainischen Truppen auf russisches Gebiet machten weder Selenskyj noch die Militärs in Kiew genauere Angaben. 

Selenskyj hatte in den letzten Tagen nur indirekt Andeutungen zum Angriff in Richtung Kursk gemacht.

Russland evakuiert Zehntausende Zivilisten bei Kursk

Der regionale Zivilschutz hat laut Tass bereits Zehntausende Menschen evakuiert, angesichts der schweren Kämpfe in der Umgebung von Kursk im Westen Russlands. Rund 76.000 Zivilisten wurden bereits aus dem Grenzgebiet evakuiert und in anderen Regionen Russlands untergebracht.

Zum eigentlichen Kampfgeschehen schrieben russische Militärblogger, dass die ukrainischen Kräfte bereits mehrere Kilometer tief auf russisches Gebiet eingedrungen seien. Die russischen Militärs sprechen bei ihren Gegenmaßnahmen von einer «Antiterror-Operation».

Die ukrainische Aufklärung hat mitgeteilt, dass Russland damit begonnen hat, eine Brigade Marineinfanterie von der besetzten Halbinsel Krim in die Region Kursk zu verlegen. Ein Teil der Fahrzeugkolonne wurde bereits während der Anfahrt zerstört. Außerdem wurde ein weiterer russischer Kampfhubschrauber abgeschossen.

In Kiew berichteten Parlamentsabgeordnete der Agentur Unian, dass die ukrainischen Streitkräfte mindestens drei größere Siedlungen in der Region Kursk erobert hätten. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Am Nachmittag wurde in der gesamten Region Kursk Raketenalarm ausgelöst. Der geschäftsführende Gouverneur Alexej Smirnow warnte auf der Plattform Telegram vor den möglichen Gefahren und forderte die Bevölkerung auf, möglichst Schutzräume aufzusuchen.

Neues Militärpaket aus den USA

Die Ukraine hat nach den Worten von Präsident Selenskyj ein weiteres großes Paket militärischer Hilfe aus den USA erhalten. Unter anderem seien seine Streitkräfte mit neuen Flugabwehrraketen, Artillerieraketen und Artilleriegranaten versorgt worden. «Wir bemühen uns um eine rechtzeitige Logistik, damit die Hilfe so schnell wie möglich an der Front ankommt», sagte Selenskyj. 

Selenskyj fordert erneut Freigabe von Raketen für Angriffe 

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat erneut die Erlaubnis von seinen westlichen Partnern für den Einsatz der schweren Waffen – Raketen und Marschflugkörper – gefordert, um Angriffe tief auf russischem Staatsgebiet durchzuführen. «Wir erwarten von den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich und Frankreich Entscheidungen über die Langstreckenfähigkeit, die einen gerechten Frieden näher bringen werden», sagte Selenskyj.

Die ukrainischen Streitkräfte dürfen ohne diese Erlaubnis nur Kampfdrohnen aus eigener Produktion gegen logistische und militärische Ziele auf russischem Gebiet einsetzen. Aufgrund der geringen Sprengkraft der unbemannten Flugkörper erzielen die Ukrainer nur selten größere Erfolge.

dpa