Die Inflation vergangener Jahre brachte viele Menschen in Bedrängnis, die Ampel-Koalition steuerte mit Entlastungsmaßnahmen gegen. Dennoch verloren viele Familien an Kaufkraft, wie eine Studie zeigt.
Viele Familien kamen bei Ampel-Entlastungen schlecht weg

Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat die Entlastungspolitik der Ampel-Koalition den meisten Familien in Deutschland weniger gebracht als Singles und kinderlosen Paaren. Seit 2021 ist die Kaufkraft von Familien mit einem mittleren Einkommen gesunken, während Menschen mit einem niedrigen oder hohen Einkommen an Kaufkraft gewonnen haben.
In der Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Böckler-Stiftung wird die Auswirkung der kalten Progression im Zeitraum 2021 bis 2024 untersucht. Bei diesem Phänomen wird eine Lohnerhöhung durch die Inflation aufgezehrt, was zu höheren Steuerzahlungen und einem Rückgang der Kaufkraft führt.
Die Ampel hat versucht, die kalte Progression auszugleichen, indem sie steuerliche Entlastungen durchgesetzt und das Kindergeld erhöht hat – letzteres der Studie zufolge jedoch zu schwach. Gemäß der Böckler-Stiftung hat der Staat die kalte Progression im Zeitraum 2021 bis 2024 zwar größtenteils für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ausgeglichen, Familien aus dem Mittelstand wurden jedoch in den Unterstützungsmaßnahmen relativ benachteiligt.
Singles stehen gut da
Für die Analyse wurden Berechnungen durchgeführt, die zeigten, dass kinderlose Singles und kinderlose Paare besser abschnitten als zuvor. Die kalte Progression wurde bei ihnen überkompensiert und die Kaufkraft dieser Gruppen war 2024 höher als 2021. Auch Geringverdiener hatten mehr als zuvor, da sie deutlich entlastet wurden.
Familien mit einem mittleren Einkommen hatten es hingegen schwer: Eine Familie mit zwei Kindern, in der beide Eltern arbeiten und zusammen ein Jahresbruttoeinkommen von 58.990 Euro haben, verlor 492 Euro an Kaufkraft – die Auswirkungen der hohen Inflation wurden nicht ausgeglichen. Auch eine Alleinerziehende mit einem Kind, die 43.693 Euro brutto verdient, musste Einbußen hinnehmen: Im Jahr 2024 hat sie nach Abzug der Inflation 316 Euro weniger zur Verfügung als 2021.
Familien, die ein hohes Einkommen haben, können sich dagegen über die positiven Auswirkungen der Ampel-Maßnahmen freuen: Ein Paar mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von brutto 154.912 Euro hat seit 2021 einen Kaufkraftgewinn von 992 Euro verzeichnet.
Auch Menschen mit niedrigerem Einkommen profitierten laut Studie: Ein Single, der im Jahr 16.095 Euro brutto verdient, verzeichnet ein Plus von 457 Euro. Im Allgemeinen sieht es für Alleinstehende ohne Kinder positiv aus: Ein Single mit einem Bruttoeinkommen von 45.725 Euro pro Jahr hat nach Berücksichtigung der Inflation laut Angaben 100 Euro mehr in der Brieftasche als vor drei Jahren.
Kritik an der Politik
Sebastian Dullien, Autor der Studie, äußerte Kritik. «Ich halte es für eine soziale Schieflage, dass die Familien mit mittlerem Einkommen nicht ausreichend entlastet worden sind.» Dies könne die Ampel-Koalition schnell beheben, indem sie das Kindergeld mehr als bisher geplant erhöhe. Zum Jahreswechsel soll es um fünf Euro auf 255 Euro monatlich steigen. «Fünf Euro sind zu wenig», sagt Dullien. Das Kindergeld sei seit 2021 nicht stark genug erhöht worden, um die Inflation auszugleichen.








