Eisiges Winterwetter ist in Iowa um diese Jahreszeit nichts Ungewöhnliches. Doch die Wetteraussichten für die Vorwahl der US-Republikaner sind selbst für den Bundesstaat im Mittleren Westen extrem.
Vorwahl der US-Republikaner – Rennen um Platz zwei

Im Bundesstaat Iowa hat der Endspurt im US-Wahlkampf für die erste Abstimmung der Republikaner über ihren Präsidentschaftskandidaten begonnen, trotz arktischer Temperaturen und Eiswind. Umfragen zeigen, dass der ehemalige US-Präsident Donald Trump weit vorne liegt. Die Frage, wie gut Trump bei den Wahlen am Abend (Ortszeit) tatsächlich abschneidet und wer den zweiten Platz erreicht, ist besonders spannend. Die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, hat eine Aufholjagd gestartet und könnte Floridas Gouverneur Ron DeSantis überholen.
Ein Wintersturm hatte den Wahlkampf am Wochenende beeinträchtigt. Der Wetterdienst warnte vor «lebensbedrohlicher» Kälte von bis zu minus 28 Grad. Das könnte sich auf die Wahlbeteiligung auswirken.
Iowa läutet Wahljahr in den USA ein
In den Vereinigten Staaten wählt nicht die Führung der Partei, sondern die Basis ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl aus. Das Verfahren der Vorwahlen ist komplex und variiert von Staat zu Staat. Die Republikaner in Iowa eröffnen nun den Wahlprozess. Obwohl der kleine Bundesstaat im Mittleren Westen quantitativ geringe Bedeutung für die Kandidatenauswahl hat, kann man bei einem guten Abschneiden hier mit Rückenwind für zukünftige Abstimmungen rechnen. Die Entscheidung wird nicht in Wahllokalen, sondern bei kleinen Parteiversammlungen, sogenannten Caucuses, getroffen. Diese finden abends an verschiedenen Orten wie Kirchen oder Gemeindesälen statt.
Haley und DeSantis kämpfen um zweiten Platz
Einer Umfrage der Regionalzeitung «Des Moines Register» und anderer Medien zufolge liegt Trump bei 48 Prozent – und damit weit vor seinen Konkurrenten, eine andere Umfrage sah Trump bei 55 Prozent. Auf dem zweiten Platz landet die als etwas moderater geltende Haley mit 20 Prozent. Das sind vier Prozentpunkte mehr als noch im Dezember. Auf den dritten Platz ist DeSantis mit 16 Prozent abgerutscht. Er galt einst als größter Konkurrent Trumps im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Doch in den vergangenen Monaten verlor er an Unterstützung und blieb bei TV-Duellen auffällig blass. Er hatte sich im Wahlkampf besonders auf Iowa konzentriert – sollte er dort nur auf dem dritten Platz landen, wäre das ein desaströser Start ins Wahljahr für ihn.
Am Wochenende gab er sich kämpferisch und versuchte, die schlechten Umfragewerte herunterzuspielen. «Ich habe gelernt, dass es gut ist, ein Außenseiter zu sein. (…) Ich habe es lieber, wenn die Leute die Erwartungen an uns herunterschrauben. Auf diese Weise kann ich besser arbeiten», sagte er im US-Fernsehen. Angesprochen auf seinen Konkurrenten Trump entgegnete der 45-Jährige: «Beim ersten Mal hat er die wichtigsten Versprechen nicht gehalten.»
Es kommt nicht nur auf Sieg an
Für Trump ist es in Iowa jedoch wichtig, die hohen Erwartungen, die an ihn gestellt werden, zu erfüllen. Es ist unwahrscheinlich, dass ihm bei der Abstimmung dort der Sieg streitig gemacht wird. Trotz der vier strafrechtlichen Anklagen, denen sich der ehemalige Präsident gegenübersieht – insbesondere wegen seiner Bemühungen, das Ergebnis der Präsidentenwahl 2020 zu beeinflussen – hat dies bisher keinen Einfluss auf die Beliebtheit des Republikaners in seiner Partei. Trump hatte damals gegen den Demokraten Joe Biden verloren. Bis heute gibt er seine Niederlage nicht zu und verbreitet weiterhin die Lüge vom Wahlbetrug.
Jedoch in den Vereinigten Staaten wird man genau darauf achten, wie gut er am Ende tatsächlich in Iowa abschneiden wird. Das extreme Winterwetter könnte allerdings einen Einfluss darauf haben. Es ist möglich, dass seine Anhänger davon ausgehen, dass ihr Favorit ohnehin bequem gewinnen wird und deshalb einfach zu Hause bleiben. Das würde Haley und DeSantis zugutekommen. Andererseits sind Trump-Anhänger als besonders loyal bekannt.
Extreme Kälte hat Iowa fest im Griff
Trump sagte wegen des Wintersturms vorübergehend seine Wahlkampftermine ab, trat jedoch später wieder auf. Auch Haley und DeSantis passten ihre Terminpläne an, waren aber trotz der Kälte und der glatten Straßen weiterhin in Iowa unterwegs. Das Wetter hatte am Freitag für ein komplettes Chaos gesorgt. Fast alle Flüge in die Hauptstadt Des Moines wurden gestrichen. Auch viele Journalisten, die für die Vorwahlen in den Bundesstaat reisen wollten, strandeten am Flughafen. Heute könnte die kälteste Vorwahl in der Geschichte Iowas stattfinden.
Haley forderte ihre Anhänger auf, dem Wetter zu trotzen und abzustimmen: «Iowa, du hast morgen einen Job zu erledigen. Bringt euren Ausweis mit, zieht euch im Lagenlook an, und los geht’s!» Die 51-jährige ehemalige Gouverneurin des US-Bundesstaats South Carolina begann ihren Wahlkampf vergangenen Februar – und lag damals in Umfragen im niedrigen einstelligen Bereich. Sie kämpfte sich in den vergangenen Monaten nach vorn und punktete vor allem bei den TV-Duellen der Republikaner, denen Trump allerdings fernblieb. Haley scheut sich jedoch davor, sich öffentlich klar von Trump loszusagen. Beobachter gehen daher davon aus, dass sie schließlich Trumps Kandidatin für das Vizepräsidentenamt werde könnte.
Bei den Demokraten verläuft das Verfahren der Vorwahlen in diesem Jahr etwas abweichend. Das Rennen gilt auch als entschieden. Amtsinhaber Biden beabsichtigt, nach der Präsidentenwahl am 5. November erneut ins Weiße Haus einzuziehen. Der 81-Jährige hat keine ernstzunehmende Konkurrenz in seiner Partei.








