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Wachsende Sorgen vor neuem Krieg im Libanon

Israel warnt vor einer Eskalation des Konflikts mit der Hisbollah-Miliz. Derweil sorgt Regierungschef Netanjahu beim wichtigen US-Verbündeten für Verärgerung. Die News im Überblick.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs kommt es täglich zu Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Hisbollah-Miliz.
Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Israels Militär hat Pläne für eine Offensive im Libanon abgesegnet und damit Sorgen vor einer Eskalation des Konflikts mit der proiranischen Hisbollah-Miliz geschürt. Ranghohe Kommandeure hätten bei einer Lagebeurteilung «operative Pläne für eine Offensive im Libanon» genehmigt, teilte das Militär mit. Die Bereitschaft der Truppen werde weiter erhöht.

Darauf angesprochen sagte der Sprecher des Pentagons in Washington, Pat Ryder: «Ich werde mich nicht in Hypothesen ergehen oder darüber spekulieren, was passieren könnte, sondern nur sagen, dass niemand einen größeren regionalen Krieg will». Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, sagte vor dem Hintergrund des Kriegs im Gazastreifen zwischen Israel und der mit der Hisbollah-Miliz verbündeten islamistischen Hamas: «Wir wollen keine Eskalation. Wir wollen keine zweite Front sehen».

Israels Außenminister droht mit Eskalation

Israels Außenminister Israel Katz drohte auf der Plattform X: «In einem umfassenden Krieg wird die Hisbollah zerstört und der Libanon schwer getroffen». Weiter schrieb Katz: «Wir stehen kurz vor dem Moment der Entscheidung, die Regeln gegen die Hisbollah und den Libanon zu ändern». Zuvor hatte die Hisbollah Luftaufnahmen nach eigener Darstellung aus Nordisrael veröffentlicht.

Die Aufnahmen sollen angeblich den Hafen von Haifa und andere bedeutende strategische Orte in der Region zeigen und sollen von einer Drohne stammen. Der Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah soll damit geprahlt haben, die Häfen von Haifa gefilmt zu haben und gedroht haben, sie anzugreifen, schrieb der israelische Außenminister weiter.

Seit dem Beginn des Gaza-Kriegs vor mehr als acht Monaten kommt es täglich zu militärischen Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Hisbollah-Miliz im Grenzgebiet zwischen den beiden Ländern. Es gab Tote auf beiden Seiten. Israel versucht durch militärischen und diplomatischen Druck zu erreichen, dass sich die Hisbollah wieder hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurückzieht – wie es eine UN-Resolution von 2006 vorsieht.

Die Schiitenmiliz wird als weitaus schlagkräftiger angesehen als die Hamas im Gaza-Streifen. Der US-Gesandte Amos Hochstein führte Gespräche im Libanon, um eine Waffenruhe zu erreichen. Nach Informationen aus dem Libanon plante Hochstein, der libanesischen Regierung eine klare Warnung von der israelischen Seite zu übermitteln.

Netanjahu geht US-Regierung wegen Waffenlieferung an

In der Zwischenzeit kritisierte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu die US-Regierung in einem Video scharf für die zurückgehaltene Waffenlieferung und verursachte dadurch Verwirrung beim wichtigsten Verbündeten.

Er habe US-Außenminister Antony Blinken kürzlich in Israel gesagt, es sei «unbegreiflich, dass die Regierung Israel in den vergangenen Monaten Waffen und Munition vorenthalten hat», sagte Netanjahu in einer Videoansprache. «Außenminister Blinken hat mir versichert, dass die Regierung Tag und Nacht daran arbeite, diese Engpässe zu beseitigen. Ich hoffe wirklich, dass dies der Fall ist.»

Blinken wies die Kritik entschieden zurück. Die USA hätten sich verpflichtet, sicherzustellen, dass Israel über die notwendigen Mittel verfüge, um sich gegen verschiedene Bedrohungen zu verteidigen, sagte er auf Nachfrage in Washington. Daran halte man fest.

Es gebe einen Fall, den US-Präsident Joe Biden öffentlich gemacht habe, nämlich die Lieferung von 2000-Pfund-Bomben, die weiterhin überprüft werde, weil die US-Regierung Bedenken habe, dass die Bomben in einem dicht besiedelten Gebiet wie Rafah im Süden Gazas eingesetzt werden könnten. «Aber alles andere geht seinen gewohnten Gang», sagte Blinken. Eine Sprecherin des Weißen Hauses sagte auf Nachfrage, es gebe nur diese eine zurückgehaltene Lieferung. 

Bericht: Washington sagt Treffen mit Israelis ab

Nachdem Netanjahu in dem Video harsch kritisiert hatte, hat das Weiße Haus ein Treffen mit hochrangigen Vertretern Israels, das eigentlich für Donnerstag in Washington geplant war, wieder abgesagt, berichtete der gut vernetzte israelische Journalist Barak Ravid in der Nacht auf X.

Zuvor hatten die «Bild»-Zeitung und andere Medien berichtet, Blinken habe Netanjahu signalisiert, in den kommenden Tagen die Beschränkung der Waffenlieferung aufzuheben. Es werde einfacher sein, die zurückgehaltene Lieferung freizugeben, sobald Israels Militär den Einsatz in Rafah beende, zitierte das US-Nachrichtenportal «Axios» US-Beamte. Israels Armee hat ihre Kriegsziele in Rafah nach eigenen Angaben bald erreicht.

Die Hälfte der Kampfverbände der Hamas in Rafah sei zerschlagen, hieß es. 60 bis 70 Prozent des Territoriums der Stadt befänden sich unter «operativer Kontrolle» der israelischen Truppen. Die Anfang Mai begonnene Offensive war stark umstritten, weil sich damals mehr als eine Million Palästinenser in Rafah aufhielten. Inzwischen sind fast alle in ein westlich gelegenes Gebiet geflüchtet, wo sie aber nur schwierig versorgt werden können. 

Erneut Massenproteste in Israel gegen Netanjahu-Regierung

In Israel gab es erneut Massenproteste gegen die Regierung Netanjahu. Die Demonstranten in Jerusalem forderten in der Nähe des Parlamentsgebäudes Neuwahlen, wie mehrere israelische Medien berichteten. Viele Israelis werfen Netanjahu vor, den Forderungen seiner extremistischen Koalitionspartner nachzugeben und dadurch einen Deal zur Freilassung der von der Hamas im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln zu vereiteln.

Einige der Minister von Netanjahu sind gegen ein Abkommen mit der Islamistenorganisation, weil es auch eine Waffenruhe sowie die Freilassung palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen vorsieht.

Der Gaza-Krieg begann mit dem beispiellosen Massaker am 7. Oktober in Israel, bei dem mehr als 1200 Menschen getötet wurden. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde sind seit Kriegsbeginn über 37.300 Menschen in Gaza ums Leben gekommen. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kombattanten, und die Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar.

dpa