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Wahlkampf-Spektakel: TV-Duell zwischen Harris und Trump

Das erste TV-Duell Ende Juni wurde für die Demokraten mit Joe Biden zum Desaster. Nun trifft Kamala Harris erstmals direkt auf ihren Kontrahenten Donald Trump. Das Wichtigste zur Debatte im Überblick.

Das TV-Duell leitet den Endspurt im Wahlkampf ein. (Archivbild)
Foto: Scarbrough/Weiss/APF Pool/AP/dpa

Showdown in Philadelphia: In der Nacht zum Mittwoch (03.00 Uhr MESZ) treten die US-Präsidentschaftskandidaten Kamala Harris (Demokraten) und Donald Trump (Republikaner) erstmals direkt in einem TV-Duell gegeneinander an. Der Schlagabtausch zwischen der derzeitigen Vizepräsidentin und dem ehemaligen Präsidenten wird mit großer Spannung erwartet und gilt als Höhepunkt in den verbleibenden knapp zwei Monaten bis zur US-Präsidentenwahl am 5. November. Die Debatte wird vom Fernsehsender ABC News ausgerichtet.

Insbesondere für Harris wird das Duell eine Bewährungsprobe sein. Die 59-Jährige hat erst vor einigen Wochen US-Präsident Joe Biden als Kandidatin der Demokraten abgelöst und hat Schwierigkeiten bei Auftritten ohne Drehbuch. Trump hingegen ist seit Anfang an für seine Partei dabei – es ist sein dritter Wahlkampf um das Weiße Haus für die Republikaner. Im letzten TV-Duell Ende Juni ging der 78-Jährige als eindeutiger Sieger hervor. Damals trat er noch gegen Biden an, der nach seiner katastrophalen Leistung aus dem Rennen um die Präsidentschaft ausschied und Harris das Feld überließ.

Harris und Trump sind in Umfragen etwa gleichauf. Beide versuchen jetzt hauptsächlich, die unentschlossenen Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen. Das Treffen von Trump und Biden im Juni verfolgten etwa 51 Millionen der 330 Millionen Einwohner der USA.

Was sind die Regeln?

Das Duell wird von den ABC-News-Journalisten David Muir und Linsey Davis moderiert. Die Übertragung erfolgt aus einem Studio ohne Publikum in Philadelphia, der größten Stadt im politisch besonders umkämpften Bundesstaat Pennsylvania. Die Debatte dauert 90 Minuten, es sind zwei Werbepausen geplant. Während der Debatte wird jeweils das Mikrofon des Präsidentschaftskandidaten stumm geschaltet bleiben, der gerade nicht spricht.

Harris und Trump müssen frei sprechen: «Requisiten oder vorformulierte Notizen sind auf der Bühne nicht erlaubt», ließ ABC News wissen. Harris und Trump erhalten einen Stift, einen Block Papier und eine Flasche Wasser. Es soll keine Eröffnungsstatements geben, die Schlusserklärungen der Kandidaten sollen zwei Minuten dauern. Über einzelne Regeln und den Zeitpunkt der Debatte lieferten sich die Kandidaten vorab ein erbittertes Ringen. 

https://x.com/ABC/status/1831465796196827432

Wie kann man aus Deutschland zuschauen?

Das Erste und Phoenix sowie die Fernsehsender Welt TV, RTL und ntv übertragen die Debatte live in der deutschen Nacht zu Mittwoch ab circa 02.45 Uhr MESZ. Außerdem werden Livestreams im Internet angeboten, etwa bei ZDFheute.de. Auch der Sender ABC News selbst streamt das Duell live auf seiner Webseite. Diese ist aus Deutschland allerdings nur mit einer VPN-Verbindung abrufbar.

Wie haben sich Harris und Trump vorbereitet?

Harris reiste bereits am Donnerstag nach Pennsylvania, um sich auf das Duell vorzubereiten. US-Medien berichteten unter Berufung auf ihr Umfeld, dass die Demokratin sich mit Simulationen auf den Kampf vorbereitete, wobei eine Person die Rolle von Trump spielte.

Trump hatte bereits vor der ersten TV-Debatte getönt, er brauche nicht viel Training – er habe sich im Grunde sein «ganzes Leben» auf das Duell vorbereitet, und zu debattieren sei ohnehin «vor allem eine Frage der Einstellung». In der vergangenen Woche äußerte er sich ähnlich. US-Medien berichteten unter Berufung auf sein Umfeld, Trump spreche zur Vorbereitung mit seinen Beratern, Wählern und Journalisten. 

Was sind die Themen?

Laut Umfragen ist die Wirtschaft das wichtigste Thema für die Wählerinnen und Wähler und wird in der Debatte eine bedeutende Rolle spielen. Migration, Gesundheitsvorsorge und Frauenrechte sind ebenfalls wichtige Themen im Wahlkampf. Auch die Außenpolitik wird in der Debatte voraussichtlich nicht zu kurz kommen.

Was sind die Stärken und Schwächen der Kandidaten?

In einer aktuellen Umfrage gaben 28 Prozent der Befragten an, dass sie nicht genug über Harris wüssten – bei Trump lag dieser Wert bei 9 Prozent. Während den meisten Menschen in den USA klar ist, was sie von dem Republikaner erwarten können, sind Harris und ihre Positionen weitgehend unbekannt. Das bedeutet, dass sie bei der Debatte Überzeugungsarbeit leisten und ihre politischen Ziele darlegen muss.

Trump hat in der Vergangenheit einige Wählerinnen und Wähler verärgert, weil er bei solchen Debatten aggressiv war und ständig dazwischenredete. Diesmal ist zumindest letzteres aufgrund der stummgeschalteten Mikrofone nicht möglich. Harris betrachtet dies als Nachteil – sie glaubt, dass Trump es nicht schaffen wird, sich 90 Minuten lang präsidial zu verhalten. Daher argumentiert ihr Wahlkampfteam, dass dauerhaft stummgeschaltete Mikrofone ihm schaden würden. Auch bei der Debatte gegen Biden im Juni waren die Mikrofone stummgeschaltet – tatsächlich wirkte der Republikaner dadurch weniger ungehalten.

Von wem werden Harris und Trump begleitet? 

Laut dem Weißen Haus wird Harris ihren Ehemann Doug Emhoff bei sich haben, der sie öffentlichkeitswirksam unterstützt.

Es ist unklar, ob Trump bei der Debatte von seiner Ehefrau Melania begleitet wird. Seit ihrem Abschied aus dem Weißen Haus zeigt sich die ehemalige First Lady kaum öffentlich und spielt bisher eine sehr zurückhaltende Rolle im Wahlkampf ihres Mannes. Einen seltenen Auftritt absolvierte sie Mitte Juli beim Parteitag der Republikaner in Milwaukee – sie hielt jedoch keine Rede und erschien erst am letzten Abend.

Wird es eine weitere Runde geben?

Eine weitere TV-Debatte ist für den 1. Oktober zwischen den Vizekandidaten Tim Walz (Demokraten) und J.D. Vance (Republikaner) geplant. Der Sender CBS News wird die Debatte ausrichten. Es ist noch unklar, ob und wann es eine zweite TV-Debatte zwischen Harris und Trump geben wird – oder ob sie in der Nacht zum Mittwoch die einzige Gelegenheit haben, sich auf der Bühne zu duellieren.

dpa