Politiker spielt Tennis während Stromausfall, löst heftige Kritik aus und wird zum Rücktritt aufgefordert.
Sturm der Entrüstung: Berlins Bürgermeister spielt Tennis während Stromausfall

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat eingeräumt, am ersten Tag des großflächigen Stromausfalls im Berliner Südwesten Tennis gespielt zu haben – nun bricht ein Sturm der Entrüstung los. «Ich habe von 13.00 bis 14.00 Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte», sagte der CDU-Politiker dem Sender Welt TV. «Ich war die ganze Zeit erreichbar, auch als ich Tennis gespielt habe. Das Handy war auf laut gestellt, bin danach sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet.» Zuvor hatte der RBB über das Thema berichtet.
Die Meldung führte zu starken Kritik. AfD und FDP forderten Wegners Rücktritt. Linke, Grüne und auch Steffen Krach von der Koalitionspartei SPD griffen Wegner scharf an, ohne explizit seinen Rücktritt zu fordern. Der Stromausfall, der durch einen Brandanschlag verursacht wurde und bis zu 100.000 Menschen betraf, wurde erst Stunden vor Bekanntwerden der Meldung behoben – nach fünf Tagen. Am Sonntag hatte Wegner mit Blick auf den betreffenden Samstag erklärt, dass er den ganzen Tag am Telefon war und versuchte zu koordinieren.
Kopfschütteln und Fassungslosigkeit
«Kai Wegner hat vermutlich nicht daheim im verschlossenen Arbeitszimmer Tennis gespielt», sagte Krach, der SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September ist. «Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Dass er die Berlinerinnen und Berliner belogen hat, oder dass ihm eine Tennis-Partie wichtiger war, als nach einem terroristischen Anschlag in der schlimmsten Stromkrise seit Jahrzehnten bei den betroffenen Menschen vor Ort zu sein. Beides ist inakzeptabel und eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig.»
Grünen-Fraktionschef Werner Graf zeigte sich «fassungslos». «Das heißt, er hat um 8.00 Uhr erfahren, dass 45.000 Haushalte keinen Strom haben, und gesagt, er habe sich dann im Büro eingeschlossen und gearbeitet, ist aber zwischendurch Tennis spielen gegangen.» Wegner habe der Bevölkerung «in einer dunklen Stunde dieser Stadt» nicht die Wahrheit gesagt. «Da muss man ganz klar sagen, dass die Berlinerinnen und Berliner zu Recht ganz andere Ansprüche an einen Regierenden Bürgermeister haben.»
Rücktrittsforderungen
Linken-Landeschef Maximilian Schirmer erklärte: «Diese Stadt verdient einen Bürgermeister oder eben eine Bürgermeisterin, die zuerst an die Menschen dieser Stadt denkt, zuhört, anpackt und Krisen löst. Wer lieber Tennis spielt, als in der größten Not bei den Menschen zu sein, sollte sich vielleicht überlegen, ob dieser Job noch der richtige für ihn ist.»
Die AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker meinte, Wegner müsse umgehend zurücktreten. «Es wäre schon schlimm genug, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin eine Notlage, die durch einen Terrorangriff auf die Infrastruktur der Stadt ausgelöst wurde, nicht ernst genug nimmt, um auf sein Tennismatch zu verzichten.» Aber er habe die Berliner auch noch belogen. FDP-Landeschef Christoph Meyer erklärte: «Wer in der Krise nicht führt und anschließend die Öffentlichkeit belügt, kann dieses Amt nicht weiter ausüben. Kai Wegner muss zurücktreten.»
100.000 Menschen von Stromausfall betroffen
Nach dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Insgesamt rund 100.000 Menschen waren von dem längsten Blackout der Nachkriegsgeschichte betroffen, standen mitten im Winter ohne Strom und Heizung da. In den vergangenen Tagen wurde schrittweise ein Teil der Kunden wieder angeschlossen. Am fünften Tag gelang es dem Netzbetreiber Stromnetz Berlin schließlich, alle Betroffenen wieder mit Strom zu versorgen.
Eine Sprecherin des Senats sagte, dass Wegner am vergangenen Samstag zunächst nach 8.00 Uhr, als er über den Stromausfall informiert wurde, Telefonate geführt hat, unter anderem mit dem Kanzleramt, dem Innenministerium und verschiedenen Senatsverwaltungen. Das Ziel war es, Hilfe zu organisieren – so hatte es auch Wegner selbst in den vergangenen Tagen erklärt.
Wegner am Sonntag: «War den ganzen Tag am Telefon»
Am Sonntag hatte Wegner nach einem Besuch in einer Notunterkunft auf eine Journalistenfrage geantwortet: «Ich habe mich gestern weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren, weil ich denke, das hilft den Menschen noch mehr.» Er sei am Samstag zu Hause gewesen und habe sich in sein Büro eingeschlossen, sagte der CDU-Politiker weiter.
Wegner hatte bereits Kritik anderer Parteien auf sich gezogen, weil er nicht schon am Samstag in den von Stromausfall betroffenen Stadtteilen präsent war. Er hatte dies damit gerechtfertigt, dass er vor Ort im Krisengebiet keine Möglichkeit hatte, Telefonate zur Organisation von Hilfe zu führen, da es dort keinen Internet- und Handyempfang gab.








