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Welche ungewollten Konsequenzen brachte Trumps Zollkrieg für die US-Wirtschaft mit sich?

Ein Jahr nach dem „Liberation Day“ zieht die US-Administration eine ernüchternde Bilanz: Trotz massiver Zölle bleibt das Handelsdefizit hoch, während Verbraucherpreise steigen. Der Handelskrieg hat nicht nur Jobs gekostet, sondern auch das Vertrauen in die Finanzmärkte erschüttert.

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Bilanz nach einem Jahr: Trumps Zollkrieg entlarvt sich als Eigentor
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Ein Jahr nach dem „Liberation Day“ zieht US-Präsident Trump eine ernüchternde Bilanz. In der Industrie sind zahlreiche Arbeitsplätze verloren gegangen, und Trump sieht sich der Herausforderung gegenüber, amerikanischen Familien zu erklären, warum die Lebenshaltungskosten steigen.

Vor einem Jahr inszenierte sich Donald Trump mit einer großen Tafel im Rosengarten des Weißen Hauses. Der Präsident fühlte sich von der internationalen Gemeinschaft benachteiligt und sprach von jahrzehntelangen „Plünderungen“. Sein Hauptaugenmerk lag auf der Handelsbilanz der USA, die seiner Meinung nach negativ sei, da die Vereinigten Staaten mehr importieren als exportieren.

Handelsbilanz bleibt negativ

Ein Blick auf die Handelsbilanz zeigt, dass Trumps Strategie bislang nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat. Laut dem Bureau of Economic Analysis (BEA) betrug das Handelsdefizit für Waren und Dienstleistungen im Jahr 2025 etwa 901 Milliarden Dollar, was lediglich zwei Milliarden weniger als im Vorjahr ausmachte. Im Bereich des Warenaustauschs hat sich das Defizit sogar weiter vergrößert.

Die USA kaufen weiterhin mehr Waren aus dem Ausland als sie exportieren. Samina Sultan, eine Ökonomin vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), erklärt: „Die ökonomischen Zusammenhänge scheinen der US-Administration nicht wirklich klar zu sein.“ Ein Handelsdefizit sei nicht unbedingt negativ, solange ein Land für Kapital attraktiv bleibe. Zudem profitieren Verbraucher von günstigen Importen, was die Wirtschaft ankurbeln kann.

Finanzmärkte reagieren empfindlich

Am „Liberation Day“ führte Trump pauschale Zölle auf alle Importe ein, wobei rund 60 Länder, darunter China und europäische Staaten, mit zusätzlichen Strafzöllen belegt wurden. Dies führte zu einem Schock an den Finanzmärkten, wo die Aktienkurse weltweit einbrachen. In Deutschland fiel der DAX in den ersten Tagen um mehr als zehn Prozent, während der Dollar an Wert verlor und die Kurse von Staatsanleihen sanken. Aufgrund der gestiegenen Kosten für Kredite sah sich Trump gezwungen, die Zölle auszusetzen.

Stephan Kemper, Chef-Investmentstratege von BNP Paribas, äußerte sich negativ über die Bilanz ein Jahr nach dem Liberation Day: „Ich glaube, das war tendenziell eher das, was man gemeinhin als Rohrkrepierer bezeichnen würde.“ Trump habe viele internationale Partner verärgert.

Verhandlungen und Handelsabkommen

Die Verhandlungen mit China waren besonders hart. Die Zölle auf US-Importe stiegen auf bis zu 145 Prozent, was Peking dazu veranlasste, den Zugang zu seltenen Erden einzuschränken, die für viele amerikanische Branchen wichtig sind. Später wurde ein Handelsabkommen erzielt, das die Zölle auf chinesische Importe auf 30 Prozent senkte.

Ähnlich verliefen die Verhandlungen mit der Europäischen Union. Das EU-Parlament stimmte kürzlich einem Handelsabkommen zu, das Unternehmen mehr Planungssicherheit bieten soll. Die wirtschaftlichen Folgen sind jedoch erheblich, da die Exporte in die USA stark zurückgegangen sind, was insbesondere die deutsche Autoindustrie hart trifft.

Steigende Zolleinnahmen und Klagen

Die Zölle haben erhebliche Einnahmen in die Staatskasse gespült. Laut dem US-Finanzministerium betrugen die Einnahmen im Jahr 2025 rund 290 Milliarden Dollar. Allerdings hob der Oberste Gerichtshof der USA im Februar einen Großteil der Trump-Zölle wieder auf, was zu einer Klagewelle führte. Über 1.800 Unternehmen, darunter FedEx und Costco, fordern ihr Geld zurück.

Samina Sultan kommentierte die Zolleinnahmen: „Die Einnahmen sind ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zur Staatsverschuldung der USA.“ Sie wies darauf hin, dass die Haushaltslage aufgrund der geplanten Steuersenkungen schwierig bleibt.

Wachsende Inflation und Jobverluste

Die Realität zeigt eine Diskrepanz zwischen Trumps Ankündigungen und den tatsächlichen Entwicklungen. Während Trump versprach, dass Arbeitsplätze und Fabriken in die USA zurückkehren würden, ist die Zahl der Industriejobs gesunken. Laut dem US-Arbeitsministerium gingen 90.000 Stellen im produzierenden Gewerbe und etwa 124.000 in Transport und Logistik verloren.

Die Verbraucher und Unternehmen tragen die Kosten der US-Zollpolitik. Eine Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) ergab, dass 96 Prozent der Zollkosten an die US-Käufer weitergegeben wurden. Julian Hinz, Forschungsdirektor am IfW, betonte: „Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle tragen, ist ein Mythos.“ Die Zölle wirken wie eine Konsumsteuer.

Für eine amerikanische Familie wird die Mehrbelastung durch die Zölle in diesem Jahr auf etwa 2.500 Dollar geschätzt, so der Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses. Die Zölle treiben die Inflation an, die derzeit bei 2,4 Prozent liegt. Die geopolitischen Spannungen, insbesondere im Iran, könnten in den kommenden Monaten zu einem weiteren Anstieg der Inflation führen.

Neue Handelsdynamiken

Trumps Zollpolitik hat den Welthandel durcheinandergebracht, aber auch neue Dynamiken geschaffen. Jörn Fleck von der US-Denkfabrik Atlantic Council erklärte: „Während sich die USA aus dem multilateralen System zurückziehen, haben viele andere Länder durch Diversifizierung neue Handelsbeziehungen aufgebaut.“ Die EU hat in den letzten Monaten Freihandelsabkommen mit Australien, Indien und den Mercosur-Staaten ausgehandelt.

Der „Liberation Day“ hat den Welthandel nicht befreit, sondern ihn neu geordnet.

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Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Liberation Day – die Zollbilanz der Börsenprofis | 01.04.2026 | 15:52 Uhr

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TS