Mutmaßliche Missbrauchsopfer eines ehemaligen Priesters fordern von Papst Leo XIV. Aufklärung und ein Ende des laufenden Verfahrens. Die Frauen appellieren an den Papst, die Transparenz und Schnelligkeit im Prozess gegen Marko Rupnik zu gewährleisten.
Welche Verantwortung trägt Papst Leo XIV. im Fall Rupnik?

Im Vorfeld seiner Reise nach Frankreich haben fünf Frauen, die mutmaßliche Opfer eines ehemaligen Priesters sind, einen eindringlichen Appell an Papst Leo XIV. gerichtet. In einem Schreiben fordern sie eine zügige Aufklärung der gegen den Jesuitenpater Marko Rupnik erhobenen Vorwürfe, die sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken. Diese Frauen, darunter auch eine Ordensschwester, betonen die Dringlichkeit der Situation und den Wunsch nach Gerechtigkeit.
Chronologischer Ablauf der Vorfälle
Die Vorwürfe gegen den 71-jährigen Slowenen Rupnik, der als Mosaikkünstler tätig war, reichen bis in die 1990er Jahre zurück. In dieser Zeit, als er noch in Slowenien wirkte, sollen mehrere Ordensschwestern übergriffig behandelt worden sein. Rupnik, der die Loyola-Gemeinschaft mitbegründete, wird beschuldigt, Frauen sexuell missbraucht zu haben, wobei seine Übergriffe häufig mit theologischen Rechtfertigungen untermauert wurden.
Appell an den Papst
In ihrem Brief, der von ihrer Anwältin Laura Sgrò veröffentlicht wurde, äußern die Frauen ihren Unmut über den Stand des Verfahrens. “Wir haben uns entschlossen, Ihnen zu schreiben, da Sie in Frankreich Missbrauchsopfer wie uns treffen werden, und zwar an einem Ort, an dem die Mosaiken von Pater Rupnik an der Fassade der Basilika nicht mehr zu sehen sein werden”, heißt es darin. Die Frauen fordern den Papst auf, den Prozess gegen Rupnik vor einem vatikanischen Sondergericht abzuschließen und dabei für Klarheit, Transparenz und Schnelligkeit zu sorgen.
Unzureichende Informationen
Die Betroffenen beklagen, dass sie über die Medien von dem laufenden Verfahren gegen Rupnik erfahren haben, während sie selbst nicht als Zeuginnen geladen wurden. Der Prozess, der ursprünglich Ende 2025 abgeschlossen sein sollte, hat sich verzögert, ohne dass die Frauen über den Fortschritt informiert wurden.
Die Vorwürfe im Detail
Die ersten Missbrauchsvorwürfe wurden bereits in den 1990er Jahren erhoben. Gloria Branciani, eine der betroffenen Frauen, berichtete in einer Pressekonferenz von ihren Erfahrungen, in denen Rupnik sie unter Druck setzte, nachdem sie als Modell für seine Kunstwerke diente. Laut Branciani habe er sich zunehmend aufdringlich verhalten und sie schließlich zu sexuellen Handlungen gezwungen.
Strukturen und Vertuschung
Berichten zufolge wird Rupnik nicht nur sexueller Missbrauch, sondern auch spiritueller Missbrauch vorgeworfen. Mehrere Ordensschwestern geben an, dass er ihren Glauben ausgenutzt habe, um sie zu manipulieren. Eine ehemalige Ordensschwester äußerte, dass die Gemeinschaft immer mehr sektiererische Züge annahm, einschließlich strenger Kontrolle über persönliche Beziehungen und Kontakt zu Außenstehenden.
Reaktionen und weitere Schritte
Nach den öffentlichen Vorwürfen von 2022 stufte der Vatikan die Missbrauchsvorwürfe zunächst als verjährt ein, jedoch hob Papst Franziskus diese Verjährung anschließend auf. Der Vatikan gab zudem zu, dass Rupnik 2020 kurzzeitig exkommuniziert wurde, allerdings nicht wegen der Missbrauchsvorwürfe.
Ausblick auf den Papstbesuch
Papst Leo XIV. wird während seines Aufenthalts in Lourdes voraussichtlich auch mit einer kleinen Gruppe von Missbrauchsopfern zusammentreffen. Kritiker bemängeln jedoch, dass keine umfassenden Gespräche mit Opferverbänden geplant sind. Neben Lourdes wird der Papst auch Paris und Metz besuchen, um den Dialog mit den Gläubigen zu suchen.
Quellen: n-tv
Bildquelle: Von Ricardo Stuckert – https://www.flickr.com/photos/157736962@N05/54851452841/, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=176987037
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