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Weltpolitik im Alpenort: Fünf Beobachtungen aus Davos

Trump, Trump, Trump: Beim Weltwirtschaftsforum gibt es kaum ein Entkommen vom US-Präsidenten. Manche meinen, das WEF habe damit seine Aufgabe vernachlässigt.

«Im Geiste des Dialogs» lautete das Motto. (Archivbild)
Foto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Viele hatten nicht so recht daran geglaubt: «Im Geiste des Dialogs» sollte das Weltwirtschaftsforum stehen. Ein hehrer, aber illusorischer Wunsch, dachte man erst. Doch ausgerechnet US-Präsident Donald Trump sorgte am Ende dafür, dass es genau so kam. Was bleibt von diesem geopolitischsten Weltwirtschaftsforum seit vielen Jahren?

1. Alles dreht sich nur um einen

Davos 2026 wird zur Trump-Show – und der US-Präsident nutzt diese Bühne voll aus. Nicht nur mit seiner viel beachteten Rede, für die sogar die Reichen und Mächtigen in einer riesigen Menschenmenge Schlange stehen. Sondern vor allem, als er einen Tag später erneut die große Halle im Kongresszentrum kapert, die den Top-Gästen des Weltwirtschaftsforums vorbehalten ist.

Kurzerhand wird das WEF-Logo überdeckt, vor ähnlich blauer Wand steht hinter dem Rednerpult plötzlich «Board of Peace». Trump gründet mit großem Pomp seinen «Friedensrat», sitzt mit am Tisch, als ein gutes Dutzend Staaten ihre Mitgliedschaftserklärung unterzeichnen – nicht wenige davon autoritär regiert. 

Der US-Präsident hält gelegentlich Hof im Kongresszentrum und beantwortet spontan Fragen der Journalisten. In den letzten Tagen wurde kaum eine Schalte oder Unterhaltung geführt, in der sein Name nicht erwähnt wurde.

Gut an kommt Trump aber nicht. Viele Teilnehmer verglichen ihn mit einem Bully. Der US-Präsident sei ein «Imperialist», schimpfte ein internationaler Top-Banker – und sein Kollege ergänzte, es habe eine große antiamerikanische Stimmung gegeben. Auch Applaus bekam er schonmal mehr. 

2. Wie schnell sich ein Blatt wenden kann

Das sah man am denkwürdigen Mittwoch. Da fordert Trump in seiner Rede erst «unverzügliche Verhandlungen» über eine Übernahme Grönlands durch die USA. Keine sechs Stunden später hat er mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte bereits eine Rahmenvereinbarung getroffen – in der von einer Übernahme der weltgrößten Insel nach Angaben informierter Kreise keine Rede mehr ist. 

Wie kommt es zu diesem überraschenden Sinneswandel? Beobachter sind der Meinung, dass die zentralen Punkte der Vereinbarung – eine stärkere Militärpräsenz der USA in Grönland und die Kontrolle von Investitionen auf der Insel – keine völlig neuen Ideen sind. Vermutlich hätten die Amerikaner diese auch ohne die große Drohkulisse durchsetzen können. Vizekanzler Lars Klingbeil führt Trumps Einlenken auch auf eine innenpolitische Diskussion zurück, die in den USA begonnen hat. Doch vor allem gibt es einen anderen Grund.

3. Gegendruck zeigt Wirkung

Oft tun sich die Europäer schwer, den richtigen Ton gegenüber Trump anzuschlagen. Schmeichelt man ihm oder zeigt man Härte? Beim US-Präsidenten ist der Grat schmal. Dieses Mal aber, so analysiert Klingbeil später, seien die Europäer «sehr klar gewesen». Grönland steht nicht zum Verkauf, so die eindeutige Botschaft. Beobachter meinen: Als klar war, dass Gegenmaßnahmen gegen seine Zolldrohungen durchaus auf dem Tisch sind, habe Trump eingelenkt. 

In Davos legten Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der französische Präsident Emmanuel Macron und vor allem der Kanadier Mark Carney vor. Später drohte Bundeskanzler Friedrich Merz Trump vorsorglich sogar nochmal mit Gegenmaßnahmen für den Fall, dass dieser es sich mit den Zöllen doch noch anders überlegen würde. «Wenn sie umgesetzt würden, wäre Europas Antwort geschlossen, ruhig, angemessen und stark», sagte er. 

4. Weltwirtschaftsforum ohne Wirtschaftsschlagzeile

Selbstverständlich war Trump das Hauptthema in den Gesprächen im Kongresszentrum. Die großen Gruppen von Journalisten versammelten sich um ihn und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, die in den verwinkelten Gängen den Friedensprozess im russischen Angriffskrieg vorantreiben wollten.

Das Weltwirtschaftsforum hat zwei Seiten. Nicht alle Teilnehmer haben Zugang zum Kongresszentrum, daher spielt sich ein Teil auf der Promenade, der zentralen Davoser Straße, ab. Unternehmen präsentieren dort ihre Produkte, Entwickler zeigen Neuheiten und Deals werden abgeschlossen. Trump war hier eher ein Thema für Smalltalk, während es hauptsächlich um neue Anwendungen Künstlicher Intelligenz ging. Diese Informationen gelangten kaum an die Öffentlichkeit.

5. Was sonst noch fehlte

Beim WEF ging es schon immer auch um Geopolitik, Kriege und Konflikte. Doch üblicherweise erhielten auch Themen wie Klimawandel, Gesundheitsversorgung, humanitäre Hilfe, Zukunftsvisionen und Diversität ihren Raum. Nun sei all das untergegangen, kritisiert etwa der Präsident der Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC), David Miliband. Davos werde seiner Rolle als Forum für diese zentralen Fragen derzeit nur eingeschränkt gerecht. Es gibt recht viele Teilnehmer, die sich die alten Zeiten des WEF zurückwünschen.

dpa