Israels Armee setzt ihre Kämpfe gegen die Hamas unegachtet von weltweiten Massenprotesten fort. Medienberichten zufolge soll dabei auch ein Haus in einem Flüchtlingsviertel angegriffen worden sein.
Berichte: Israelische Bomben auf Haus in Flüchtlingsviertel

Das israelische Militär hat bei seiner Bodenoffensive gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen Medienberichten zufolge ein Haus in einem Flüchtlingsviertel angegriffen. Bei dem Bombardement im Viertel Al-Magasi im Zentrum des Küstengebiets seien mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen, hieß es am Sonntag in übereinstimmenden Medienberichten unter Berufung auf die von der islamistischen Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde. Israels Armee teilte mit, sie prüfe die Berichte. Bislang seien bei dem Bodeneinsatz gegen die Hamas im Verbund mit der Luftwaffe und Marine mehr als 2500 Ziele angegriffen worden, hieß es am Sonntag. Der Gazastreifen ist flächenmäßig etwas größer als München.
Blinken überraschend erneut in Israel
US-Außenminister Antony Blinken will sich nach Medienberichten am Sonntag in Ramallah mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas treffen. Blinken landete am Morgen auf dem Flughafen bei Tel Aviv. Den Berichten zufolge soll es bei dem Treffen mit Abbas um die Frage gehen, wie eine Zukunft des Gazastreifens nach dem Krieg aussehen könnte. Israels Ziel ist es, nach dem Massaker am 7. Oktober die militärischen Fähigkeiten der Hamas zu zerstören und die Herrschaft der islamistischen Organisation in Gaza zu beenden.
Israels Militär bekämpft derzeit vor allem im Norden Einrichtungen der Hamas. Doch auch im Süden kam es bereits zu Luftangriffen. Nach Darstellung der israelischen Armee gibt es dort in den für die Zivilbevölkerung ausgewiesenen Gebieten ausschließlich gezielte Attacken auf Führer der Hamas. Der Bereich sei keine «sichere Zone», aber sichererer «als jeder andere Ort in Gaza». Die Armee nannte für Sonntag erneut ein vierstündiges Zeitfenster zur Flucht gen Süden.
Weltweit Massenproteste gegen Israel
Angesichts der Bilder von immer mehr Toten und drastischer Zerstörung im Gazastreifen kam es in vielen Städten Deutschlands sowie in den USA, Frankreich und Großbritannien zu teilweise wütenden Protesten. Auch mehrere arabische Staaten sowie die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) forderten nach einem Treffen mit US-Außenminister Blinken einen «sofortigen Waffenstillstand in Gaza».
Die «Vertreibung der Palästinenser» müsse gestoppt werden, sagte der jordanische Außenminister Aiman al-Safadi am Samstag in Amman. «Mord und Kriegsverbrechen müssen aufhören und die Immunität Israels gegenüber dem Völkerrecht muss enden.» Blinken setzte sich erneut für eine humanitäre Feuerpause ein, lehnte aber eine lang andauernde Waffenruhe ab. «Ein vollständiger Waffenstillstand würde jetzt nur dazu führen, dass die Hamas an der Macht bleibt, sich neu gruppieren könnte und wiederholen könnte, was sie am 7. Oktober getan hat.»
Israels Truppen nehmen Hamas-Chef in Gaza ins Visier
Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari hatte kürzlich erklärt, es sei die Absicht der Hamas und ihres Anführers Jihia al-Sinwar, das Bild eines zerstörten Gazas zu zeigen und Israel verantwortlich zu machen für das Leid der Menschen dort. «Sie werden die echten Schuldigen nicht verbergen können, und zwar sie selbst, die Verderben über Gaza gebracht haben», so Hagari. Israels Bodentruppen «nehmen ein Hamas-Bataillon nach dem anderen auseinander» und würden Al-Sinwar «eliminieren», zitierte die Zeitung «The Times of Israel» den israelischen Verteidigungsminister Joav Galant am späten Samstag.
Proteste gegen Netanjahu
In Israel kam es zu Protesten gegen Regierungschef Benjamin Netanjahu. Einem Medienbericht zufolge protestierte Hunderte Menschen in Jerusalem vor einem Haus von Netanjahu und forderten seinen Rücktritt. Dabei kam es am Samstagabend in Jerusalem der Zeitung «The Times of Israel» zufolge zu Zusammenstößen mit der Polizei, als Demonstranten versuchten, durch die Absperrungen zu drängen. Drei Personen seien festgenommen worden. Die Menschen warfen Netanjahu demnach vor, dass unter seiner Führung die Hamas am 7. Oktober das schlimmste Massaker der Geschichte Israels anrichten konnte. Zudem hätten sie einen Gefangenenaustausch gefordert, hieß es weiter.
Minister nennt Atombombe auf Gaza »Option»
Die israelische Regierungsspitze distanzierte sich derweilklar von Äußerungen eines rechtsextremen Ministers zum Vorgehen im Gazastreifen. Kulturerbeminister Amichai Elijahu hatte am Sonntag auf die Frage während eines Radiointerviews, ob man eine Atombombe auf den Gazastreifen werfen sollte, geantwortet: «Das ist eine der Optionen.»
Ministerpräsident Netanjahu sagte daraufhin, Elijahus Äußerungen hätten «keine Basis in der Realität». Israel und die Armee gingen «in Einklang mit den höchsten Standards internationalen Rechts vor, um Schaden an Zivilisten zu vermeiden». Man werde dies weiterhin tun, «bis zu unserem Sieg» gegen die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas.








