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Wie fit ist der US-Präsident? Bidens neuer Gesundheitscheck

Joe Bidens Alter ist Dauerthema im US-Präsidentschaftswahlkampf. Ist der 81-Jährige fit genug für einen der härtesten Jobs der Welt? Sein Arzt sagt Ja. Doch einige im Land haben Zweifel.

Biden macht regelmäßig Schlagzeilen mit Patzern, Versprechern und kleineren Fehltritten.
Foto: Andrew Harnik/AP/dpa

US-Präsident Joe Biden hat zwar mit allerlei Wehwehchen zu kämpfen, ist nach Einschätzung seiner Ärzte aber uneingeschränkt fit für seinen Job. Das Weiße Haus veröffentlichte nun den neuesten Gesundheitscheck des 81-Jährigen. Auf sechs Seiten werden darin diverse kleinere Gebrechen aufgelistet, darunter wie schon in früheren Jahren auch wenig schmeichelhafte Dinge wie allgemeiner «Verschleiß» und ein «steifer Gang».

Bidens Arzt bescheinigt dem ältesten US-Präsidenten aller Zeiten aber, er sei «gesund», «aktiv» und ohne Einschränkung in der Lage, die Aufgaben seines Amtes zu erfüllen. Eben daran gibt es wegen Bidens hohem Alter, regelmäßiger kleiner Aussetzer und einem zuletzt veröffentlichten explosiven Untersuchungsbericht in anderer Sache aber durchaus Zweifel.

In der US-Politik ist es üblich, dass Präsidenten regelmäßig ihre Gesundheit offenlegen müssen. Obwohl dies nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, hat es sich zu einem Ritual entwickelt, dem kein Amtsinhaber entgehen kann. Einmal im Jahr unterziehen sich US-Präsidenten daher umfangreichen Tests und Routineuntersuchungen, deren Ergebnisse dann ausführlich veröffentlicht werden. Am Mittwoch besuchte Biden deshalb das Walter-Reed-Militärkrankenhaus in der Nähe der Hauptstadt Washington.

Hüftbeschwerden, Atmungsstörung, aber «kein Tremor»

IIn dem sechsseitigen Bulletin, das sein Arzt Kevin O’Connor im Anschluss herausgab, heißt es, der Demokrat fühle sich gut und es gebe keine neuen gesundheitlichen Bedenken. Aufgelistet sind allerdings diverse bereits bekannte Wehwehchen des Präsidenten. Der 81-Jährige hat demnach mit allgemeiner Abnutzung der Wirbelsäule zu kämpfen. «Der Gang des Präsidenten ist nach wie vor steif, hat sich aber seit letztem Jahr nicht verschlechtert», schrieb der Arzt dazu. Zuletzt habe Biden bei aktiver Betätigung auch vermehrt Beschwerden in der linken Hüfte zu beklagen gehabt.

Seit mehreren Monaten trägt der mächtigste Mann der Welt wegen einer Schlafapnoe außerdem «fast jede Nacht» eine Atemmaske. Das habe sich bewährt, schrieb der Arzt. Eine Schlafapnoe ist eine schlafbezogene Atmungsstörung, bei der Betroffene Atemaussetzer im Schlaf erleiden. Das führt dazu, dass Betroffene morgens nicht erholt aufwachen. Biden leidet außerdem unter einer Refluxkrankheit. Die Verdauungserkrankung hat dem Arzt nach zur Folge, dass Biden sich häufiger räuspern und husten muss. 

Was der Mediziner, wie in früheren Berichten, sonst noch anmerkt: Der Präsident rauche nicht, trinke keinen Alkohol und treibe an «mindestens fünf Tagen pro Woche» Sport. Er sei 1,83 Meter groß und wiege knapp 81 Kilo.

Die Ergebnisse des Berichts gleichen weitgehend den Resultaten früherer Untersuchungen. Bidens Alter ist bei der Lektüre des Bulletins dennoch omnipräsent – etwa in Bemerkungen, dass es keine Anzeichen für mögliche Schlaganfälle oder Parkinson gebe und der Präsident «keinen Tremor» aufweise.

Die Sache mit dem Alter

Das öffentliche Interesse am Gesundheitszustand des Präsidenten ist in den USA allgemein erhöht. Angesichts seines hohen Alters gilt dies umso mehr für Biden. Er zog 2021 als ältester Präsident aller Zeiten ins Weiße Haus ein und plant, im November für eine zweite Amtszeit anzutreten. Sollte er erfolgreich sein, wäre er am Ende 86 Jahre alt. Daher ist der Enthusiasmus für seine Wiederwahlkampagne in Teilen der Bevölkerung und seiner eigenen Partei begrenzt.

Biden sorgt regelmäßig für Schlagzeilen mit Patzern, Versprechern und kleinen Fehltritten. Konkurrenten aus den Reihen der Republikaner – allen voran Bidens wahrscheinlicher Herausforderer bei der Wahl im November, sein Amtsvorgänger Donald Trump – nutzen solche Fauxpas ausgiebig, um Bidens mentale und körperliche Fitness infrage zu stellen.

Zuletzt hatte noch dazu die Veröffentlichung eines Ermittlungsberichts in der Affäre um die Aufbewahrung von Geheimdokumente bei Biden für großes Aufsehen gesorgt, weil der Demokrat in dem Report als tattriger Greis dargestellt wurde – als «wohlmeinender älterer Mann mit einem schlechten Gedächtnis», dessen Erinnerungsvermögen «signifikant eingeschränkt» sei. Biden wies die Darstellung empört zurück und beteuerte, sein Gedächtnis sei vollkommen in Ordnung.

Kein kognitiver Test

Das Weiße Haus war dennoch einmal mehr mit mehreren Nachfragen konfrontiert, warum der Präsident bei dem Routine-Gesundheitscheck nicht auch einen Test zu seiner mentalen Fitness gemacht habe, um seine kognitiven Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. «Der Präsident braucht keinen kognitiven Test», sagte Bidens Sprecherin Karine Jean-Pierre dazu.

Das sei die einhellige Einschätzung seiner Ärzte. «Er absolviert jeden Tag einen kognitiven Test, wenn er von einem Thema zum nächsten wechselt», betonte sie. Biden habe als Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte einen sehr fordernden Job. «Und der Präsident war in den letzten drei Jahren in der Lage, diese Aufgabe jeden Tag zu erfüllen.»

Auch Trump wurde während seiner Amtszeit – aufgrund seines unvorhersehbaren Politikstils, teilweise chaotischer Zustände und verbaler Fehltritte – mit Zweifeln an seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit konfrontiert. Der Republikaner entschied sich damals, eine Überprüfung seiner geistigen Fähigkeiten durchführen zu lassen und absolvierte einen Test, der unter anderem zur Früherkennung von Demenz und Alzheimer eingesetzt wird.

Der Patient muss verschiedene Tiere wie einen Löwen oder ein Nashorn erkennen und einen Würfel zeichnen. Es gibt auch Fragen, die die Konzentrationsfähigkeit und das Erinnerungsvermögen testen sollen. Trump bestand den Test einst mit 30 von 30 Punkten – und hoffte wahrscheinlich, damit Spekulationen über seine Eignung für das Amt zu beenden. Dies war jedoch nur teilweise erfolgreich. In den folgenden Jahren verzichtete Trump auf eine Wiederholung des Tests.

dpa