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Wie geht es weiter für den Wolf? Bundestag berät

Die schwarz-rote Koalition will die Tötung von Wölfen erleichtern. Der Jagdverband will den «Sonderstatus» abschaffen. Doch Umweltschützer warnen vor ungewollten Folgen.

Der Wolf ist zurück in Deutschland - was längst nicht jeden freut. (Archivbild)
Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Es gibt neue Regeln für den einfacheren Abschuss von Wölfen in Sicht – doch die Kontroverse bleibt bestehen. Während Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) die Reform für notwendig hält, warnen Umweltschützer davor. Der Bundestag debattiert heute erstmals über die Pläne der Bundesregierung. Eine Entscheidung wird erst später getroffen.

Rainer: Es geht auch um die Halter

«Wir haben mittlerweile über 200 Wolfsrudel in Deutschland», sagte Rainer im ARD-«Morgenmagazin». «Wir haben mehr Wölfe auf die Fläche bezogen als Russland. Also es ist notwendig, dass wir hier einschreiten.» Es gehe auch um die Halter geschädigter Weidetiere. «Es ist nicht nur der Riss. Es ist auch der wirtschaftliche Schaden, aber auch der emotionale Schaden, was das anbelangt.»

CDU/CSU und SPD planen, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen, um sogenannte Problemwölfe einfacher töten zu können – beispielsweise wenn sie Zäune überwinden und Schafe angreifen. Es soll weiterhin finanzielle Unterstützung für Schutzmaßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde geben.

Jagdzeiten vorgesehen

In Gebieten, in denen der Wolf in einem günstigen Erhaltungszustand ist und die Chancen für langfristigen Fortbestand gut stehen, sollen die Länder die Jagd zur Bestandskontrolle erlauben. Die geplante Jagdsaison dauert vom 1. Juli bis 31. Oktober.

Des Weiteren haben sie die Befugnis, Gebiete zu identifizieren, in denen es notwendig ist, Wölfe zu jagen, da Weidetiere dort nur schwer vor ihnen geschützt werden können, beispielsweise mit speziellen Zäunen. Dies kann auf Almen oder Deichen der Fall sein.

Jagdverband gegen «Sonderstatus» für den Wolf

Für Schutzmaßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde soll es auch weiterhin finanzielle Unterstützung geben, sagte Rainer. «Wir wollen in keinster Weise den Wolf ausrotten.» Es brauche aber «jetzt aufgrund der Risse, die stattfinden, die Möglichkeit, den Wolf in einem bestimmten Zeitraum auch zu bejagen und Problemwölfe rechtssicher zu entnehmen».

Der Deutsche Jagdverband fordert, den Wolf endlich wie andere Wildarten im Jagdrecht «ohne Sonderstatus» zu behandeln. Der Verband schlägt vor, 40 Prozent der Jungwölfe von Juni bis Oktober im Rahmen von Abschussplänen sowie «Problemwölfe» ganzjährig zu bejagen, wie es in einer Stellungnahme zur Bundestagsbefassung heißt.

Warnungen vor unerwünschten Folgen

Aus Sicht des Naturschutzbund Deutschland (Nabu) tragen die geplanten Möglichkeiten zur leichteren Tötung von Wölfen hingegen kaum zum Schutz von Weidetieren bei. «Wissenschaft und Praxis zeigen, dass eine reguläre Bejagung des Wolfes weder signifikant Nutztierrisse senkt noch Weidetierhalter entlastet», sagte Marie Neuwald vom Nabu der Deutschen Presse-Agentur. «Stattdessen könnte sie funktionierende Rudelstrukturen destabilisieren und somit das Risiko für weitere Übergriffe erhöhen», betonte die Expertin. 

Auch der WFF forderte andere Schwerpunkte. «Anstelle pauschaler Jagdregelungen brauchen wir dringend klare und schnelle Verfahren, um tatsächlich problematische Einzeltiere gezielt zu entnehmen und Schäden wirksam zu begrenzen.» Derzeit scheitere dies häufig an langen Genehmigungsverfahren und unklaren Zuständigkeiten. «Reißt ein einzelner Wolf wiederholt gut geschützte Nutztiere, kann es Wochen dauern, bis eine Entnahme erlaubt wird – mit der Folge weiterer Risse.»

Auch der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner warnte vor den Plänen. «Eine ziellose Jagd auf den Wolf bringt allerdings keineswegs mehr Sicherheit. Denn ungeschützte Herden sind auch dann bedroht, wenn nur wenige Wölfe da sind.» Echte «Problemwölfe» müssten schnell entnommen werden und Betriebe mehr Unterstützung beim Herdenschutz bekommen.

dpa