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Wohl Dutzende Tote nach Bootsunglück vor Kanaren

Das kleine Boot aus Afrika war schon fast im sicheren Hafen. Doch plötzlich brach mitten in der dunklen Nacht eine Panik aus, die nach Erkenntnissen der Behörden zur Tragödie führte.

Immer mehr Migranten aus Afrika steuern die Kanaren an. (Archivbild)
Foto: Antonio Sempere/EUROPA PRESS/dpa

Beim Untergang eines Holzbootes vor der Küste der Kanareninsel El Hierro sind wahrscheinlich Dutzende Migranten gestorben. Der spanische Seenotdienst teilte mit, dass von den mindestens 48 Vermissten weiterhin jede Spur fehlt. Nach dem Unglück in der Nacht zum Samstag wurden neun Leichen geborgen. Nur 27 der mindestens 84 Insassen konnten gerettet werden, darunter vier Minderjährige.

Die Sucharbeiten wurden nach Tagesanbruch fortgesetzt. Laut dem Seenotdienst auf X würden drei Schiffe und drei Hubschrauber eingesetzt. Die Hoffnung, einige der Vermissten lebend zu retten, schwand schnell. Bereits am Samstag hatten Sprecher der Einsatzkräfte eingeräumt, dass die Hoffnungen minimal seien.

Das offene Holzboot mit mindestens 84 Migranten aus Afrika kenterte am frühen Samstagmorgen gegen ein Uhr während eines Rettungseinsatzes knapp vier Seemeilen (gut sieben Kilometer) südlich von La Restinga auf der westlichsten Kanareninsel El Hierro. Das Unglück ereignete sich, als zu viele Migranten sich auf eine Seite des Bootes begeben hatten, als sich ein Seenotrettungskreuzer näherte, hieß es. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer bei etwa 60 liegen könnte, wenn niemand mehr gerettet wird.

Verzweiflung löste Panik aus

Es wurde berichtet, dass die Geretteten völlig erschöpft, dehydriert und unterkühlt waren. Laut Anselmo Pestana, dem Vertreter der Zentralregierung auf den Kanaren, waren die Menschen im Unglücksboot zwei Tage lang ohne Wasser und Nahrung. Sie mussten Salzwasser trinken. Die überfüllte Situation im Boot führte wahrscheinlich zur Panik, als die Insassen mitten in der Nacht das Rettungsschiff sahen. Überlebende berichteten, dass das Boot vor einer Woche in Nouadhibou im Westen Mauretaniens gestartet war, etwa 750 Kilometer Luftlinie von El Hierro entfernt.

Gemäß dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) wurden in diesem Jahr bereits fast 30.000 Migranten gezählt, die von Afrika aus die Kanaren erreichten. Dies ist eine deutlich höhere Zahl als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Boote starten an der Küste Westafrikas zwischen Guinea im Süden und Marokko im Norden.

Die spanische NGO Caminando Fronteras schätzt, dass zwischen Januar und Ende Mai etwa 4.800 Menschen auf der hunderte Kilometer langen Überfahrt ertrunken oder an Entkräftung gestorben sind.

dpa