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Bundeswehr kämpft mit Personalrückgang und sucht nach Lösungen

Die Zahl der Soldaten und Zivilbeschäftigten bei der Bundeswehr ist gesunken, während die Anzahl der Reservistendienstleistenden gestiegen ist. Vor dem Hintergrund neuer Gefahren und dem Ziel, die Truppe zu vergrößern, wird über eine mögliche Dienstpflicht oder die Einstellung von Soldaten ohne deutsche Staatsangehörigkeit diskutiert.

Es gibt etwa 1500 Zeit- und Berufssoldaten sowie freiwillig Wehrdienstleistende weniger als ein Jahr zuvor.
Foto: Frank May/dpa

Die Personaloffensive der Bundeswehr hat keine Fortschritte gemacht: Trotz verstärkter Anstrengungen ist die Anzahl der Soldaten im letzten Jahr auf 181.500 Männer und Frauen gesunken. Am Stichtag 31. Dezember 2023 gab es somit etwa 1500 Zeit- und Berufssoldaten sowie freiwillig Wehrdienstleistende weniger als im Vorjahr, wie das Verteidigungsministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Ende 2022 hatte die Bundeswehr noch 183.050 Soldaten. Die Anzahl der Zivilbeschäftigten ist um 400 auf 81.500 gesunken. Es gab einen Anstieg auf 19.100 Männer und Frauen, die Reservistendienst leisteten (2022: rund 18.700).

Insgesamt wurde das erklärte Ziel, die Bundeswehr bis zum Jahr 2031 auf 203.000 Soldaten anwachsen zu lassen, aufgrund der neuen Gefahren durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine in die Ferne gerückt. Angesichts der sich abzeichnenden Entwicklung gab es in letzter Zeit eine verstärkte Diskussion über eine mögliche Wehrpflicht oder die Einstellung von Soldaten ohne deutsche Staatsangehörigkeit.

Mehr Personal bleibt eine Priorität

Vorrangiges Ziel der Bundeswehr sei und bleibe die nachhaltige Stärkung der personellen Einsatzbereitschaft, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums zur Personalentwicklung. «Wir brauchen qualifizierte und einsatzbereite Frauen und Männer, die in ausreichender Anzahl für die anstehenden Aufgaben und Aufträge bereitstehen.»

Die immer stärker spürbaren Auswirkungen des demografischen und gesellschaftlichen Wandels zeichneten sich in praktisch allen Berufs- und Arbeitsfeldern ab. «Aus der ehemaligen Konkurrenz unter Arbeitsuchenden um einen Arbeitsplatz ist ein Wettbewerb der Arbeitgeber um Arbeitskräfte – insbesondere Fachkräfte – geworden», teilte sie mit. Diese Entwicklungen spiegelten sich auch in der Bundeswehr. Es sei ein «Bündel von Maßnahmen und Initiativen» eingeleitet worden, um die Attraktivität zu steigern, flexibler zu agieren und schneller zu reagieren. 

Bei genauer Betrachtung der Mitarbeiterzahl zeigt sich, dass es bei Berufssoldaten und freiwillig Wehrdienstleistenden eine leichte Steigerung gibt, insbesondere bei Zeitsoldaten ein Rückgang. Auch hat sich die Anzahl der Frauen leicht erhöht, ohne dass dies den Trend umkehren konnte.

Pistorius lässt schon Modelle einer Dienstpflicht prüfen

Im Juli 2011 wurde die Wehrpflicht nach 55 Jahren unter dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ausgesetzt, was in der Praxis einer Abschaffung von Wehr- und Zivildienst gleichkam. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) lässt bereits Modelle einer Dienstpflicht prüfen. Eine Taskforce untersucht das Personalwesen insgesamt. Der SPD-Politiker zeigte sich zuletzt auch offen für Soldaten ohne deutschen Pass. Derzeit hat die Bundeswehr etwa 1400 Zivilbeschäftigte ohne deutsche Staatsangehörigkeit.

Im August des letzten Jahres forderte Pistorius eine schnellere Bearbeitung von Bewerbern für eine Ausbildung oder einen Dienstposten bei der Bundeswehr. Er betonte auch, dass verstärkte Anstrengungen unternommen werden sollten, um Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund für die Streitkräfte zu gewinnen. Diese Aussagen machte der SPD-Politiker während eines Besuchs in einem Karrierecenter der Bundeswehr in Stuttgart.

Er forderte, in den Werbekampagnen ein realistischeres Bild der Bundeswehr zu zeichnen und nicht mit Action-Filmen zu werben – auch um Abbrecherquoten nach dem Dienstantritt zu verringern. Wichtig sei, «dass wir keine Mission-Impossible-Filmchen drehen darüber, was bei der Bundeswehr alles passieren könnte wie in Hollywood, sondern dass es ein realistisches Bild ist». Als ein Problem gilt auch der steigende Altersdurchschnitt der Soldaten, weil der Personalbestand teils nur mit der Weiterverpflichtung von Zeitsoldaten gehalten werden kann. Aus der Truppe hieß es zuletzt, es werde sehr darum geworben, dass Zeitsoldaten ihren Dienst verlängern.

dpa