Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Ärzte in Teilzeit auf dem Vormarsch – KBV-Auswertung

Die Zahl der Ärzte in Praxen stieg, aber der Trend zur Teilzeit bleibt. Hausarztpraxen zeigen keinen Rückgang mehr, jedoch wächst die Zahl insgesamt.

Bei den Hausarztpraxen zeigte sich erstmals seit mehreren Jahren kein Rückgang mehr.
Foto: Tom Weller/dpa

Die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte in den Praxen ist weiter gestiegen, aber der Trend zur Teilzeitbeschäftigung hält an. Ende des letzten Jahres waren 187.441 Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit einer Zulassung zur Versorgung von gesetzlich Versicherten tätig. Dies geht aus einer Auswertung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Somit waren es 2143 mehr als Ende 2022. Zum ersten Mal gab es jedoch mehr als 60.000 Medizinerinnen und Mediziner in Teilzeit.

Kein Rückgang bei Hausarztpraxen

In den Hausarztpraxen gab es erstmals seit mehreren Jahren keinen Rückgang mehr. Laut Bundesarztregister gab es am 31. Dezember 2023 insgesamt 51.389 Hausärztinnen und Hausärzte, was 75 mehr waren als Ende 2022. Zehn Jahre zuvor waren es jedoch noch 52.262 Hausärztinnen und Hausärzte.

KBV-Chef Andreas Gassen sagte: «Die Praxis vor Ort ist ein Faktor der sozialen Stabilität.» Wenn Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) richtigerweise davon spreche, die ambulante Versorgung stärken zu wollen, dann müsse es darum gehen, die Rahmenbedingungen für die Praxen zu verbessern und nicht, sie in ein immer starreres Regelwerk zu zwingen. Die niedergelassen Haus- und Fachärzte seien mit einer Milliarde Patientenkontakten im Jahr das Rückgrat der Versorgung.

Insgesamt ist die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte im Vergleich zum Ende 2022 leicht um 0,7 Prozent auf nun 153.726 gestiegen. Davon waren 49.217 angestellte Ärztinnen und Ärzte, deren Praxis nicht ihnen selbst gehört. Die Anzahl der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ist laut den neuen Daten um 3,4 Prozent auf 33.715 gestiegen. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigung liegt im Durchschnitt aller Fachgruppen bei 35,8 Prozent. Angesichts dieser Tatsache bleibt die Ressource Zeit knapp, erklärte die KBV.

Der Anstieg des Durchschnittsalters hat in den letzten Jahren abgenommen, wie es in der Auswertung steht. Wie 2022 lag der Schnitt Ende 2023 bei 54,1 Jahren. Im Jahr 2001 lag er noch knapp unter 50 Jahren. Der höchste Altersschnitt liegt derzeit bei ärztlichen Psychotherapeuten mit gut 60 Jahren, bei Hausärzten bei gut 55 Jahren.

Frauen auf dem Vormarsch

Frauen sind in den Praxen weiterhin auf dem Vormarsch. Psychotherapeutinnen und Ärztinnen kommen nun zusammen auf 51,5 Prozent, nachdem sie 2022 erstmals die 50-Prozent-Marke überschritten hatten. Erstmals in der Mehrheit im Vergleich zu den männlichen Kollegen sind nun auch Hausärztinnen (50,5 Prozent).

Lauterbach hat betont, dass die Sicherung eines dichten Netzes von Hausarztpraxen langfristig nicht gewährleistet ist. In vielen ländlichen Gebieten und ärmeren Stadtvierteln wird es zukünftig schwierig sein, einen Hausarzt zu finden. Um dem entgegenzuwirken, soll ein Gesetz geschaffen werden, das bessere Arbeitsbedingungen schafft. Dies beinhaltet unter anderem die Abschaffung von Vergütungs-Obergrenzen (Budgets) für Hausärzte. In Regionen mit vielen sozial benachteiligten Menschen sollen Gesundheitskioske als leicht zugängliche Beratungsstellen für Behandlung und Prävention entstehen.

KBV-Chef Gassen sagte: «Wir brauchen keine Versorgung-light in sogenannten Gesundheitskiosken, sondern angemessene Strukturen für die Haus- und Facharztpraxen.» KBV-Vize Stephan Hofmeister erläuterte, im Prinzip sei eine Niederlassung mit einer Praxis eine gute Option, um selbstständig zu arbeiten und auch Familie und Beruf zu vereinbaren.

Trotzdem sei die Gefahr eines «Ausblutens» der Versorgung nicht gebannt. Mit den derzeit schlechten Rahmenbedingungen dürfte es schwierig sein, junge Kolleginnen und Kollegen zu gewinnen. Dazu zählten überbordende Bürokratie und nicht funktionierende Digitalisierung.

dpa