EU und Australien haben nach langen Verhandlungen ein umfassendes Handelsabkommen unterzeichnet, das mehr als 99 Prozent der Zölle auf Exporte aus der EU abschafft. Die Vereinbarung soll den Handel ankurbeln und die Zusammenarbeit in Bereichen wie Verteidigung und kritischen Rohstoffen stärken.
Zollfreiheit zwischen EU und Australien: Ein Schritt in neue Handelsdimensionen

Jahrelange Verhandlungen haben nun zu einem bedeutenden Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Australien geführt. Dieses Abkommen zielt darauf ab, Zölle auf beiden Seiten abzubauen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu intensivieren. Ein zentrales Anliegen der EU ist es, die Abhängigkeit von China zu verringern.
Am Dienstag unterzeichneten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der australische Premierminister Anthony Albanese in Canberra das neue Handelsabkommen. Ziel ist es, den Zugang der EU zu wichtigen Rohstoffen zu sichern. Zudem wurde eine engere Kooperation in den Bereichen Verteidigung und kritische Rohstoffe vereinbart.
Die Vereinbarung sieht vor, dass über 99 Prozent der Zölle auf EU-Exporte nach Australien abgeschafft werden. Laut EU-Kommission wird dies für europäische Unternehmen jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Euro an Zollgebühren bedeuten. Auch die Zölle auf Importe kritischer Mineralien werden gesenkt.
Erwarteter Anstieg der Exporte nach Australien
Das Handelsabkommen soll nicht nur den Handel mit Dienstleistungen fördern, sondern auch gegenseitige Investitionen erleichtern. Die EU prognostiziert, dass ihre Exporte nach Australien innerhalb der nächsten zehn Jahre um ein Drittel steigen werden. Besonders die Milch- und Automobilindustrie rechnen mit einem Wachstum von etwa 50 Prozent. Australien hingegen hofft, seine Absatzmärkte für landwirtschaftliche Produkte zu diversifizieren.
„Die EU und Australien mögen geografisch weit voneinander entfernt sein, aber in unserer Sicht auf die Welt könnten wir einander nicht näher sein“, erklärte von der Leyen nach der Unterzeichnung.
In einer Rede vor dem australischen Parlament betonte sie, dass die Einigung ein faires Abkommen sei, das sowohl den Unternehmen Australiens als auch den europäischen Firmen zugutekomme.
Premierminister Albanese hob die Bedeutung des Abkommens für die australische Wirtschaft hervor: „Dies ist ein bedeutender Moment für unsere Nation, da wir ein Abkommen mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sichern.“ Die Regierung interveniert bei Spritpreisen.
Wichtige Rohstoffe für die EU
Ein weiterer zentraler Punkt des Abkommens ist der verbesserte Zugang der EU zu kritischen Rohstoffen aus Australien. „Australien ist ein wichtiger Produzent von Rohstoffen wie Aluminium, Lithium und Mangan, die für die wirtschaftliche Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der EU entscheidend sind“, so die EU-Kommission. Die Vereinbarung enthält auch spezielle Bestimmungen, die den Markt für europäische Unternehmen stabiler und verlässlicher gestalten.
„Wir dürfen bei so wichtigen Rohstoffen nicht zu sehr von einem einzigen Lieferanten abhängig sein, und genau deshalb brauchen wir einander“, sagte von der Leyen vor dem australischen Parlament.
Verteidigungskooperation ausbauen
Angesichts der aktuellen Sicherheitsherausforderungen haben beide Seiten auch eine engere Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich vereinbart. Die EU und Australien wollen gemeinsam an der Verbesserung der maritimen Sicherheit, der Cyber-Sicherheit sowie der Bekämpfung hybrider Bedrohungen arbeiten. Zudem wird eine Kooperation in Bezug auf neue Technologien, einschließlich Künstlicher Intelligenz, angestrebt.
„Unsere Sicherheit ist eure Sicherheit, und mit unserer neuen Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft stehen wir füreinander ein“, betonte von der Leyen im Parlament in Canberra.
Die EU-Kommissionspräsidentin hatte zuvor die Bedeutung des Handels mit Australien hervorgehoben. Australien gilt als der weltweit größte Lithiumlieferant und verfügt über Rohstoffe, die für zukünftige saubere Technologien von entscheidender Bedeutung sind.
Profiteure des Abkommens
Die EU exportiert im Gegenzug Maschinen, Chemikalien und Bauteile für den Verkehrssektor nach Australien. Insbesondere der deutsche Maschinenbau und die Chemieindustrie werden von dem neuen Handelsvertrag profitieren.
Der Handelsvertrag wird nun einer juristischen Überprüfung unterzogen, die in der Regel mehrere Monate in Anspruch nimmt. Zudem muss er in alle 24 Amtssprachen der EU übersetzt werden, bevor das Europäische Parlament und das australische Parlament das Abkommen ratifizieren können.
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Bildquelle: Diliff via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)








