Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Zuzahlungen für Pflege im Heim steigen weiter

Für Pflegebedürftige und ihre Familien gehen die finanziellen Belastungen schon seit Jahren immer weiter hoch. Wie gut wirken da verstärkte Kostenbremsen?

Die Pflege im Heim ist erneut teurer geworden. (Archivbild)
Foto: Marijan Murat/dpa

Die selbst zu zahlenden Anteile für Pflegebedürftige im Heim sind weiter angestiegen. Laut einer Auswertung des Verbands der Ersatzkassen betrugen die Kosten im ersten Jahr im Heim im bundesweiten Durchschnitt 2.871 Euro pro Monat aus eigener Tasche. Dies sind 211 Euro mehr als Mitte 2023. Trotz der erhöhten Entlastungszuschläge, die sich nach der Aufenthaltsdauer richten, steigen die Belastungen weiter an.

Der durchschnittliche monatliche Zuschlag im Heim stieg ab dem vierten Jahr auf 1.865 Euro, was 91 Euro mehr sind als zum 1. Juli 2023, wie aus den vorliegenden Daten der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht.

In den Summen ist der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten, da die Pflegeversicherung nur einen Teil dieser Kosten übernimmt, im Gegensatz zur Krankenversicherung. Zusätzlich kommen für Bewohner im Heim noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen in den Einrichtungen hinzu.

Die Auswertung zum 1. Juli berücksichtigt erstmals auch Ausbildungskosten, die von den Heimen weitergegeben werden. Dieser Posten wurde jedoch auch in die Vergleichswerte vom 1. Juli 2023 einbezogen, wie es erklärt wurde.

Zuschläge sollen Kosten dämpfen

Seit 2022 gibt es neben den Zahlungen der Pflegekasse auch Entlastungszuschläge, die mit einer Reform der Ampel-Koalition zum 1. Januar 2024 erhöht wurden. Der Eigenanteil für die reine Pflege wird damit im ersten Jahr im Heim um 15 statt zuvor 5 Prozent gedrückt, im zweiten um 30 statt 25 Prozent, im dritten um 50 statt 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 statt 70 Prozent. Hintergrund für den dennoch wachsenden Eigenanteil sind vor allem höhere Personalkosten für Pflegekräfte.

Die Zuschläge konnten den Anstieg der Zuzahlungen nicht vollständig kompensieren, wie die Daten zeigen. Am Stichtag 1. Juli beliefen sich die monatlichen Kosten für die reine Pflege im ersten Jahr im Heim bundesweit nun auf 1.426 Euro – vor einem Jahr waren es 1.295 Euro mit dem damals niedrigeren Entlastungszuschlag. Laut der Auswertung stiegen auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung in den Heimen. Ab dem 1. Juli mussten Bewohner im Durchschnitt 955 Euro pro Monat dafür zahlen, nachdem es Mitte 2023 noch 888 Euro waren.

Die Chefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, sagte mit Blick auf die weiter steigende Eigenbeteiligung: «Dass diese so hoch ist, liegt auch daran, dass die Länder ihre Verantwortung ignorieren.» Die Übernahme der Investitionskosten durch die Länder – wie eigentlich vorgesehen – würde Heimbewohner um durchschnittlich 490 Euro im Monat entlasten. Auch sei es Aufgabe des Staates, Ausbildungskosten zu übernehmen. Dies müsse im Rahmen der von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigten Pflegereform gelöst werden.

Das Ministerium plant, im Herbst ein Konzept für die Reform vorzulegen. Es wird sich um ein Gesamtpaket für eine Erhöhung der Kapazitäten beim Pflegepersonal, eine verstärkte Prävention von Pflegebedürftigkeit und die Schließung einer Finanzlücke handeln – denn die Pflegeversicherung erwartet für 2024 und 2025 Defizite. Eine erste Reform führte neben einer Erhöhung der Entlastungszuschläge für Heimplätze auch zu einer Anhebung der Beiträge zum 1. Juli 2023.

Unterschiede in den Bundesländern 

Bei den Zuzahlungen bestehen weiterhin regionale Unterschiede. Der teuerste Heimplatz im ersten Aufenthaltsjahr liegt derzeit durchschnittlich in Nordrhein-Westfalen bei 3.200 Euro pro Monat und in Baden-Württemberg bei 3.180 Euro. In Sachsen-Anhalt ist die Eigenbeteiligung mit 2.373 Euro am niedrigsten.

Laut dem Ersatzkassenverband wurden Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern ausgewertet. Zu dem Verband gehören unter anderem die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit.

dpa