Das politische Spitzenpersonal des Landes reagierte mit Würdigungen auf das Ableben des Christdemokraten, der das Land von Dezember 1990 bis Februar 1992 führte.
Nach schwerer Krankheit: Thüringer Nachwende-Pionier Josef Duchač mit 88 Jahren gestorben

Wie stabil konnte ein demokratischer Neuanfang im Osten gelingen, wenn Spitzenpolitiker der ersten Stunde binnen kürzester Zeit zwischen Gestaltungsanspruch und den Belastungen der DDR-Vergangenheit zerrieben wurden? Genau in diesem Spannungsfeld bewegte sich die politische Karriere von Josef Duchač: Während ihm der Aufbau parlamentarischer Strukturen nach der deutschen Einheit gelang, endete seine Regierungszeit jäh im Strudel von Kontroversen über das alte System. Am 23. Oktober ist der erste Ministerpräsident des wiedergegründeten Freistaats im Alter von 88 Jahren gestorben. Wie die Thüringer Staatskanzlei mitteilte, erlag der CDU-Politiker den Folgen einer langen und schweren Erkrankung.
Zwischen politischer Anerkennung und historischer Bürde
Das politische Spitzenpersonal des Landes reagierte mit Würdigungen auf das Ableben des Christdemokraten, der das Land von Dezember 1990 bis Februar 1992 führte. Nach Einschätzung des amtierenden Ministerpräsidenten Mario Voigt hinterlässt der Verstorbene ein bleibendes Erbe. Voigt hob hervor, dass Duchač das Fundament gegossen habe, um Thüringen dauerhaft als eigenständiges Glied in der Bundesrepublik zu etablieren. Den Hinterbliebenen sprach er sein Beileid aus.
Das Land verliert eine Persönlichkeit, deren Verdienste um den Aufbau unserer parlamentarischen Ordnung und der Landesverwaltung dauerhaft Bestand haben werden.
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Auch die CDU-Fraktion im Erfurter Landtag betonte die Ausnahmesituation der damaligen Epoche. Der Fraktionsvorsitzende Andreas Bühl erinnerte daran, dass Duchač in einer überaus unübersichtlichen und chaotischen Umbruchphase Verantwortung übernommen habe. Landtagspräsident Thadäus König unterstrich zudem, dass Duchač den Bürgern damals Orientierung bot. Zu den Kontroversen um die DDR-Zeit bemerkte König, der Politiker habe stets versucht, Eigenständigkeit zu bewahren, ohne sich mit der SED gemein zu machen.
Weichenstellungen für die Wirtschaft und zentrale Meilensteine
Trotz der kurzen Regierungsspanne gelang es der damaligen Koalition aus CDU und FDP, weitreichende Beschlüsse für den Wirtschaftsstandort herbeizuführen. Zu den wichtigsten wirtschaftspolitischen Wegmarken zählten laut Fraktionschef Bühl insbesondere:
- Die Ansiedlung von Opel in Eisenach: Ein industriepolitischer Meilenstein, der Tausende Arbeitsplätze sicherte.
- Die Sanierung von Zeiss Jena: Die Restrukturierung des Traditionsunternehmens legte die Basis für einen modernen Hochtechnologie- und Forschungsstandort.
- Der Aufbau der Verwaltung: Die Umwandlung der früheren DDR-Bezirke in eine funktionierende Landesadministration.
Vom Chemiewerk in das Büro des Regierungschefs
Geboren wurde Josef Duchač 1938 in Bad Schlag (Jablonecké Paseky) in der damaligen Tschechoslowakei. Nach seiner Qualifikation zum Chemieingenieur arbeitete er über Jahrzehnte im Gummiwerk Waltershausen, wo er bis zum Betriebsleiter aufstieg. Bereits früh gehörte er der CDU an. Die politische Dynamik beschleunigte sich für ihn im Oktober 1989, als er den Vorsitz des CDU-Kreisverbandes Gotha übernahm.
Im Juni 1990 berief ihn Lothar de Maizière, der letzte Ministerpräsident der DDR, zum Regierungsbevollmächtigten für den Bezirk Erfurt. Nach der Wiedervereinigung agierte er als Landesbevollmächtigter für Thüringen. Bei den ersten freien Wahlen führte er die CDU zum Erfolg. Am 25. Oktober 1990 trat der neu gewählte Thüringer Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen, woraufhin Duchač zum Regierungschef gewählt wurde.
Kabinettkrise und vorzeitiger Rückzug
Die Amtszeit war jedoch von heftigen Auseinandersetzungen überschattet. Vorwürfe mangelnder Führungskraft sowie Debatten über eine mutmaßliche Nähe zum DDR-Machtapparat brachten die Regierung ins Wanken. Nachdem bereits mehrere Minister ihrer Ämter niedergelegt hatten, trat Duchač im Februar 1992 schließlich zurück. Sein Amt übernahm Bernhard Vogel, der das Land danach bis 2003 regierte und im Jahr 2025 verstarb. Duchač selbst nahm im April 2025 noch am Requiem für seinen Amtsnachfolger teil.
Rückzug ins Private und Engagement im Ausland
Nach seinem Ausscheiden aus der Landespolitik zog sich Duchač keineswegs vollständig zurück. Für die Konrad-Adenauer-Stiftung leitete er internationale Büros, darunter an Standorten in Lissabon, Sankt Petersburg und Budapest. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im brandenburgischen Birkenwerder. Trotz des Verlusts seines Augenlichts infolge eines Schlaganfalls verfolgte er die politischen Entwicklungen in Thüringen laut Angaben der Staatskanzlei bis an sein Lebensende mit reger Anteilnahme.
Quellen: tagesschau, MDR
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