Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Alzheimer: Bluttest verrät Risiko teils Jahrzehnte vor Symptombeginn

Ein neuer Bluttest könnte das Risiko für Alzheimer bis zu 25 Jahre vor Auftreten der ersten Symptome vorhersagen. Die Forschung basiert auf einer umfassenden Langzeitstudie mit fast 2.800 Frauen und könnte entscheidend für die Früherkennung der Erkrankung sein.

Alzheimer: Bluttest verrät Risiko teils Jahrzehnte vor Symptombeginn
Anna Shvets auf Pexels

Alzheimer: Bluttest kann Risiko Jahrzehnte vor Symptombeginn erkennen

Ein neuer Bluttest könnte Hinweise darauf geben, wer in Zukunft an Alzheimer erkranken wird. In einer aktuellen Studie wurde festgestellt, dass bei einigen Probanden ein erhöhtes Risiko bis zu 25 Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome erkennbar ist.

Die Alzheimer-Erkrankung entwickelt sich schleichend. Über viele Jahre hinweg sterben im Gehirn zunehmend Nervenzellen ab, ohne dass die Betroffenen dies bemerken. Wenn schließlich die ersten Symptome auftreten, sind oft bereits erhebliche Schäden im Gehirn entstanden. Zu diesem Zeitpunkt ist das Gehirn häufig so stark verändert, dass eine Behandlung mit derzeit verfügbaren Medikamenten lediglich eine Verlangsamung der Symptome bewirken kann.

Eine effektive Therapie müsste jedoch viel früher einsetzen, bevor ein großer Teil der Nervenzellen geschädigt ist. Die zentrale Frage der Forschung ist daher, wie Alzheimer so frühzeitig erkannt werden kann. Zwei aktuelle Studien legen nahe, dass ein einfacher Bluttest hierbei eine entscheidende Rolle spielen könnte. Dieser Test könnte vorhersagen, wer wahrscheinlich erkranken wird und wann dies geschehen könnte. Bei Frauen könnte das erhöhte Demenzrisiko möglicherweise bereits bis zu 25 Jahre vor den ersten Krankheitszeichen festgestellt werden.

  • Musik als Demenzvorsorge: Was die Wissenschaft dazu sagt.
  • Gartenarbeit: Kann sie das Demenzrisiko senken?

Langzeitstudie mit 2.766 Frauen

Die Studie basiert auf Daten der umfangreichen amerikanischen Women’s Health Initiative Memory Study (WHIMS). Insgesamt nahmen 2.766 Frauen teil, die zu Beginn der Untersuchung zwischen 65 und 79 Jahre alt waren und keine Gedächtnis- oder Denkprobleme aufwiesen. Zu Beginn der Studie wurden Blutproben entnommen und für spätere Analysen eingefroren.

Jahre später untersuchte das Forschungsteam diese Proben und bestimmte die Konzentration eines Eiweißes namens phosphoryliertes Tau-Protein 217 (p-tau217). Dieser Biomarker steht in engem Zusammenhang mit den für Alzheimer typischen Ablagerungen von Tau-Proteinen im Gehirn.

Hintergrund zu Alzheimer

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, deren genaue Ursachen bislang unklar sind. Es ist jedoch bekannt, dass sich im Gehirn von Betroffenen zwei charakteristische Eiweißablagerungen bilden: Beta-Amyloid-Plaques, die sich außerhalb der Nervenzellen ansammeln, und Tau-Protein-Ablagerungen, die im Inneren der Nervenzellen auftreten. Beide Veränderungen sind mit Nervenzellschäden und dem Absterben von Nervenzellen verbunden und gelten als zentrale Merkmale der Alzheimer-Erkrankung. Neue Medikamente zielen darauf ab, das Immunsystem zu aktivieren, um Beta-Amyloid-Ablagerungen abzubauen. Diese Medikamente können das Fortschreiten der Symptome moderat verlangsamen, eine Heilung ist jedoch nicht möglich.

Das Forschungsteam verfolgte die gesundheitliche Entwicklung der Frauen über einen Zeitraum von bis zu 25 Jahren mit regelmäßigen Untersuchungen. Dabei wurde ermittelt, welche Teilnehmerinnen im Laufe der Zeit Gedächtnisprobleme, eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder Demenz entwickelten und ob dies mit ihren jeweiligen p-tau217-Werten im Blut korrelierte.

Die Ergebnisse zeigten, dass Frauen mit höheren p-tau217-Konzentrationen im Blut signifikant häufiger an Demenz erkrankten als Frauen mit niedrigeren Werten. Der Blutwert war also mit einem erhöhten Risiko verbunden und konnte in einigen Fällen bereits bis zu 25 Jahre vor den ersten Symptomen anzeigen, welche Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit an Alzheimer erkranken würden.

„Diese lange Vorlaufzeit eröffnet die Möglichkeit früherer Präventionsstrategien und einer gezielteren Überwachung, anstatt zu warten, bis Gedächtnisprobleme bereits den Alltag beeinträchtigen“, erklärte Aladdin H. Shadyab, Altersforscher und Erstautor der Studie.

Der Test ist noch kein Diagnosewerkzeug

Obwohl der Marker in der Studie einen Zusammenhang zwischen höheren p-tau217-Werten und einem erhöhten Demenzrisiko aufzeigte, erlaubt er bislang keine sichere Vorhersage für einzelne Personen. Einige Frauen mit hohen Werten blieben gesund, während andere mit niedrigeren Werten dennoch an Demenz erkrankten. Der Blutwert eignet sich daher eher zur Risikoeinschätzung auf Gruppenebene als zur individuellen Diagnose.

Der Neurologe Masud Husain von der University of Oxford bezeichnete die Studie, an der er nicht beteiligt war, als „beeindruckend“. Er sagte: „Diese Ergebnisse unterstützen die wachsende Evidenz dafür, dass die Messung von p-tau217 im Blut ein wichtiger Weg sein könnte, um Menschen zu identifizieren, die ein besonders hohes Demenzrisiko haben – und zwar Jahre bevor eine Diagnose gestellt wird.“

In der Tat sprechen mehrere Studien für die Eignung von p-tau217 als frühem Blutmarker für Alzheimer. Weitere Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass sich anhand dieses Biomarkers sogar der Zeitpunkt des erwarteten Symptombeginns relativ genau abschätzen lässt. In einer entsprechenden Untersuchung lagen die Vorhersagen im Durchschnitt nur etwa drei bis vier Jahre neben dem tatsächlichen Symptombeginn.

Die Informationen aus dieser Studie könnten dazu beitragen, die Früherkennung von Alzheimer zu verbessern und somit rechtzeitig präventive Maßnahmen zu ergreifen.

Mehr zum Thema

Brustkrebs: Viele Todesfälle könnten verhindert werden

„`

Bildquelle: Anna Shvets auf Pexels

Ronny Winkler