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Chikungunya Tropenvirus rückt in Europa näher – Risiko unterschätzt

Ein Tropenvirus breitet sich in Europa schneller aus als bislang angenommen. Forschende warnen: Das Chikungunya-Virus kann bereits bei niedrigeren Temperaturen übertragen werden – und profitiert vom Klimawandel. Drohen künftig häufiger Ausbrüche auch in Mitteleuropa?

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Foto: NF24 / KI

Ein Tropenvirus breitet sich in Europa stärker aus, als viele Expertinnen und Experten bislang angenommen hatten: Der Chikungunya-Erreger, der durch Stechmücken übertragen wird, kann bereits bei deutlich niedrigeren Temperaturen aktiv werden als gedacht und stellt damit ein wachsendes gesundheitliches Risiko für weite Teile des Kontinents dar. Neue Studien zeigen, dass sich das Virus auch in Regionen ausbreiten kann, in denen es früher als kaum übertragbar galt – ein Befund, der angesichts der Klimaerwärmung besondere Bedeutung gewinnt.

Chikungunya – Tropenvirus mit schmerzhaften Folgen

Das Chikungunya-Virus ist ein von Stechmücken übertragener Erreger, der vor allem in den Tropen und Subtropen heimisch ist. Infizierte Menschen entwickeln typischerweise hohes Fieber, Hautausschlag, Kopfschmerzen sowie starke Gelenk- und Muskelschmerzen, die in manchen Fällen Wochen bis Monate anhalten können. In seltenen Fällen können Symptome auch Jahre persistieren, insbesondere bei älteren oder chronisch kranken Personen. Eine Behandlung zielt vor allem auf die Linderung der Beschwerden ab.

Steigende Gefahr durch Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke

Die Ausbreitung des Virus hängt eng mit der Verbreitung der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) zusammen, die in Teilen Europas in den letzten Jahren verstärkt Fuß gefasst hat. Forscher haben herausgefunden, dass diese Mücke das Chikungunya-Virus bereits bei Temperaturen von etwa 14 °C übertragen kann – zwei bis zweieinhalb Grad weniger als bislang angenommen. Das bedeutet, dass das Virus in größeren Teilen Europas länger aktiv sein kann als bisher erwartet – etwa von Frühling bis Herbst in Südeuropa und sogar in Mittel- und Nordeuropa bei milderen Sommern.

Klimaerwärmung begünstigt Tropenkrankheiten

Ein zentraler Faktor für die Verbreitung tropischer Erreger in Europa ist die Erwärmung des Klimas. Höhere Durchschnittstemperaturen, längere Sommer und mildere Winter schaffen günstigere Bedingungen für Stechmücken und ihre Entwicklung. Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) warnt bereits davor, dass durch diesen Trend nicht nur Chikungunya, sondern auch andere mückenübertragene Erkrankungen wie das West-Nil-Virus oder Dengue länger und in neuen Regionen auftreten könnten. 2025 wurden in Europa bereits so viele lokale Ausbrüche von chikungunya verzeichnet wie noch nie zuvor, unter anderem auch in Frankreich und Italien, was den Wandel der Risikolage verdeutlicht.

Gesundheitsrisiken und betroffene Regionen

Ein Chikungunya-Ausbruch kann zu mehreren gesundheitlichen Problemen führen: Obwohl die meisten Infektionen nicht tödlich verlaufen, kann die Krankheit für bestimmte Gruppen – darunter ältere Menschen, Schwangere oder Personen mit geschwächtem Immunsystem – schwerwiegender sein. Besonders betroffen sind derzeit Südeuropa (etwa Italien, Spanien, Griechenland), wo die Tigermücke bereits weit verbreitet ist, aber auch in Teilen Mitteleuropas steigt das Risiko, lokale Übertragungen zu erleben, wenn klimatische Bedingungen günstig sind.

Maßnahmen gegen die Ausbreitung

Gesundheitsbehörden betonen, dass es keine flächendeckenden Impfstoffe gegen Chikungunya gibt und die Vorbeugung vor allem über Mückenschutz erfolgen muss – etwa durch das Vermeiden von Mückenbrutplätzen, das Tragen langer Kleidung und den Einsatz von Insektenschutzmitteln. Zudem arbeiten öffentliche Gesundheitssysteme daran, Überwachung und Bekämpfung von Stechmücken zu verbessern, um Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und einzudämmen.

Fazit: Tropenvirus wird in Europa ernste Bedrohung

Der Chikungunya-Virus, lange als auf tropische Regionen beschränkt betrachtet, ist längst Bestandteil der europäischen Gesundheitslandschaft. Mit seiner Fähigkeit, bei niedrigeren Temperaturen übertragen zu werden und der zunehmenden Präsenz geeigneter Mückenarten ist die Gefahr für lokale Krankheitsfälle klar gestiegen. Angesichts des Klimawandels und veränderter ökologischer Bedingungen dürfte sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren weiter verstärken – ein Szenario, das Politik, Gesundheitsexperten und Öffentlichkeit gleichermaßen fordert.

bh
Quellen: n-tv.de