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Fünf Produktkategorien, die Millionen Menschenleben gefährden

Eine aktuelle Studie beleuchtet, wie fünf Produktgruppen, darunter Tabak und hochverarbeitete Lebensmittel, maßgeblich zur Zunahme chronischer Krankheiten und damit zu Millionen von Todesfällen beitragen. Wissenschaftler kritisieren die Verantwortung der Industrie und deren Einfluss auf die Forschung.

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Diese fünf Produktgruppen töten Millionen Menschen
KI-generiert

Ob Tabak, Alkohol oder Fertiggerichte – zahlreiche Produkte stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit dar. Eine aktuelle Analyse macht die Hersteller für unzählige Todesfälle verantwortlich und zeigt auf, wie die Industrie gezielt die Forschung beeinflusst.

Viren sind nicht die einzigen Verursacher von Krankheiten; auch Unternehmen, die gesundheitsschädliche Produkte herstellen und vertreiben, sind laut einem Team von Wissenschaftlern im angesehenen New England Journal of Medicine (NEJM) maßgeblich für nichtübertragbare Krankheiten verantwortlich. „Der weltweite Anstieg bestimmter chronischer Krankheiten ist alarmierend“, erklärt Hauptautor Nicholas Chartres von der Universität Sydney.

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Die Rolle der Industrie bei chronischen Krankheiten

Fossile Brennstoffe, Tabak, stark verarbeitete Lebensmittel, giftige Chemikalien, Kunststoffe und Alkohol sind laut dem Beitrag entscheidend für den weltweiten Anstieg chronischer Krankheiten. Dazu zählen Erkrankungen wie Krebs, Diabetes, neurokognitive Störungen und Unfruchtbarkeit. „Die Zunahme gesundheitsschädlicher Produkte spiegelt den Anstieg bestimmter chronischer Krankheiten in beunruhigendem Maße wider“, so Chartres, der auch wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums C2ECH an der Universität von Kalifornien ist.

Verantwortung für Todesfälle

Chronische Krankheiten sind mittlerweile für 74 Prozent aller Todesfälle weltweit verantwortlich. Die transnationalen Konzerne, die gesundheitsschädliche Produkte herstellen und vermarkten, tragen erheblich zu diesem Anstieg bei. „Sie produzieren Produkte und setzen Menschen diesen Produkten aus oder beeinflussen deren Konsum, was zu gesundheitlichen Schäden führt“, erläutert die Gruppe.

Die fünf gefährlichsten Produktgruppen

Die Analyse identifiziert fünf kommerzielle Produktgruppen, die weltweit für fast ein Drittel aller jährlichen Todesfälle verantwortlich sind:

  • Fossile Brennstoffe: 8,1 Millionen Todesfälle
  • Tabak: 7,2 Millionen Todesfälle
  • Hochverarbeitete Lebensmittel: 2,3 Millionen Todesfälle
  • Chemikalien: 1,8 Millionen Todesfälle
  • Alkohol: 1,8 Millionen Todesfälle

„Um unsere Gesundheit zu schützen, ist es entscheidend, die unternehmerischen Ursachen von Krankheiten zu analysieren und zu verstehen und Wege zu finden, ihren Einfluss einzudämmen“, betont Chartres. Politische Schutzmaßnahmen und ein stärkerer Fokus auf die Gesundheitsrisiken, die mit Unternehmensaktivitäten verbunden sind, seien notwendig.

Manipulation von Forschungsergebnissen

Zu den Methoden, mit denen wissenschaftliche Daten verfälscht werden, zählen die Beeinflussung von Forschungsfragen, Angriffe auf unabhängige Wissenschaftler, die die Position der Industrie nicht unterstützen, sowie die Unterdrückung von Daten über gesundheitliche Schäden ihrer Produkte. Ein Beispiel ist die Herabsetzung der Schädlichkeit von PFAS durch Hersteller. Die Zuckerindustrie hat in den USA Wissenschaftler und Forschungsprojekte finanziert, die gesättigte Fettsäuren als Hauptursache für koronare Herzkrankheiten darstellten und damit von Zucker als eigentlichem Problem ablenkten.

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Zusammenarbeit in der Industrie

Obwohl Unternehmen in gesundheitsschädlichen Branchen miteinander konkurrieren, arbeiten sie häufig zusammen, um zu verhindern, dass die Regierung Vorschriften erlässt, die ihre Macht oder Reichweite verringern könnten. Die Tabakindustrie hat beispielsweise mit der Alkoholindustrie kooperiert, um Gesetze zum Schutz der Innenraumluft in den USA zu untergraben.

Lehren aus der Tabakforschung

Unterlagen der Tabakindustrie zeigen, dass Führungskräfte seit Jahrzehnten wussten, dass Rauchen Krebs verursacht und Nikotin süchtig macht, diese Informationen jedoch der Öffentlichkeit vorenthalten haben. „Die Forschung zur Tabakindustrie liefert eine Blaupause dafür, wie andere Einflüsse von Unternehmen auf die Gesundheit erkannt und bekämpft werden können“, sagt Chartres.

Regulierungsbedarf

Um gesundheitsschädliche Produkte ähnlich wie Tabak zu regulieren, sind Vorschriften erforderlich, die diesen Branchen im Rahmen eines globalen Abkommens die Einflussnahme auf die Politik untersagen. Datenbanken, die Zahlungen der Industrie an Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger erfassen, sowie ein Verbot finanzieller Verbindungen zwischen der Industrie und Forschern durch Regierungen sind ebenfalls notwendig.

Ernährungsgewohnheiten und Gesundheit

Die European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) hat kürzlich Daten veröffentlicht, die einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Verzehr großer Mengen hochverarbeiteter Lebensmittel und einer verminderten Fruchtbarkeit bei Männern sowie einem gestörten Wachstum früher Embryonen im Mutterleib zeigen. Auch wenn noch keine ursächliche Verbindung nachgewiesen ist, empfehlen die Autoren, bei Kinderwunsch und während der Schwangerschaft weniger solche Produkte zu konsumieren.

Wachstum der Industrie

Hochverarbeitete Lebensmittel sind laut der Nova-Klassifizierung industriell hergestellte Produkte aus günstigen Zutaten, die zahlreiche Verarbeitungsschritte durchlaufen. Diese Produkte sind oft verzehrfertig oder nur noch aufzuwärmen und enthalten häufig hohe Mengen an Zucker, Fett oder Salz.

Die UPF-Industrie (ultra-verarbeitete Lebensmittel) ist mittlerweile der profitabelste Teil der globalen Lebensmittelindustrie mit einem jährlichen Umsatz von rund 1,9 Billionen US-Dollar im Jahr 2023. Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an hochverarbeiteten Lebensmitteln.

Gesundheitliche Auswirkungen

Die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, die durch mächtige globale Konzerne vorangetrieben wird, führt zu einem Anstieg von Fettleibigkeit, Diabetes und psychischen Erkrankungen. Die Experten fordern eine starke globale Reaktion, ähnlich den koordinierten Bemühungen gegen die Tabakindustrie.

Die UPF-Industrie stellt Unternehmensgewinne über die öffentliche Gesundheit, und es ist klar, dass mehr getan werden muss, um die gesundheitsschädlichen Industrien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft zu bekämpfen.

TS