Die elektronische Patientenakte soll das Gesundheitswesen digitaler und effizienter machen – doch viele Hausärzte schlagen Alarm. Sie klagen über technische Probleme, hohen Mehraufwand und mangelnde Praxistauglichkeit. Wird die ePA zum Fortschritt oder zur Belastung für den Praxisalltag?
Hausärzte kritisieren elektronische Patientenakte – System noch nicht ausgereift

Nach dem Start der elektronischen Patientenakte (ePA) in Deutschland melden sich verstärkt Hausärzte mit deutlicher Kritik zu Wort. Viele Allgemeinmediziner sehen die digitale Akte zwar prinzipiell als sinnvolle Idee, bemängeln aber die technische Umsetzung und praktische Nutzbarkeit des aktuellen Systems. Besonders seit dem verpflichtenden Upload von Befunden und Laborwerten entstehen nach Angaben der Ärzte erhebliche Probleme im Alltag der Praxen.
Kritikpunkte: Technik, Stabilität und Aufwand
Die Vorsitzende des Hausärzteverbands, Nicola Buhlinger-Göpfarth, bezeichnete die ePA in einem Interview als gut gemeinte Idee, für deren Umsetzung aber eine unzureichende technische Qualität vorliege: Viele Praxen bewerten die Funktionalität von Krankenkassen, Industrie und der Digitalagentur Gematik als „mangelhaft“. In einer Umfrage berichten rund 75 Prozent der Hausärzte von technischen Störungen und Problemen bei der Nutzung, die den Praxisablauf erheblich belasten.
Hausärzte bemängeln unter anderem, dass das System instabil laufe, schwer zu bedienen sei und regelmäßig digitale Hürden aufwerfe. Sie sehen ihre Organisation durch zusätzliche technische Aufgaben belastet, die im Praxisalltag ohnehin schon angespannt ist. Viele Medizinerfahrungen deuten darauf hin, dass digitale Lösungen im Gesundheitswesen zwar Potenzial bieten, aber derzeit noch nicht praxistauglich umgesetzt seien.
Hintergrund: ePA als zentrales Digitalprojekt im Gesundheitswesen
Die elektronische Patientenakte wurde in Deutschland im Rahmen der E-Health-Strategie entwickelt, um medizinische Befunde, Diagnosen, Laborwerte und Behandlungsdaten digital zu bündeln und sektorenübergreifend verfügbar zu machen. Seit dem 29. April 2025 bekommen gesetzlich Versicherte automatisch eine ePA, sofern sie nicht widersprochen haben.
Ziel ist es, den Austausch medizinischer Informationen zu erleichtern, doppelte Untersuchungen zu vermeiden und eine bessere Versorgung zu ermöglichen. Viele Fachleute sehen in der digitalen Akte langfristig einen Vorteil – etwa wenn Notfallinformationen oder Medikamentenlisten sofort verfügbar sind.
Probleme bei Akzeptanz und Nutzung
Neben technischen Schwierigkeiten sehen Experten auch eine geringe Akzeptanz auf Patienten- und Ärzteseite. Bereits vor der verpflichtenden Nutzung wurde kritisiert, dass viele Versicherte schlecht über die ePA informiert seien und nur ein kleiner Teil aktiv mit dem System arbeite.
Auch die Ärzteschaft hat immer wieder vor einer „Bruchlandung“ der ePA gewarnt, falls die Benutzerfreundlichkeit nicht verbessert und technische Hürden abgebaut würden. Die Verantwortung für Informations- und Schulungsmaßnahmen wird dabei häufig bei Krankenkassen und zuständigen Behörden gesehen.
Fazit: Chancen und Herausforderungen
Die elektronische Patientenakte gilt als ein zentrales Digitalprojekt im deutschen Gesundheitswesen – mit dem Potenzial, Versorgung effizienter und sicherer zu machen. Gleichzeitig stehen Hausärzte und viele andere Nutzer dem aktuellen System kritisch gegenüber, weil technische Probleme, Bedienbarkeit und Stabilität nach ihrer Einschätzung noch nicht ausreichend sichergestellt sind. Ob und wie schnell diese Herausforderungen gelöst werden können, wird entscheidend dafür sein, ob die ePA in der praktischen Versorgung wirklich ankommt.








