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Verlust des Y-Chromosoms bei älteren Männern erhöht Krankheitsrisiken

Studien zeigen: Der altersbedingte Verlust des Y-Chromosoms bei Männern könnte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und eine erhöhte Sterblichkeit steigern. Forscher sehen darin einen möglichen Biomarker für schwere Krankheiten im Alter.

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Foto: NF24 / KI

Ein häufig unterschätzter biologischer Prozess könnte ein Schlüssel zur Erklärung altersbedingter Krankheiten bei Männern sein: der Verlust des Y-Chromosoms in bestimmten Körperzellen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass dieser genetische Verlust mit einem höheren Risiko für schwere Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden und Krebs verbunden sein kann. Experten fordern mehr Forschung, um die Mechanismen und mögliche Präventionsansätze besser zu verstehen.

Was bedeutet Y-Chromosomen-Verlust?

Das Y-Chromosom ist das kleinste der Geschlechtschromosomen und bestimmt unter anderem die männliche Geschlechtsentwicklung. Mit dem Alter kommt es bei vielen Männern in einer wachsenden Anzahl von Zellen zu einem sogenannten mosaic loss of chromosome Y (mLOY) – ein Phänomen, bei dem einige Zellen das Y-Chromosom verlieren, während andere es behalten.

Dieser Verlust zeigt sich vor allem in den weißen Blutkörperchen und steigt mit zunehmendem Alter deutlich an: Während bei Männern unter 60 Jahren nur ein geringer Anteil an Zellen betroffen ist, können bei über 80-Jährigen mehr als 40 % der Blutzellen das Y-Chromosom verloren haben.

Risiko für Erkrankungen steigt

Mehrere Forschungsgruppen haben inzwischen Hinweise darauf gefunden, dass ein signifikanter Y-Chromosomen-Verlust mit einem erhöhten Risiko für diverse Krankheiten einhergeht:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Männer mit hohem Y-Chromosomen-Verlust haben statistisch ein höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
  • Krebserkrankungen: Studien zeigen eine assoziierte Zunahme bestimmter Krebsarten, insbesondere Prostata- und Lungenkrebs.
  • Allgemeine Mortalität: Der Verlust des Y-Chromosoms korreliert auch mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit im höheren Alter.

Der genaue Mechanismus ist bislang nicht vollständig verstanden, doch es wird vermutet, dass der Y-Chromosomen-Verlust die Funktion des Immunsystems beeinträchtigen und die Genomstabilität in betroffenen Zellen reduzieren kann. Dadurch könnten Entzündungsprozesse und Tumorentstehung begünstigt werden.

Kontroverse und medizinische Bewertung

Nicht alle Wissenschaftler sehen im Y-Chromosomen-Verlust einen eindeutigen Krankheitsauslöser; vielmehr könnte er ein Marker für allgemeine Zellalterung und genetische Instabilität sein. Einige Experten betonen, dass mLOY ein biologisches Korrelat des Alterns, aber kein direkter Verursacher von Krankheiten sei. Dennoch wird der Y-Chromosomen-Verlust zunehmend als ein relevanter Faktor in der Erforschung altersbedingter Gesundheit angesehen.

Bedeutung für Medizin und Prävention

Die Erkenntnisse über mLOY könnten künftig dazu beitragen, individuelle Gesundheitsrisiken besser einzuschätzen. Eventuell lässt sich der Y-Chromosomen-Verlust als biomolekularer Marker für erhöhte Krankheitsanfälligkeit nutzen. Forscher halten es für denkbar, dass solche genetischen Signaturen in Risikoprofile integriert werden und so frühere Prävention und maßgeschneiderte Screening-Programme ermöglichen.

Gleichzeitig unterstreicht der aktuelle Forschungsstand die Notwendigkeit weiterer Langzeitstudien, um zu klären, wie der Y-Chromosomen-Verlust mit Lebensstilfaktoren, Umweltbelastungen und anderen genetischen Veränderungen interagiert.

bh
Quellen: n-tv.de